19. Mai 2015

Gelassenheit im Familienalltag


Besonders an den turbulenten Tagen tut Gelassenheit im Familienleben gut. Die “Gebote der Gelassenheit” sind kurze, prägnante und hilfreiche Anregungen.

Auszeit, auch wenn’s brennt: Eltern brauchen Gelassenheit

Heute ist ein sehr turbulenter Tag. Viele große und kleine Leute wollen etwas von mir, und das dringend, am besten sofort. Ich weiß nicht, wo mir der Kopf steht. Dabei sollte ich mich beeilen, meine To-Do-Berge abzuarbeiten. Der morgige Tag ist voller Termine und wird auch nicht besser. In mir beginnen die Alarmglocken zu klingeln. Wenn ich so weitermache, werde ich ungenießbar. Das möchte ich weder mir noch meinen Lieben antun. Also muss ich irgendwie zur Ruhe kommen.

Ich durchforste meine Erinnerung nach hilfreichen Mitteln für solche Situationen. Da fällt mir ein Text ein, den ich vor einiger Zeit gelesen habe und den ich sehr hilfreich fand: „Die zehn Gebote der Gelassenheit“ von Papst Johannes XXIII. Also setze ich mich an den Computer und suche danach. Ich werde schnell fündig und entdecke sogar eine illustrierte Variante mit treffenden Zeichnungen von Tiki Küstenmacher. Ich drucke mir den Zettel aus, verziehe mich auf’s stille Örtchen und lese ihn aufmerksam durch. Hier habe ich wenigstens für ein paar Minuten meine ersehnte Ruhe!

Meine Strategie hilft. Zum ersten Mal heute kann ich etwas verschnaufen. Wunderbar, die kurzen, prägnanten Sätze, um sich selbst das Leben zu erleichtern! Gleich das erste der zehn „Gebote“, die wie Vorsätze formuliert sind, passt perfekt für mich:

1. Gebot der Gelassenheit: Leben

Nur für heute werde ich mich bemühen, einfach den Tag zu erleben – ohne alle Probleme meines Lebens auf einmal lösen zu wollen.

Genau das brauche ich. Diese entspannte Sicht, eins nach dem anderen anzugehen und den Tag zu er-leben, ohne mich leben und antreiben zu lassen. Ein paar weitere Anregungen von Papst Johannes, der offensichtlich ein sehr weiser Mensch war:

4. Gebot der Gelassenheit: Realismus

Nur für heute werde ich mich den Umständen anpassen, ohne zu verlangen, dass die Umstände sich an meine Wünsche anpassen.

Ja, ich lebe nun mal mit vier Kindern unter einem Dach und werde nie so viel ungestörte Zeit haben wie jemand ohne Kinder. Dementsprechend muss ich auch mein Arbeitstempo gestalten und mich auf Unterbrechungen einstellen. Die Realität anzunehmen ist besser, als ständig damit zu ringen…

5. Gebot der Gelassenheit: Lesen

Nur für heute werde ich zehn Minuten meiner Zeit einer guten Lektüre widmen. Wie das Essen notwendig ist für das Leben des Leibes, ist eine gute Lektüre notwendig für das Leben der Seele.

Stimmt! In Ruhe gelesen hab ich schon länger nichts mehr. Zehn Minuten sind nun auch nicht so lang, dass es unmöglich einzuplanen wäre. Ich nehme mir vor, gleich anschließend ein Kapitel in einem Andachtsbuch zu lesen, um geistlich aufzutanken. Und ein letztes Gebot, das mich sehr angesprochen hat:

6. Gebot der Gelassenheit: Handeln

Nur für heute werde ich eine gute Tat vollbringen. Und ich werde es niemandem erzählen.

Ui, das sitzt. Wo ich doch immer allen lautstark erkläre, was ich arme gestresste Mutter schon alles für sie getan habe! Genügt es nicht, wenn Gott das weiß?

Motiviert laufe ich ins Büro und hole ein Klebeband. Den Zettel mit den „Zehn Geboten der Gelassenheit“ befestige ich an der Innenseite der WC-Türe. Hierhin komme ich garantiert einige Male am Tag, und da tut es mir sicher gut, diese Zeilen zu lesen. Mit wesentlich mehr Gelassenheit stelle ich mich nun dem restlichen Tag…

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EIN ARTIKEL VON
  • Maria Lang

    Ich lebe mit meiner Familie in Wieselburg. In meiner Jugend bereiste ich die halbe Welt und war nach meiner Ausbildung sozial in Indien tätig. Nun unterrichte ich mit meinem Mann unsere vier Kinder zuhause und bin Autorin und Kulturvermittlerin im Stift Melk.


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