19. Juni 2015

Wie mein Unfall zu einem Glücksfall wurde


Vom Glücksfall Ruhe geben zu müssen und die Dankbarkeit gegenüber Familie, Nachbarn und Freunden neu zu lernen.

Die vergangenen zwei Tage hatte ich so viel Zeit für mich wie schon lange nicht mehr. Und das trotz eines ganz normalen randvollen Terminkalenders! Wie das möglich war?

“Ich wollte doch nur schnell”

Schuld daran war eigentlich unser Elektro-Moped. Oder aber meine Unvorsichtigkeit. Ich habe es mir angewöhnt, unsere Kinder, die ja schon sehr aktiv die Nachbarschaft durchstreifen, mit unserem Zweitfahrzeug “einzusammeln”. Als ich so meine Runde drehte hatte ich einen kleinen Zwischenfall. Solche Dinge passieren zumindest mir immer dann, wenn man “nur schnell” etwas erledigen will und unvorsichtig ist.

Ich starte also aus der Einfahrt unserer Nachbarn los, doch irgendwie streifte ich den Randstein und verlor das Gleichgewicht. Ich kippte mit dem schweren Ding in die Büsche. Das wäre weiters nicht tragisch gewesen, wäre nicht mein rechter Fuß zwischendrin eingeklemmt gewesen. Ich jaulte unter dem Gewicht und die Kinder hatten alle Mühe, das Moped von meinem Fuß zu entfernen.

Der Haushalt läuft auch im “Notprogramm”

Langer Geschichte kurzer Sinn: ich war für einige Tage außer Gefecht gesetzt. Im Spital ließ ich noch abklären, ob kein Knochen angeknackst war. Es war definitiv nur eine starke Prellung. Aber die schmerzte und der Fuß war ganz blau.

Ein eindeutiger Grund, mich auf der Couch einzuquartieren, das Bein hochzulagern und alle Arbeiten an die anderen zu delegieren… Einige Termine mussten wir zwar absagen und der Haushalt lief auf “Notprogramm”, doch gab es genug Aufgaben, die normalerweise ich mache und die ich nun genau erklären musste.

Ruhe geben müssen

Zuerst fiel mir das Ruhegeben sehr schwer. Ich bin nun mal sehr gerne aktiv, auch körperlich und diese Einschränkung machte mir zu schaffen. Ehemann und Kinder versorgten mich zwar gut, aber manchmal musste ich eben eine Zeitlang auf das Gewünschte warten. Eine wunderbare Schule in Sachen Geduld….

Auch Dankbarkeit lernte ich wieder neu. Meine Nachbarin hatte sich gleich an der Unfallstelle ganz rührend um mich gekümmert und zwei weitere brachten mich ins Spital und zurück. Ganz besonders bin ich natürlich meiner Familie dankbar, die einfach so ohne Probleme meine Arbeiten übernahm. Und ich lernte es wieder neu zu schätzen, dass ich sonst sehr unbeschwert und schmerzfrei meinen Alltag leben darf!

Ein Glücksfall: Einfach mal eine Stunde lesen

Was ich aber am allermeisten genoss, war, die Zeit, die ich nun sitzend oder liegend verbringen musste, mit Dingen zu füllen, zu denen ich sonst immer nur sehr wenig komme:

  • Einfach mal eine Stunde lang lesen. Wie wunderbar! Ohne schlechtes Gewissen, mitten am Tag!
  • Mich in meiner Gebetszeit mal kreativ austoben und die Seite in meinem Tagebuch ganz bunt gestalten! Ich war richtig aufgebaut!
  • Einfach mal kreative Texte verfassen. Ohne bestimmten Abgabetermin und ohne bestimmten Zweck, einfach um der Freude am Schreiben willen!!!
  • Alle meine E-Mails sortieren und Liegengebliebenes beantworten!!!
  • Leuten schreiben, bei denen ich mich sonst aus Zeitgründen nur sehr selten melde.

Ich habe richtig das Gefühl, dass mein Unfall letztendlich zu einem Geschenk für mich geworden ist!

Passend zum Thema empfehlen wir auch: Entspannte Mütter sind glückliche Mütter!, Auszeit vom Alltag nehmen, Eltern brauchen Pausen, Kinderfreie Zeit: Balsam für Partnerschaft,

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EIN ARTIKEL VON
  • Maria Lang

    Ich lebe mit meiner Familie in Wieselburg. In meiner Jugend bereiste ich die halbe Welt und war nach meiner Ausbildung sozial in Indien tätig. Nun unterrichte ich mit meinem Mann unsere vier Kinder zuhause und bin Autorin und Kulturvermittlerin im Stift Melk.


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