23. März 2016

Darf man Spinat aufwärmen?

Spinat - meinefamilie.at

In vielen Familien wird am Gründonnerstag Spinat zubereitet. Grund genug, sich mit dem Wundergemüse, das es durch Popeyes Muskeln zu Weltruhm gebracht hat, näher zu beschäftigen und dabei mit der Sorge vor aufgewärmtem Spinat aufzuräumen.

Als ich ein Kind war, gab es bei uns am Gründonnerstag jedes Jahr Spinat mit Spiegelei. Die Tradition, am Gründonnerstag grüne Speisen zu essen, ist weit verbreitet und in Österreich ist es meist Spinat.

Wundergemüse mit TV-Ruhm

Spinat galt ja lange Zeit als Wundergemüse, da er außergewöhnlich viel Eisen enthalten sollte. Popeye der Seemann zeigte den Kindern in beeindruckender Weise vor, wie stark Spinat macht. Dieses Gerücht, das man gelegentlich noch immer hört, geht auf einen schlichten Berechnungsfehler eines Chemikers zurück. Irren ist halt menschlich und immerhin hat uns dieser Irrtum eine ganze Kinderfernsehserie beschert.

Trotz des Rechenfehlers ist das grüne Gemüse aber besonders reich an Vitaminen und Mineralstoffen, allen voran Vitamin C und Calcium. Und selbst der tatsächliche Eisengehalt ist für ein Gemüse relativ hoch. Außerdem enthält Spinat viele Proteine. Grund genug also, ihn nicht nur am Gründonnerstag zu essen.

Und wie ist das nun mit dem Aufwärmen?

Darf man Spinat aufwärmen? Immer wieder hört man, das sei gefährlich. Spinat enthält viel Nitrat. Dieser Stoff ist an sich nicht giftig, Pflanzen brauchen ihn zum Wachsen. Durch lange Lagerung und Bakterien wird Nitrat jedoch in Nitrit umgewandelt. Und Nitrit kann einerseits negativ auf den Sauerstofftransport im Körper wirken und andererseits in sogenannte Nitrosamine umgewandelt werden, die krebserregend sind.

Bakterien fühlen sich im Warmen besonders wohl. Dort vermehren sie sich schneller. Auch die Umwandlung zu Nitrosaminen erfolgt vor allem unter Hitzeeinwirkung.

Trotzdem muss man sich nicht vor Spinat fürchten. Bei der Produktion von Tiefkühlspinat geht durch den Herstellungsprozess schon ein großer Teil des Nitrats verloren. Tiefkühlspinat kann also ruhig zweimal erwärmt werden. Wichtig ist nur, dass er dazwischen gut gekühlt wird.

Bei frischem Spinat ist es wichtig ihn möglichst gleich zu verarbeiten und nicht lange zu lagern, denn dabei steigt der Nitritgehalt, während gleichzeitig die guten Vitamine verloren gehen. Bio-Gemüse hat übrigens meist einen niedrigeren Nitratgehalt, da es anders gedüngt wird.

Vorsicht ist bei Kleinkindern geboten

Babys sind auf Nitrit allerdings viel empfindlicher als Erwachsene, vor allem in den ersten sechs Lebensmonaten. Deshalb sollte man erst nach dem sechsten Monat Gemüse füttern, das viel Nitrat enthält und auch dann nicht jeden Tag. Und im ganzen ersten Lebensjahr empfehle ich wirklich, nur Spinat aus gekauften Babygläschen zu füttern, da bei diesen kontrolliert wird, dass kaum Nitrat oder Nitrit enthalten sind.

Nitrat enthalten übrigens auch viele andere Gemüsesorten, wie z.B. Blattsalate, Kohlarten, Rote Rüben, um nur einige zu nennen. Und es wäre ganz falsch, deshalb auf all diese Gemüsearten zu verzichten. Es ist vollkommen unmöglich sich so zu ernähren, dass man keinerlei Stoffe zu sich nimmt, die (möglicherweise) eine schädliche Wirkung haben können. Meiner Meinung nach ist für eine gesunde Ernährung die Zusammensetzung der Nahrung viel wichtiger. Eine möglichst abwechslungsreiche Ernährung ist viel besser, als ein Speiseplan, der nur aus wenigen ausgewählten „gesunden“ Lebensmitteln besteht. Und das können wir auch unseren Kindern von Anfang an mitgeben, am besten mit Spinat am Gründonnerstag!

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EIN ARTIKEL VON
  • Katharina Thonhauser

    Ich habe Lebensmittel- und Biotechnologie an der Universität für Bodenkultur in Wien studiert und bin Mutter von fünf Kindern. Ich koche leidenschaftlich gerne und beschäftige mich sich seit Jahren mit Fragen zum Thema "richtige" Ernährung. Mit meiner Familie lebe ich in Wien.


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