27. März 2018

Nie alleine und doch so einsam: Einsamkeit der Mütter

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Ein Baby zu versorgen bedeutet viel Arbeit. Doch auch wenn das Baby dauernd nach Aufmerksamkeit schreit, fühlen sich viele Frauen alleine und verlassen. Karenz wird für sie zu einem Synonym der Einsamkeit.

Die spannende Zeit der Schwangerschaft scheint endlos zu sein. Werdende Eltern können es kaum erwarten, das Baby endlich zu sehen, zu spüren, kennenzulernen. Und dann ist es so weit: Das kleine Wesen ist da und nach den Turbulenzen der ersten Tage ist die junge Familie endlich zu Hause. Der Alltag kann beginnen.

Immer mehr Väter verbringen einige Zeit nach der Geburt zu Hause und unterstützen ihre Partnerinnen. Doch wenn diese wertvolle Zeit vorübergeht, bleiben Frauen mit ihren Babys meistens alleine. Und  für viele beginnt eine sehr einsame Zeit.

Gespräche mit meinem Baby

 „Ich weiß, dass man alte Gewohnheiten aufgeben muss oder will, wenn man Mama wird. Manches geschieht einfach von selbst. Und das ist auch gut so. Ich bin als Mama wirklich sehr glücklich und freue mich über jede Sekunde mit meiner Tochter. Nur hat jede schöne Seite meistens eben auch eine Schattenseite. Klingt so depressiv, soll es aber gar nicht. Ich fühle mich halt manchmal nur sehr einsam. Trotz Tochter. Trotz Mann. Trotz Glück,“ beschreibt ihre Gefühle eine frischgebackene Mama.

Berufliche Herausforderungen, Treffen mit Freundinnen, Ausgehen am Wochenende – das alles scheint so weit weg zu sein. Die vielen Menschen, die uns noch vor wenigen Wochen begleitet haben, sind nicht mehr da. Statt dessen ein Baby, das im besten Fall viel schläft.

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Manchmal kommt es vor, dass die Frauen in Karenz tagelang nur das Baby zum Reden haben. Der Partner arbeitet, die Familie und Freunde haben kaum Zeit. „Ich habe mich nach der Geburt monatelang sehr einsam gefühlt. Die Tage waren endlos lang, ich hatte niemanden, der mich besuchte. Und anfangs traute ich mich auch kaum aus der Wohnung, da ich mit dem Baby oft überfordert war,“ verrät eine Frau in einem Elternforum.

Ein Problem aus vielen Gründen

Die Einsamkeit mit Baby kann viele Gründe haben. Manchmal liegt es daran, dass das nähere Umfeld berufstätig ist und außer am Wochenende keine Zeit hat. Manchmal isolieren sich die Mütter aber auch selbst. Oft unbewusst.

„Plötzlich war ich mit dem Baby alleine zu Hause und mir wurde klar, dass sein Leben von mir abhängt. Das machte mir große Angst. Ich kontrollierte es gefühlte tausendmal am Tag und zählte Minuten, bis mein Mann endlich nach Hause kam. Ich war dauernd nur mit meinen Gedanken beschäftigt und wollte nicht rausgehen, obwohl ich mich nach ein wenig Gesellschaft sehnte,“ erzählt eine andere Mutter.

Mit steigender Sicherheit in Sachen Babypflege verschwinden in diesem Fall solche Gefühle meistens und die Frauen trauen sich eine Beschäftigung außerhalb der eigenen vier Wände zu suchen.

Doch was, wenn diese Sicherheit nicht kommt? Was, wenn auch nach Monaten das Baby anders tickt, als man erwartet? „Der kleine hatte Phasen, wo er nur geweint hat. Ich wusste nicht, was er will. Ich habe alles versucht. Ich fühlte mich so unfähig und traute mich nicht mit ihm rauszugehen. Die Vorstellung, dass er in der Stadt anfängt zu brüllen, machte mich wahnsinnig. Ich wollte nicht, dass mich alle anschauen und sich fragten, wieso ich mein Kind nicht beruhigen kann,“ erklärt die Gründe für ihre freiwillige Isolation eine weitere Frau.

Vielfältige Gründe, doch das Ergebnis ist immer gleich: Verzweiflung, Trauer, Nervosität. Das Bedürfnis nach einer Gesellschaft wird immer größer. Frauen sehnen sich nach sozialen Kontakten im erwachsenen Umfeld.

Der Weg aus der Einsamkeitsfalle

Wenn die bisherige Personen im Leben einer Mutter keine Zeit haben, ist es an der Zeit sich andere Verbündete zu suchen. Gerade die Mutterschaft bietet eine wunderbare Möglichkeit, um neue Freundschaften zu knüpfen. Gleiche Sorgen, Aufgaben und ähnliche Tagesabläufe bieten viele Gesprächsthemen. Man tauscht Tipps, teilt Sorgen und sieht, dass man nicht alleine mit seinen Problemen ist. Gerade ein Austausch mit anderen Müttern kann für die nötige Sicherheit im Umgang mit dem Baby sorgen. Hier ein paar Tipps, wie man die Einsamkeit bewältigen kann:

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  • Krabbelgruppen

Heutzutage gibt es eine große Menge an Angeboten für Mütter und Babys. Eine Krabbelgruppe vereint Mütter, die ihre Zeit in einer Gesellschaft verbringen möchten, die sie versteht. Während sich die Babys beschäftigen, können sich die Mütter austauschen.

  • Sport mit Baby

Sportkurse für Mütter mit Babys haben mehrere Vorteile. Die Bindung zwischen Mama und Kind wird gestärkt, der Körper bedankt sich auch nach der anstrengenden Zeit der Schwangerschaft und man trifft andere Mütter, die fit sein wollen.

  • Verschiedene Babykurse

Wer es gemütlicher angehen will und trotzdem ein wenig Herusforderung sucht, kann aus vielen Kursen für Babys wählen: Babymassage, Babyturnen, Babyyoga, Babymusikstunden …

  • Parks

Ein gemütlicher Spaziergang in einem Park kann auch zu neuen Kontakten verhelfen. Hier ist allerdings ein wenig Kontaktfreudigkeit gefordert, denn Mütter mit Kinderwägen gibt es bestimmt genug. Man muss sie nur ansprechen.

  • Internetplattformen für Mütter

Perfekt für Frauen, die sich vielleicht nicht trauen, andere direkt anzusprechen. Bei verschiedenen Themen in Elternforen kommt man sich schnell näher. Man muss nur noch ein Treffen vereinbaren, was einem beim Schreiben oft leichter fällt. Viele Foren veranstalten auch schon ihre regelmäßigen Treffrunden, bei denen man einfach mitmachen kann.

  • Kleine Auszeit vom Elternsein

Wenn die Einsamkeit unerträglich wird und einem die Decke auf den Kopf fällt, ist es vielleicht an der Zeit, sich ein wenig Auszeit zu gönnen. Wenn es möglich ist, kann die Mutter einen Papa-Abend vereinbaren, an dem sich der Papa um das Baby kümmert und die Mama die Zeit für sich nützt. In einem Idealfall betreut das Baby die Oma und man nützt die Zeit für  Zweisamkeit. Oft reichen schon wenige Stunden um abzuschalten.

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EIN ARTIKEL VON
  • Mirka Huber

    Ich bin Journalistin und seit 2016 Mama von einem Jungen. Seitdem ist mein Leben erfüllter denn je. Meine kleine Familie ist wie eine Ruheinsel, denn neben Beruf und Familie betreue ich noch eine Pfadfindergruppe. Meine Freizeit verbringe ich gerne mit Lesen, in der Natur, mit Freunden oder Sport.



2 Kommentare
  • mone, 27. März 2018, 20:58 Antworten

    sehr ansprechender Artikel und gute Tipps - bis auf das Babyyoga - was auf eine katholische Seite nicht hingehört, da das mit dem kath. Glauben nicht vereinbar ist.

    • Bettina H., 6. September 2018, 20:51 Antworten

      Warum sollte Yoga für Katholiken Tabu sein? Meditative Stärkung von Geist und Körper, sehr effektiv und beruhigend. Was ist daran mit dem Glauben nicht vereinbar? Stört Sie als Katholikin das Körperliche? Oder dass es ursprünglich aus einer anderen Kultur kommt? Essen Sie auch nie Falafel? Fahren Sie nie in ein „unchristliches“ Land? Schauen Sie keine Filme von atheistischen Regisseuren? Und was wäre der ideale Sport? Sind Sie sicher, dass das Fahrrad nicht von einem jüdischen Mitmenschen erfunden würde? Moment, Jesus war Jude... ;) Gott hat uns die Vielfalt gegeben, damit wir uns an ihr erfreuen können. Und um daraus zu lernen. Auf dem entspannten Weg. Wie beim Yoga.

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