13. Januar 2017

Unsere Esskultur in der Familie

Unsere Esskultur in der Familie - meinefamilie.at

Auch wenn das Essen immer öfter unterwegs und beiläufig passiert, ist es schön, in der Familie eine gemeinsame Essens- und Tischkultur zu entwickeln. Eine Familie erzählt.

Dieser Beitrag ist in der Zeitschrift „Familie als Berufung“ erschienen. Die Autoren sind diesmal Elisabeth und Bernhard Braun, Schönstatt-Familientrainer aus Wien.

Familie zu sein, das ist einfach schön… So beginnt ein Lied. Wie herrlich ist es, sich als Familie wahrzunehmen, miteinander Zeit zu verbringen und das Miteinander zu erleben und zu feiern! Ein zentrales Element dabei ist das gemeinsame Essen. Gutes Essen hält Leib und Seele zusammen. Gemeinsames Essen hält die Familie zusammen.

Bleibt Zeit für gemeinsame Tischkultur?

Doch genau das wird in unserer heutigen, schnelllebigen Zeit auf eine harte Probe gestellt: Die Eltern gehen oft beide arbeiten, die Kinder sind in der Ganztagesbetreuung oder sind zeitlich sehr eingedeckt und am Wochenende möchte man etwas erleben. Da bleibt kaum Zeit für eine gemeinsame Tischkultur. Unsere Kinder ernähren sich oft mehr von Fastfood und Fertigprodukten als von Frischgekochtem. Das gemeinschaftliche Essen tritt immer mehr in den Hintergrund und auch unsere Jüngsten im Kindergarten essen nicht mehr gemeinsam in der Gruppe, sondern werden nacheinander zum Essen geschickt.

Wir sind der Ansicht, dass Essen etwas Wunderbares und Wertvolles ist.

Es ist nicht nur bloße Nahrungsaufnahme: Genuss, Gemeinschaft, Dankbarkeit und Lebensfreude verbinden sich dabei zu einem großen Ganzen. Gemeinsames Essen ist für uns ein großes Geschenk, Essen ist Leben! Daher ist es uns wichtig es auch auszukosten – im wahrsten Sinne des Wortes.

Genügend Zeit zum Essen nehmen

Ein Mann hetzt durch die Fußgängerzone. In der einen Hand das Smartphone, mit dem er gerade ein schwieriges Gespräch führt. In der anderen einen Aktenkoffer und zwischen Zeigefinger und Daumen eine Leberkässemmel. Im schnellen Gehen isst er so sein Mittagessen zwischen zwei Geschäftsterminen. Ein gewohntes Bild?

Zeit ist eine der wertvollsten Ressourcen, die wir haben. Wir müssen selber entscheiden, wie wir sie nutzen. Das liegt in unserer Verantwortung. Ein gemeinsames Essen mit der Familie ist extrem wertvoll. Dafür nehmen wir uns gerne Zeit. Dafür darf man auch eine halbe Stunde früher aufstehen, oder wenn es irgendwie möglich ist, einen Abendtermin verschieben. So gewinnen wir die Möglichkeit, uns als Familie zu spüren und uns als Gemeinschaft wahrzunehmen.

Während dem Essen wird bei uns viel geredet, Meinungen ausgetauscht, über Erlebtes gesprochen und auch auf Kommendes vorbereitet.

Familienessen - meinefamilie.atWir haben das große Glück, dass mein Mann zu Mittag öfters nach Hause kommen kann. Wir genießen diese Zeit sehr und sehen sie für uns als großes Geschenk. Als unser Ältester im Gymnasium begonnen hat, haben sich bei ihm auch die Essenszeiten geändert. Wenn er nicht mitessen konnte, weil er später kam, habe ich mich beim Essen zu ihm gesetzt und mit ihm über den Tag gesprochen. Diese Ankomm-Zeit ist für ihn sehr wichtig geworden.

Freunde von uns genießen das Abendessen als Familienzeit. Da beide Elternteile berufstätig sind, nutzen sie diese Zeit für die Familie. Mit oder ohne Familie tut es auf jeden Fall unglaublich gut, sich genügend Zeit und Ruhe für das leibliche Wohl zu gönnen.

Entspannte Atmosphäre ohne Handy, ohne Zeitung

Essenszeit bedeutet Zeit zum Genießen. Wir dürfen das gemeinsame Essen so gestalten, dass wir uns wohl fühlen, dass wir ganz da sein können, ohne abgelenkt zu werden.

Uns helfen dabei zwei alte Weisheiten: „Weniger ist mehr!“ – Wir beziehen das auf die Geräusche rund um unser Essen. Es ist kinder(n)leicht Fernseher, Radio, Smartphone usw. zu bedienen, doch der Ausschaltknopf ist manchmal schwer zu finden. Wir gönnen es uns, während dem Essen nicht zum Telefon zu gehen (man kann ja zurückrufen!) und versuchen diese wertvolle Zeit nur miteinander und nicht mit Störsignalen zu teilen.

Spielzeug oder Zeitungen am Tisch betrachten wir ebenso als unerwünschte Ablenkungen.

Durch diese Ent-Spannung fällt es uns leichter, uns auf unser Miteinander zu konzentrieren.

„Das Auge isst mit.“ Ich bin immer wieder begeistert, wie Menschen, die gestalterisch begabt sind, mit ein wenig Kerzen, Dekoration und ruhiger Musik eine angenehme Atmosphäre zaubern können. Hier können auch Kinder wunderbar ihren Beitrag leisten und sich schöpferisch entfalten! Ich fühle mich bei so einem schön hergerichteten Essen willkommen, wertgeschätzt und einfach rundum wohl. Zusammen mit einem guten selbstgekochten Essen führen diese beiden Weisheiten auch dazu, dass sich unsere Kinder wohl fühlen und somit auch einen Bezug zu einer entspannten, gesunden Ernährungsweise bekommen.

Die Kinder übernehmen Aufgaben

Eine befreundete Familie hat uns berichtet, dass ihre achtjährige Tochter sie immer wieder mit einem Frühstück überrascht. Es macht ihr einfach Freude, alles herzurichten, aufzudecken und natürlich auch danach ein großes Lob zu erhalten. Es ist uns wichtig, dass unsere Kinder selbständig werden und lernen, Aufgaben zu übernehmen. Durch einen Bandscheibenvorfall konnte ich als Mutter eine Zeit lang kaum etwas im Haushalt tun. Dadurch war die Familie gefordert, mehr zu machen. Auch den Kindern wurden viele Tätigkeiten im täglichen Leben zugeteilt. So sind sie gewachsen, weil sie gespürt haben, dass ihre Hilfe wertvoll ist.

Heute trauen sie sich mehr zu und es ist selbstverständlicher geworden, dass sie mithelfen. Dazu haben wir Verschiedenes ausprobiert: fix eingeteilte Dienste, freiwilliges Helfen und auch das Zusammenwarten und dann gemeinsam Werken hat etwas Gutes. Es darf nur nicht allzu starr sein, sondern sollte wandelbar und doch öfters auch situationsbezogen angepasst werden können.
Sicher muss man die Kinder öfter mal dazu motivieren und „erinnern“ zu helfen, doch das gehört einfach dazu.

Ein gutes Miteinander ist uns wichtig

Während dem Essen möchten wir eine lockere Atmosphäre genießen. Es sollte möglichst die Freude und ein wertschätzendes Miteinander vorherrschen. Wir versuchen Negatives, Zurechtweisungen und Du musst-Sätze zu vermeiden. Die Kinder lernen mehr durch Vorleben als durch vorgesagte Sätze!

Es ist egal, wie oft wir ihnen vorsagen, was alles gut ist, wenn wir es nicht vorleben – denn dann werden uns die Kinder in diesen Punkten nicht mehr ernst nehmen.

Es ist uns wichtig, unseren Kindern Anhaltspunkte zu geben, an denen sie sich orientieren können. Ein regelmäßiges, gemeinsames Essen kann so ein Fixpunkt sein. Ein gemeinsamer Beginn und ein definierter Abschluss geben dabei Klarheit und Sicherheit.

Familienessen - meinefamilie.atDie Kinder stehen vor den Eltern vom Essen auf

Da unsere Kinder meist schneller mit dem Essen fertig sind als wir, hat es sich bei uns durchgesetzt, dass sie fragen, ob sie aufstehen dürfen. Sie bedanken sich für das Essen und tragen anschließend ihr Gedeck selbst in die Küche. Dadurch haben wir Eltern noch Zeit zum Reden und Genießen.

Diese Rituale rund ums Essen dürfen und sollen von jeder Familie entwickelt werden. Dabei ist es wichtig, die eigene Familienoriginalität hochzuhalten. „Sei was du bist, sei es in bestmöglicher Form!“ – sagt P. Josef Kentenich.

Dankbarkeit ist uns wichtig

Wir möchten unseren Kindern vorleben, dankbar zu sein und den Dank zu dem zu bringen, dem wir alles zu verdanken haben. Es ist nicht selbstverständlich, dass wir gut und genug zu essen haben oder dass wir dieses als Familie dieses genießen können. Um uns immer wieder bewusst zu machen, wem wir letztlich das Geschenk des Lebens verdanken, beten wir gemeinsam vor dem Essen. Manchmal klassisch („Komm, Herr Jesus…“), manchmal mit einem Lied und manchmal, wenn wir zum Beispiel im Gasthaus sind, mit einem einfachen Kreuzzeichen. Dadurch wird das Tischgebet zu einem fixen Bestandteil unseres Beisammenseins. Es wird auch zum Zeichen nach außen, dass wir Freunde Jesu sind.

Für unsren Jüngsten war das Tischgebet so selbstverständlich, dass für ihn ein Essen ohne Gebet nicht denkbar war. Auch nicht im städtischen Kindergarten, den er besuchte. Und so mussten bei seiner Eingewöhnung und darüber hinaus alle Kinder und Betreuerinnen ein Lied als Tischgebet mit ihm singen. Weil ohne Gebet kein Essen, so unser junger Missionar.

Uns ist es auch ein Anliegen den Kindern den Umgang mit Essen zu vermitteln. Wir nehmen uns nicht zu viel auf den Teller. Bevor das Gekochte gänzlich abgelehnt wird, muss das Kind vorher kosten. Aus Achtung vor denen, die nicht soviel haben, versuchen wir auch, nichts (so wenig wie möglich) wegzuschmeißen.

Diese Achtsamkeit vor dem Gekochten und den Lebensmitteln versuchen wir auch im Urlaub zu leben – speziell, wenn es Buffetangebote gibt. Dankbarkeit bedeutet, auch nichts zu verschwenden!

Positive Beispiele von anderen erleben

Eltern von kleinen Kindern gehen oft (verständlicherweise!) als Familie nicht gerne auswärts essen. Es ist schwierig, die Kinder ruhig zu halten, bis die bestellten Gerichte endlich kommen. Die Portionen für die Kleinen sind oft viel zu groß, so dass die Eltern noch mehr essen dürfen als sie eigentlich wollen. Auch während des Essens ist es nicht leicht, wenn mal ein Kind in der Trotzphase lautstark seinen Unmut über das Ketchup auf den Pommes (es gehört ja daneben!) kundtut, oder die Trefferquote bei der Suppe nur bei 50% liegt und die andere Hälfte sich leider nicht im Mund des wackeren Ich-kann-es-alleine-Helden befindet.

Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Schönstatt-Familienurlaub dabei sehr heilsam wirkt. Nicht, dass die Kinder dabei lernen würden, sich nach unseren Vorstellungen bei Tisch zu benehmen. Aber man erlebt auf diesen Wochen, dass alle junge Familien vor ähnlichen Herausforderungen stehen und bekommt in der angenehmen Atmosphäre eine gewisse Lockerheit bei Trotzphasen oder müden Kindern in der Öffentlichkeit. Auf Schönstatt-Tagungen darf man so sein, wie man ist und wie man isst.

Gleichzeitig durften wir auch sehr viel von den Beispielen der anderen Familien mitnehmen und lernen – Leben entzündet sich am Leben.

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