24. Juni 2019

Wenn bei Kindern die Lust zu Kochen erwacht


Hotel Mama und Papa ist ganz schön gemütlich. Es ist auch das gute Recht von Kindern, dass sie mal die Füße ausstrecken und sich verwöhnen lassen. Es ist aber auch schön, wenn sich der „Spieß“ einmal umdreht.

Vor einiger Zeit ist es passiert. Meine Mädels, sieben und (fast) elf Jahre alt, haben mir zum Frühstück ein Spiegelei gemacht. Das Kochen kam zwar überraschend, aber nicht völlig aus heiterem Himmel. Zuvor haben wir der Großen, sie wollte es nämlich wissen, gezeigt, wie das prinzipiell funktioniert.

Nicht nur war meine Freude über das unerwartete Schmankerl groß, ich deutete es auch als Zeichen – als Zeichen dafür, dass bei unserer Großen das Interesse am Kochen erwacht und entflammt war. Würden wir uns also fortan zurücklehnen und uns von unseren Kindern bekochen lassen können? Natürlich nicht! Das wäre eine Überforderung für sie. Aber es ist schön zu sehen, dass unsere „Bemühungen“ und Erzählungen gefruchtet haben.

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Frische in den Mittelpunkt stellen

Wir waren niemals Bio-Fanatiker, aber stets Frische-Apologeten. Sofern es sich zeitlich ausging, wurde bei uns frisch gekocht und das Fertigprodukt gemieden. Zumindest wurde aber konstant darüber geredet, dass das frische Essen das Eigentliche ist und das Fertigprodukt nur eine absolute Notlösung. Wichtig war es uns auch, ab einem gewissen Alter, dass wir über Geschmäcker diskutieren und gemeinsam das Künstliche vom Natürlichen unterscheiden.

Kochbücher für Kinder

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Kochen ist, meiner Meinung nach, die Liebe zu frischem und schmackhaftem Essen, das gerne auch noch gesund sein darf. Wenn Kinder ihre Leidenschaft dafür entdecken, hin und wieder etwas für die Eltern oder auch für sich selbst auf den Tisch zu bringen, dann hat es immer mit der Erkenntnis zu tun, dass sich der Zeitaufwand lohnt, da dann ja etwas auf dem Tisch steht, das besser, hochwertiger, nahrhafter und schmackhafter als ein vergleichbares Fertigprodukt ist.

Ist mann erst einmal soweit, dann sind Kinder überaus empfänglich für erste Kochbücher. Es gibt wunderschöne Publikationen, die beim Thema Frische ansetzen, Kinder aber in Sachen Komplexität nicht überfordern. In solchen Büchern arbeitet man mit „normalen“ Zutaten, die es auch um die Ecke zu kaufen gibt. Zudem kommen die meisten Rezepte mit wenigen Ingredienzen aus. So kann das Kind gerne selbstbewusst und erfolgreich von Zeit zu Zeit einfach mal drauflos kochen.

Und was kochen wir heute?

Durch „Grundlagenarbeit“, also der Vermittlung der Wichtigkeit von frischem Essen, lässt sich bei Kindern viel erreichen. Eltern müssen diese Wichtigkeit aber vorleben. Ist das Interesse des Nachwuchs am Kochen erst einmal erwacht, sollte man es nicht zu sehr forcieren. Mit Zwang kommt man sicher nicht weiter, ebenso wenig mit dem Thema, dass Mädchen eben kochen können sollen – denn auch Jungs gehören „hinter den Herd“. Lässt man Kindern aber das Lustvolle und Spielerische beim Kochen, dann können wahre Wunder geschehen. Probieren Sie es aus! Und schauen Sie, was demnächst ganz ohne Ihr Zutun auf dem Tisch landet.



EIN ARTIKEL VON
  • Markus Stegmayr

    Als freier Journalist, Blogger und Hobby-Gastrosoph besteht mein Berufsalltag hauptsächlich aus lesen, schreiben, hören und essen. Mein Familienalltag bringt diesen Rahmen aber oft gehörig aus der Fassung. Genau darüber lohnt es sich aber wiederum zu schreiben!


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