6. April 2017

Essen ist kein Trostspender

Essen ist kein Trostspender - meinefamilie.at

Keine Sorge haben, wenn Kinder nichts essen wollen – das ist leichter gesagt als getan. Doch Essen sollte weder zur Belohnung noch als Trostspender verwendet werden.

Nehmen wir an, Sie setzen sich mit Ihrem Kind zu Tisch, der Tisch ist einladend gedeckt, die Atmosphäre ist entspannt, das Essen wird aufgetragen – aber Ihr Kind will nichts davon wissen.

Worin besteht das Problem? Was wir von Kindern lernen können, ist das einfache und direkte Fragen: „Ist was? Stimmt was nicht?“ Sorgen können den Appetit auf’s beste Essen verderben und auch kleine Kinder können Sorgen haben. Wenn sich der beste Freund Ihres Kindes einen anderen besten Freund sucht, kann dies eine einschneidende Lebenserfahrung sein. Ihre liebevolle Zuwendung und ein Gespräch sind dann mehr gefragt als das Essen.

Essen nicht als Trostspender oder Belohnung verwenden

An dieser Stelle sei ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Essen kein geeigneter Trostspender ist: „Du bist hingefallen, da hast‘ ein Zuckerl“, „Du bist traurig, ich koch dir deine Lieblingsspeise“. Wenn diese Botschaften oft genug einwirken, werden sie im Unterbewussten verknüpft. Wenn in späteren Krisensituationen Trostbedarf besteht, aber kein menschlicher Trostspender verfügbar ist, kann diese unbewusste Verknüpfung wieder aktiviert werden. Es kommt dann zu ungünstigem Essverhalten mit zum Teil erheblichen Nebenwirkungen (Kummerspeck, etc.). „Aber du musst doch hungrig sein. Iss wenigstens ein bisschen, MIR ZULIEBE“. Da merkt oft schon ein kleines Kind unbewusst, dass es mit dem Essen Macht über die Eltern ausüben kann und wird so womöglich ein launischer Esser.

Keine Sorge! Kinder lassen sich nicht verhungern

Bei der Befriedigung elementarer Lebensbedürfnisse, zu denen auch das Essen zählt, sollte man Kindern eine gewisse Unabhängigkeit und Freiheit der Wahl zubilligen.

Immerhin kommt jeder Säugling mit einem völlig intakten Mechanismus zur Regelung von Hunger und Sättigung auf die Welt. Das Baby macht sich bemerkbar, wenn es Hunger hat und hört auf zu essen, wenn es satt ist. Vertrauen Sie auf den erfahrenen Rat vieler Kinderärzte: Ein gesundes Kind verhungert nicht. Was ihm bei einer Mahlzeit an Kalorien und Nährstoffen entgeht, holt es sich bei anderen Mahlzeiten in ausreichendem Maße, vorausgesetzt Sie achten auf die Qualität der Mahlzeiten, insbesondere bei Getreide und Brot sowie Gemüse und Milchprodukten.

Ihre Sorge ist jedenfalls in der überwiegenden Anzahl der Fälle unbegründet und kann kontraproduktiv sein. Denn Sorge wird von Kindern intensiv wahrgenommen und je nach Entwicklungsstufe in unterschiedlicher Art „ausgewertet“. Durch übertriebene Sorge können Probleme, die eigentlich gar keine sind, zu ernstzunehmenden Störfaktoren in der Familiengemeinschaft werden. Oder anders gesagt: Wenn es Ihnen gelingt, in der eingangs beschriebenen Situation aufmerksam und gleichzeitig gelassen zu bleiben, entschärfen Sie das Konflikt- und Provokationspotential ganz erheblich. Guten Appetit!

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