12. April 2019

Was macht uns zu dem, was wir eigentlich sind?

familie prägt - meinefamilie.at

Wissenschaftler sind sich einig: Es spielen die Gene eine wichtige Rolle und gleichzeitig dürfen aber auch der Einflüsse unserer Umwelt, insbesondere die unserer Familie und engsten Bezugspersonen, nicht außer Acht gelassen werden.

Mama und Papa, ich will so sein wie ihr mir vorlebt

Beginnen möchte ich bei den Eltern (ganz egal, ob biologische Eltern oder andere Hauptbezugspersonen in der Kindheit), da kein zweiter Faktor – abgesehen von unseren Genen – auch nur annähernd einen so großen Einfluss auf unseren Charakter hat. Dies sind die wichtigsten Personen in den ersten sechs Jahren unseres Lebens. Als Kleinkinder kopieren wir praktisch alles, was unsere Eltern sagen, tun oder wie sie sich verhalten. Dadurch gestalten wir unser „Selbstbild“. In dieser Zeit ist es den Kindern besonders wichtig, dass sie ihren Eltern gefallen wollen. Sie wissen unbewusst, dass sie von Erwachsenen abhängig sind – von ihnen werden sie bei Gefahr beschützt, bei Hunger gefüttert und bei Durst bringt Mama oder Papa etwas zu trinken. Sie passen ihr Verhalten so an, dass Erwachsene dadurch möglichst nicht gestört werden. Dazu gibt es auch verschiedene wissenschaftliche Studien. Ein Experiment dazu ist in einem kurzen Video zusammengefasst.

Und was haben Oma und Opa damit zu tun?

familie prägt3 - meinefamilie.atDabei spielt neben den Gefühlen, den Überzeugungen und dem Verhalten der Eltern auch deren Biografie eine wichtige Rolle. Man kann sich Fragen zur eigenen Herkunft bzw. dem Leben der eigenen Eltern stellen. Wenn man die eigenen Erziehungsmethoden reflektieren möchte, muss man sich damit beschäftigen, wie man selbst aufgewachsen ist. Folgende Fragen können für eine solche Reflexion hilfreich sein:

 

  • Wie bin ich selbst aufgewachsen? War ich eines von vielen Kindern in einer Großfamilie, oder ein Einzelkind?
  • Wie gut kamen meine Eltern miteinander aus? Führten sie eine liebevolle Beziehung, oder gab es oft Streit?
  • Wie war der Erziehungsstil meiner Eltern? Gab es sehr strenge Regeln und Grenzen, hatte ich zu viele Freiheiten, oder war es die richtige Mischung?
  • Wie wurden meine Eltern erzogen? Wie sind sie aufgewachsen?
  • Musste ich mich für die Interessen meiner Eltern begeistern, oder konnte ich eigene Interessen entwickeln?
  • Gab es wichtige Ereignisse/große Umbrüche im Leben meiner Eltern? Zum Beispiel: Spielten Geldsorgen oder Arbeitslosigkeit eine Rolle? Habe ich einen Elternteil frühzeitig verloren?

Diese oder ähnliche Fragen, können einem helfen zu klären, wie wir Erwachsene zu dem geworden sind, wie wir sind und was wir bei unseren eigenen Kindern gleich oder eben auch anders machen möchten.

Familie verändert sich

Manche Einflüsse von außen oder Brüche in der Familienbiografie können nicht immer bewusst entschieden werden. Umzüge, Trennungen oder Scheidungen und die Entstehung neuer Familiensituationen (neuer Partner, Stiefgeschwister, Patchworkfamilien), aber auch die Rückkehr von bereits ausgezogenen Geschwistern, oder die Aufnahme von kranken oder älteren Verwandten in den Haushalt prägen unseren Charakter. Kommt es zu solchen Veränderungen, hängt es davon ab, wie die Eltern mit der neuen Situation umgehen. Fühlen sie sich selbst machtlos oder überfordert und verlieren dadurch die Bedürfnisse der eigenen Kinder aus dem Blick, leidet das Selbstvertrauen der Kinder und sie können möglicherweise eine ängstliche oder skeptische Lebensauffassung entwickeln. Dabei ist es gut, wenn man sich Hilfe oder Unterstützung  von außen holt (Freunde, Beratung, fachliche Meinungen einholen).

Im Gegenteil dazu können die Kinder aber sogar gestärkt aus der Situation gehen, wenn die Eltern der Situation neutral bis positiv gegenüberstehen. Die Eltern vermitteln dadurch, dass Probleme lösbar sind – vor allem dann, wenn gemeinsam daran gearbeitet wird. Weiters wird dadurch dem Kind das Gefühl vermittelt, dass auch seine Sichtweise oder Interessen berücksichtigt werden.

Brüderchen und Schwesterchen

Neben unseren Eltern prägen uns aber auch noch andere wichtige Bezugspersonen wie zum Beispiel Großeltern, andere Verwandte, pädagogisches Personal im Kindergarten, Lehrer, Freunde, Nachbarn… Natürlich haben auch unsere Geschwister eine enorme charakterprägende Wirkung auf uns. Deshalb folgen von mir in den nächsten Wochen Blogbeiträge rund um das Thema Geschwisterbeziehungen.



EIN ARTIKEL VON
  • Bettina Fauler

    Ich lebe mit meinem Partner und unserem Sohn in Tirol. Hauptberuflich bin ich Mama, auch wenn ich Teilzeit als Sonderkindergartenpädagogin, Elternbildnerin und Trainerin arbeite. Ich erlebe einen abwechslungsreichen (Erziehungs-)Alltag, den ich gerne mit anderen teile.


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