22. August 2015

Auf der (verkrampften) Suche nach Erholung


Erholung – der Sommer sei genau die Zeit dafür. Aber wie findet man sie und noch viel wichtiger, wie bleibt sie einem für das restliche Jahr erhalten?

Ein Blick auf den Kalender sagt mir, dass sich der Sommer mit großen Schritten dem Ende zuneigt. „Endlich!“, jauchzt ein Teil in mir, denn diese Affenhitze ist einfach nicht mehr auszuhalten. Ein anderer Teil in mir jedoch beginnt leicht hysterisch zu realisieren, dass die Tage zum Erholen, zum Entspannen und zum Wiederauftanken für den ab September garantiert wiederkommenden stressigen Alltag gezählt sind. Und als Homeschooling-Mama und Ehefrau eines Lehrers habe ich die Freude im Sommer nicht einfach nur ein paar spärliche Urlaubstage, sondern viel mehr eine ganze Unmenge an Ferientagen mein Eigen nennen zu dürfen. „Frisch erholt und gewappnet gegen den hereinschwappenden September-Alltagsstress sein“ – so zirka lautete das Pflichtprogramm für diesen Sommer. Langsam aber sicher beginnt alles in mir in Panik zu verfallen, denn meine leicht gereizte Dauergrundstimmung macht deutlich, dass ich diesen Endzustand noch lange nicht erreicht habe.

Wie findet man Erholung?

Erholung. Überall wird einem eingeredet, dass genau jetzt im Sommer die Zeit dafür wäre. Irgendwo habe ich gelesen, dass Erholung sogar ein Grundbedürfnis des Menschen sei, also jeder sozusagen ein Recht darauf hätte. Aber wie geht das mit der Erholung und wie findet man sie und noch viel wichtiger, wie bleibt sie einem für das restliche Jahr erhalten?

Viele fahren weg, um Erholung vom Alltag und vom Stress zu finden. Wir haben diesen Sommer auch das Weite gesucht, und sind für drei Wochen quer durch Frankreich gefahren – mit zwei kleinen Kindern, Zelt und null Plan, wo es genau hingehen sollte. Es war toll und aufregend und einfach alles, aber sicherlich nicht erholsam im üblichen Sinn. Zugegeben, die Rahmenbedingungen für Erholung waren nicht ganz optimal.

Am Strand liegen, sich die Sonne auf den Bauch scheinen und am Abend vom Spa-Masseur den Rücken bearbeiten lassen – für viele meiner Freunde ist das der Inbegriff von Erholung. Doch allein beim Gedanke daran untätig in der Sonne zu brutzeln, stellen sich mir völlig unentspannt die Nackenhaare auf. Ich bin irgendwie nicht der (Haut)Typ, der sich bei derartigen Sonnenbädern erholen kann. Diese schweißtreibende Freizeitgestaltung macht mich nur noch erholungsbedürftiger als davor. Und Massagen funktionieren bei mir auch nicht; warum auch immer, aber mein Körper nimmt bereits im Vorhinein wie von allein so eine verkrampfte Abwehrhaltung ein.

Erleben statt erholen

Warum redet einem eigentlich jeder ein, dass man nach den Ferien restlos erholt sein muss? Ich will mich im Sommer nicht erholen, ich will etwas erleben, etwas, an das ich mich mit Freude erinnere, wenn der fade Alltagstrott wieder über mich hereinbricht; etwas, das mich zum Lachen und Schwärmen bringt, wenn die nasse Wäsche aus der Waschmaschine kein Ende nehmen will, die Kinder auch bei der hundertsten Aufforderung, endlich weiterzutun, im Ruhemodus verbleiben oder mir beim Unterrichten bereits beim zweiten Erklärungsversuch der Malrechnungen jegliche Kreativität abhanden gekommen ist.

Aber ich gebe zu, auch ich brauche auch Erholung. Jedoch eine Form, die alltagstauglich, sprich, inmitten von Stresshochsaisonen anwendbar und frei verfügbar ist. Da kann man wochenlang entspannt und regungslos am schönsten Karibikstrand liegen, wenn man es nicht schafft, diese Ruhe und Erholung auch in den Alltag mitzunehmen, war doch alles einfach nur Windhauch, oder? Es wäre so praktisch, so ein Päckchen Entspannung aus dem Massageraum oder vom Sandstrand einfach nach Hause einpacken zu können. Man macht das Säckchen hin und wieder auf, schnuppert an seiner Erholung und schon entspannt sich der Körper und der Stress verdünnisiert sich. Das geht aber leider bis jetzt noch nicht, daher müssen Alternativen her.

Alternativen

Fünf Minuten einen Wegwerf-Eiskaffee genießen. Schuhe ausziehen und Füße irgendwo runter baumeln lassen. Ein paar Minuten in die Luft starren. Marshmallows über dem Teelicht grillen. Regentropfen beobachten. Dem Ehemann am Sonntag den Kochlöffel übergeben und sich bekochen lassen. Das sind bei mir so wahre kleine Erholungswunder für zwischendurch. Alles nicht unbedingt die Klassiker unter den Erholungsformen, aber doch kleine Hilfen, um mal kurz die Seele baumeln zu lassen. Und das auch ganz ohne Sonnenbrand, karibischen Sandstrand oder Wellnesspersonal.

Ich habe mir vorgenommen meine Entspannungs-To-Do-Liste auf den Kühlschrank zu kleben und jeden Tag einen kleinen fünf Minuten Erholungsurlaub zu machen. Keine Ahnung, ob es funktionieren wird. Aber es hört sich irgendwie gut an. Somit kann ich die verbleibenden Ferientag noch genießen, mich körperlich austoben, mit den Kindern von einer zur nächsten Sommeraktivität rennen, denn entspannen kann ich ja dann eh die restlichen zehn Monate noch.

Siehe auch: Zeit für mich – drei Stunden Kurzurlaub

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EIN ARTIKEL VON
  • Vali Schwarzbauer

    Nachdem ich als Vierling aufgewachsen bin und unsere Söhne (3, 6) großziehen darf, kenne ich die Höhen und Tiefen einer Familie. Darüber zu schreiben, ist neben dem Homeschooling unserer Kinder eine willkommene Abwechslung. Was mich noch begeistert: Gott, mein Mann, Laufen, Erdnussbutter und ein gutes Buch.


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