18. November 2016

Wohin mit all dem Zeug? Strategien zum Reduzieren

Zeug reduzieren - meinefamilie.at

In einem Familienhaushalt sammelt sich ein Haufen Zeug. Wie schafft man es, die Dinge zu reduzieren – trotz aller Geschenke und der Sammelleidenschaft der Kinder?

Angeblich besitzt der durchschnittliche Europäer an die 10.000 Dinge. Vom Kugelschreiber über die Unterhose bis zum Flachbildschirm. Man stelle sich vor, wie viel sich demnach in einem Fünf-Personen-Haushalt wie dem unsrigen ansammelt. Zeug, Zeug, Zeug! Es sind wahrlich Unmengen, die sich in den Schränken, Kommoden, auf den Regalen, auf der Arbeitsfläche in der Küche, dem Boden und eigentlich überall in unserer Wohnung breit machen. Ordentlich sortiert, verloren unter der Couch oder aufgestapelt auf dem Schreibtisch. Mir gefällt das nicht, und ich habe dieser Flut schon vor Längerem den Kampf angesagt.

Dinge kosten Zeit, Geld und Nerven

1.) Sie kosten Geld. Ich mag schöne Dinge und gebe gerne Geld dafür aus. Wie die meisten Menschen haben aber auch wir nur ein begrenztes Budget. Es ist eigentlich ganz einfach:

Man spart viel Geld, wenn man sich ehrlich fragt, was man wirklich braucht.

2.) Dinge kosten Raum. Unsere Wohnung ist nicht klein, hat aber nur limitierte Kapazitäten für all das Zeug, das wir haben. Bevor ich darüber jammere, dass wir mehr Platz brauchen, überlege ich, was ich alles loswerden könnte.

3.) Und sie kosten Zeit und Nerven. Die Zeit, die ich fürs Shoppen, Aufräumen oder Ausmisten verwende, reduziert sich, wenn ich weniger Dinge kaufe. Und sie bleibt für Wichtiges, das mit Materiellem meistens wenig zu tun hat.

Außerdem motivieren mich ökologische Gründe, der Wunsch, freier von Konsum zu werden und die Suche nach einem einfachen und bescheidenen Lebensstil die Anzahl der materiellen Dinge in meinem Leben gering zu halten. Ich habe sechs Strategien, um Zeug zu reduzieren:

#1 Kaufen, was gebraucht wird.

Vor meinen Shoppingtouren hat mich mein Mann früher oft gefragt: „Was brauchst du denn eigentlich?“ Brauchen…? Hä? Shoppen geht man doch nicht, weil man etwas braucht, oder? Mein Einkaufsverhalten hat sich geändert. Denn meine Zeit für gemütliches Bummeln auf netten Einkaufsstraßen ist seeeehr begrenzt. Ich muss also vorher nachdenken, was ich möchte bzw. brauche, denn die nächste Gelegenheit kommt nicht so bald wieder. Das sieht dann so aus: Das große Kind hat fünf Langarm-T-shirts. Es bräuchte sieben, damit es sich mit dem Waschen gut ausgeht. Ergo: Ich kaufe zwei. Ohne zu wissen, was den Kids im Kleiderschrank fehlt, kaufe ich so gut wie nichts. (Das geht übrigens auch sehr gut bei der eigenen Garderobe J Auch wenn‘s mir da viel schwerer fällt, die hübsche Bluse im Geschäft zu lassen, weil ich eh eine ähnliche daheim habe.)

Zeug reduzieren - meinefamilie.at#2 Regelmäßig ausmisten.

Puzzles mit fehlenden Teilen, Kleidung, die so gut wie nie angezogen wird, der alte Mixer, der ‚zur Sicherheit‘ noch da ist, falls der neue kaputt geht. Weg damit! Es braucht da beherztes Handeln und nicht allzu viel Sentimentalität. Ich bin da – sehr zum Leidwesen meines Mannes, der Dinge für den Notfall hortet und zur Erinnerung sammelt – nicht besonders zimperlich. Auch Geschenke, die ich nicht brauchen kann, kommen über kurz oder lang weg. Hätte ich alle Dekogegenstände, die ich im Laufe meines Lebens von lieben Menschen bekommen habe, aufbewahrt, müsste ich mir dafür wohl ein Extradepot mieten. Was noch gut erhalten ist, kommt entweder auf den Pfarrflohmarkt oder wird auf willhaben.at verschenkt oder verkauft.

#3 Ein Ort für jedes Ding.

Ordnung zu halten fällt mir in der Praxis oft schwer. Theoretisch bin ich allerdings jemand, dem Ordnung und Struktur sehr wichtig ist. So nervt es mich sehr, wenn Dinge herumkugeln und ich nicht weiß, wo ihr Platz ist. Ordnungsexperten sagen: Ein Schlüssel, um Herr über das Chaos daheim zu werden, ist es, jedem Ding seinen Ort zu geben. Was keinen Ort hat, muss weg.

#4 Klar kommunizieren.

Bei drei Kindern und vielen schenkwilligen Verwandten gibt es mehrmals im Jahr einen Haufen an Geschenken. Soweit es möglich ist, gebe ich Geschenktipps an die Verwandtschaft weiter. Am liebsten konkret: Was? Welche Marke? Welche Farbe?

#5 Nein sagen.

Zu dem Zeug, das mir bei unzähligen Gelegenheiten angeboten wird, sage ich ganz oft nein.

Das Gratiskuscheltier aus dem Supermarkt oder die Werbebroschüren im Briefkasten brauche ich nicht.

Bei Kleider- oder Spielzeugspenden aus dem Bekanntenkreis überlege ich ebenfalls genau, ob wir das wirklich brauchen können.

#6 Kein unnützes Zeug verschenken.

Weil ich weiß, dass viel Zeug viel Arbeit macht, achte ich darauf, so wenig wie möglich davon selbst zu verschenken. (Was allerdings gar nicht so einfach ist!)

Und wie in so vielen Bereichen meines Lebens gelingt mir das alles mal besser und mal schlechter. Die Einkaufswut übermannt mich hin und wieder doch. Ich kaufe aus dem Bauch heraus Unnötiges, um es zu Hause verstauben zu lassen. Dazu kommt, dass Kinder ‚Zeug‘ lieben! Bei meinen Ausmist-Versuchen scheitere ich häufig also nicht nur an meinem Mann, sondern auch an meinen Kindern. Denn die Puppe mit dem fehlenden Arm, die seit Wochen unbeachtet im Kinderzimmer herumliegt, wird für meine Kinder genau dann interessant, wenn ich sie ausmisten will.



EIN ARTIKEL VON
  • Sandra Lobnig

    Seit ich Kinder habe, ist mein Leben schöner, erfüllter, spannender geworden. Und wahrscheinlich auch anstrengender. Ich bin Theologin und lese und schreibe über Ehe-, Erziehungs- und Glaubensthemen. Mit meinem Ehemann und unseren vier kleinen Kindern lebe ich in Wien.


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