16. Juli 2015

So werden die Sommertage zu Holy-Days


Wie gut es tut, die Sommertage einmal fernab der Familie in Ruhe genießen zu können, sich guter Lektüre zu widmen und paar Tage in einem Kloster zu verbringen.

Manche Ratschläge aus dem Internet, wie die große Hitze zu bewältigen ist, sind wirklich gut! So sitze ich in unserer aufgeheizten Wohnung am Schreibtisch, die nackten Füße im Kübel mit kaltem Wasser und find’s grad richtig angenehm! Ja, ja, der Sommer! Exzessives Eisessen, der Geruch von Sonnencreme auf der Haut und Wassermelonenflecken auf Kinderkleidung. Zeit langer Abende, an denen auch die Kinder nicht so früh ins Bett müssen, der Leichtigkeit, des Genießens. Und ich merke: Gott ist da und freut sich an uns und mit uns. Im Sommer lasse ich Gott auf andere Weise, vielleicht sogar intensiver als sonst in mein Leben herein. Für mich sind die Sommertage eine Zeit der Inspiration, in der mein Glaube neu beflügelt wird. Meine Erfahrung ist, dass die Sommer- und Urlaubstage zu „Holy-Days“ werden können, von denen ich lange zehren kann.

Vor allem gute Bücher, „stille Tage“ und Gottesdienste inspirieren mich

Gute Lektüre: Sommertage mit leichter, nicht allzu anspruchsvoller Lektüre zu genießen, darf auch mal sein. Andererseits habe ich gerade jetzt die Muße, um in die Tiefe zu gehen. Folgende Bücher kann ich wärmstens empfehlen:

  • „Gott braucht dich nicht“ (Esther Maria Magnis): Esther Maria Magnis erzählt ihre Bekehrungsgeschichte. Als ihr Vater an Krebs erkrankt, tritt Gott in ihr Leben und lässt sie nicht mehr los. Ziemlich heftig. Ziemlich stark.
  • Jean Vanier und die Arche (Kathryn Spink): Lange weiß der Franzose Jean Vanier nicht, was er mit seinem Leben anfangen soll. Dann gründet er die „Arche“ – das sind Lebensgemeinschaften, in denen behinderte und nicht behinderte Menschen zusammen leben. Es ist spannend zu lesen, wie behinderte Menschen die eigene Hilfsbedürftigkeit vor Augen führen und von Gottes Liebe erzählen.
  • „Doch, es gibt eine andere Wirklichkeit. Meditieren mit Etty Hillesum“ (Pierre Ferrière): Die niederländische Jüdin Etty Hillesum beginnt einen intensiven inneren Weg mit Gott mitten in den Gräuel der Nazizeit. Keine leichte Kost, aber unglaublich inspirierend, weil Etty aufzeigt, wie schön das Leben ist.
  • „Wie man (vielleicht) in den Himmel kommt“ (Clemens Sedmak/Christian Resch): Der Agnostiker und Journalist Christian Resch und der Theologe Clemens Sedmak treten in einen ehrlichen und witzigen Dialog darüber, wie man in der heutigen Welt christlich leben kann.

Stille Sommertage

Vor zwei Wochen habe ich mir ein Wochenende in einem Kloster gegönnt. Es war herrlich! Mein Mann hatte zu Hause Exklusiv-Zeit mit den Kindern, und ich habe fernab vom Lärm der Großstadt und meiner eigenen Familie die Ruhe im klösterlichen Karmel in Maria Jeutendorf genossen. So gern ich meine Familie um mich habe, es braucht diese Zeiten, in denen ich beten, nachdenken, mich ausruhen kann. Mal kein Multitasking beim Essen wie zu Hause, wo ich Teller fülle, Nudeln vom Boden aufhebe, umgeschüttete Flüssigkeiten aufwische und zwischendurch schnell meine eigene Gabel in den Mund stecke. Kein schnelles E-Mailschreiben zwischendurch, kein Telefonieren mit Kindergeschrei im Hintergrund, kein gestresstes Nachdenken, was ich denn heute noch alles erledigen müsste. Einfach nur Zeit, Zeit, Zeit. Mit Gott wie mit einem Freund sprechen, schlafen am Nachmittag, Spazierengehen am Abend, die Sommertage genießen.

Es gibt viele Klöster und geistliche Häuser überall in Österreich, die ganz unkompliziert Gäste für einen oder mehrere Tage aufnehmen.

Gottesdienst im Urlaub

Ein Gottesdienst auf Kroatisch, das ich nicht verstehe, hat wenig Sinn? Dem kann ich nicht zustimmen. Ich kenne den Ablauf der Heiligen Messe so gut, dass ich auch in einer mir fremden Sprache innerlich gut mitfeiern kann. Zum anderen ist der Besuch eines Gottesdienstes in einem anderen Land ein Kennenlernen von Land, Leuten und Kultur. Strand, Hotel, Restaurants haben durchaus ihre Berechtigung, wirklich spannend wird ein Urlaub für mich aber dann, wenn ich in wirklichen Kontakt mit den Menschen vor Ort komme. Wenn man in einer fremden Kirche den Gottesdienst mitfeiert, fällt man auf. Schon oft sind wir dadurch mit den ortsansässigen Gläubigen ins Gespräch gekommen. Die Leute sind meistens sehr herzlich, offen und freuen sich über neue Gesichter in der Kirche.



EIN ARTIKEL VON
  • Sandra Lobnig

    Seit ich Kinder habe, ist mein Leben schöner, erfüllter, spannender geworden. Und wahrscheinlich auch anstrengender. Ich bin Theologin und lese und schreibe über Ehe-, Erziehungs- und Glaubensthemen. Mit meinem Ehemann und unseren vier kleinen Kindern lebe ich in Wien.


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