15. Dezember 2014

Wie war das mit Besinnlichkeit im Advent?


Ruhige Adventzeit und Geschenke rechtzeitig besorgen, das sind die zwei Vorsätze die sich unsere Bloggerin jedes Jahr nimmt. Die Realität sieht anders aus

Vor einigen Tagen hat sie also wieder begonnen; jene Zeit nämlich, die fast schon traditionell mit den zwei großen Vorsätzen eingeläutet wird, dass es dieses Jahr wirklich besinnlich und ruhig zugehen soll und dass diesmal alle Geschenke fix bis zum 30. November engelhaft verpackt, zur Weitergabe bereit, unterm Bett verstaut sind.

Gleich vorweg: Vorsatz Nummer zwei hat bei mir noch nie, nicht einmal ansatzweise funktioniert, und auch dieses Jahr lässt sich bisher nur alles andere als Engelhaftiges unter unserem Bett hervorziehen. Vorsatz Nummer eins steht noch, aber auch nur deswegen, weil ich mir jeden Abend tief durchatmend vornehme, dass ab morgen wirklich Besinnlichkeit und Ruhe in unserem Haus einkehren wird.

 Ausschlafen vor der Rorate?

Und an jenem Mittwoch sollte der Tag so richtig adventlich werden. Plan war, um 5.30 Uhr aufzustehen, meine drei Männer auf leisen Sohlen zurückzulassen und in der Tiefe des stillen Morgens zur Rorate-Messe zu schleichen. Denn was könne besser auf einen Adventtag einstimmen, als eine derartige Frühmesse? Also legte ich mich Dienstag abends höchst motiviert um 22:00 Uhr ins Bett, um meinen fein säuberlich ausgerechneten Siebeneinhalb-Stunden-Schlaf genießen zu können, und dann mit vollem Elan und andachtsvoll um 5:45 Uhr aus dem Haus zu huschen. Punkt 23:00 Uhr wurde mein (Schlaf)Plan durch klägliches Gejammer aus dem Bubenzimmer auch schon wieder ad acta gelegt. Mit aller Kraft versuchte ich das erbärmliche „Mamiiiii“ zu ignorieren; ich hatte schließlich zu adventen. Nachdem mein Mann davon wusste, erklärte er sich großzügig bereit, die Situation in die Hand zu nehmen. Sehr gut, also weiterschlafen. Fünf Minuten später erklang die zweite Strophe meines Adventliedes: „Sorry, aber er will nur zu dir!“, brummte mein Mann und steckte unseren Dreijährigen unter meine Decke. Und los ging das allnächtliche Postionenwechseln, Polsterzipfelergattern, Bettdeckenwetteifern und Befreiungskunstschlagen von kleinen Bubenfüßen, die irgendwie magnetisch auf mein Gesicht reagieren.

Gefühlte zehn Minuten später klingelte auch schon der Wecker. Da mit mir auch mein kleiner Schnarchnachbar erwachte, mussten noch schnell die Grundbedürfnisse eines Dreijährigen gestillt werden, bevor ich mich, sagen wir einmal sehr kreativ gestylt, in Richtung Kirche bewegen konnte. Mit fünfminütiger Verspätung, völlig verschwitzt und etwas erzürnt, weil aufgrund externer Umstände einfach nichts nach Plan verlaufen war, hatte ich endlich mein Ziel erreicht.

Geht’s nur mir so?

In der stillen, allein durch Kerzenschein erhellten Kirche konnte ich nur sehr unkonzentriert den Geschehnissen der Hl. Messe folgen. Immer wieder kreiste ich um die Frage, wie das funktionieren kann, dass man sich auch als Mutter von kleinen Kindern adventlich auf Weihnachten vorbereitet. Besinnlichkeit und Ruhe scheinen in so einer Lebensphase einfach keinen Platz zu haben.

Wieder zu Hause angekommen, checkte ich beim Aufsperren der Wohnungstür schnell mein iPhone. Natürlich hatte ich meine Schwestern von meinem heldenhaften Kirchgang in aller Herrgottsfrühe wissen lassen. Neben den erhofften „Bravo“-Rufen schrieb mir eine meiner Schwestern, dass sie auch so gerne zur Hl. Messe gegangen wäre, sie aber stattdessen ihr kleines, vier Monate altes Baby stundenlang in den Schlaf wiegen musste. Sie müsse sich wohl damit abfinden, dass das anscheinend ihre Form der adventlichen Besinnung für dieses Jahr sei.

Da wurde mir bewusst, dass ich meinen kleinen Schreihals in der Nacht als Konkurrenzveranstaltung zur adventlichen Stille und Ruhe missverstanden hatte. Sich mit Kindergeschrei auf die Geburt unseres Erlösers einzustimmen kann ja in Wahrheit so verkehrt nicht sein. Vielleicht sind es ja gerade die ganz alltäglichen Gelegenheiten, die mich eventuell viel adventlicher auf Weihnachten hinführen, als es die nach außen hin etikettierten Adventaktivitäten je tun könnten.

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EIN ARTIKEL VON
  • Vali Schwarzbauer

    Nachdem ich als Vierling aufgewachsen bin und unsere Söhne (3, 6) großziehen darf, kenne ich die Höhen und Tiefen einer Familie. Darüber zu schreiben, ist neben dem Homeschooling unserer Kinder eine willkommene Abwechslung. Was mich noch begeistert: Gott, mein Mann, Laufen, Erdnussbutter und ein gutes Buch.


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