17. Juli 2015

Zeit für mich – meine kleine Wanderung


Über meine kleine Wanderung in der Großglockner-Gegend mit der Familie und den schönen Entdeckungen in der Natur die ich machen durfte.

Nachdem alle Prüfungen bestanden und das Schuljahr für unsere Kinder positiv beendet waren, haben wir beschlossen, auf eine kleine Wanderung in Kärnten zu gehen. Georg hatte mit den Jungs im Unterricht einen Dokumentarfilm über das Astental in der Nähe des Großglockners angesehen, das wir nun persönlich besuchen wollten.

Wanderung in der Großglockner-Gegend

Die weite Fahrt hat sich gelohnt! In einer urigen Hütte auf 1800m genossen wir einen wunderbaren Ausblick und unternahmen zwei herrliche Wanderungen. Die Natur stand schon in voller Blüte – pinkfarbene Alpenrosen, violettes Knabenkraut, gelbe Trollblumen und blitzblauer Enzian säumten die Wanderwege. Die Vermieterin hatte uns einen Pflanzenführer dagelassen, den ich eifrig studierte, um den Kindern noch mehr hochalpine Pflanzen zeigen zu können.

Ab dem dritten Tag spielte das Wetter leider nicht mehr mit, es begann zu regnen und unsere gemeinsame Wanderung fand ein jähes Ende. Georg und die Kinder vertrieben sich die Zeit mit Brettspielen. Ich hatte aber keine Lust, den ganzen Tag in der Hütte auf doch etwas beengtem Raum zu verbringen und beschloss, alleine die Wanderung fortzusetzen. Keine weite Tour, denn meine Fußverletzung war noch nicht ganz verheilt.

Meine Entdeckungen auf der Wanderung

Am Hang gegenüber, ca. zwanzig Minuten Fußmarsch von der Hütte entfernt, hatte ich ein Schneefeld entdeckt, das meine Neugierde weckte. Gut eingepackt in Regenkleidung marschierte ich also ein Stück den Berg hinunter zum Fluss und auf der anderen Seite wieder hinauf zum Schneefeld, aus dem ein Bach hervorkam. Die Bewegung tat mir gut und das bisschen Regen trübte meine Stimmung keineswegs. Ja, ich war sogar von richtiger Entdeckerfreude erfüllt, als ich nun durch das Geröll den kleinen Bergbach entlang hochstieg. Im Pflanzenführer hatte ich gelesen, dass man solche Schneefelder, die oft bis in den Sommer hinein liegenbleiben, „Schneetälchen“ nennt. Der Boden dort ist sehr feucht und kalt und die Pflanzen finden sehr schwierige Lebensbedingungen, an die sie sich anpassen müssen. Gespannt stieg ich Meter für Meter bergauf und nahm einige interessante Dinge wahr: Auf kleinstem Raum fand ich hier mehrere Jahreszeiten nebeneinander! Das Schneefeld stand für den Winter, die gerade aufgetaute, noch braungraue Zone rundherum für den Frühling und die umgebende Fläche für den Sommer. Der Frühling wurde von den zarten lilafarbenen Alpenglöckchen, pinkfarbenen Zwergprimeln und gelb strahlenden Huflattich-Sonnen repräsentiert, während die sattgrüne Almwiese rundherum von gelben, weißen und blauen Blüten gesprenkelt war. Ein für mich einzigartiges Erlebnis! Das musste ich unbedingt meiner Familie zeigen! Vielleicht ließen sie sich doch noch zu einem Regenspaziergang überreden…

Noch ein interessantes Phänomen beobachtete ich: Eine Lärche, die ganz am Rand des Schneefeldes wuchs, hatte in sich zwei Jahreszeiten: Weiter oben stand sie schon in frischem frühlingshaftem Grün, während der untere Teil bis zu ca. einem Meter Höhe noch winterliche Knospen zeigte. Ich war ganz begeistert! Am allermeisten aber genoss ich die Ruhe. Nur Vogelgezwitscher, Bienensummen, ab und zu ein Kuckucksruf, sonst nichts! Ich hatte meine Bibel dabei und suchte darin einen Psalm, in dem Gott für seine wunderbare Schöpfung gepriesen wird. Herr, wie wunderbar sind deine Werke!

Ob meine Familie meine Entdeckung auch so toll fand, sei jetzt dahingestellt… Ich jedenfalls war durch meine kleine Expedition richtig aufgetankt. Die kleine Wanderung allein hat sich wirklich gelohnt!

Siehe auch: Das Wandern ist der Kinder Lust



EIN ARTIKEL VON
  • Maria Lang

    Ich lebe mit meiner Familie in Niederösterreich im Erlauftal. In meiner Jugend bereiste ich die halbe Welt und war nach meiner Ausbildung sozial in Indien tätig. Nach fünf Jahren Homeschooling sind nun alle vier Kinder in öffentlichen Schulen und ich bin Kulturvermittlerin im Stift Melk.


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