24. April 2015

Die Kunst des Glücks in der Familie


Wenn Eltern glücklich sind, können sie das Glück auf die ganze Familie übertragen. Philosoph Clemens Sedmak stellt 5 Arten von Glück vor, die wir brauchen.

Wenn zuhause alles drunter und drüber läuft, dann kommen schon mal Zweifel auf: Wie war das eigentlich mit dem Glücklichsein in der Familie? Philosoph Clemens Sedmak weiß, was zur “Kunst des Glücks” gehört. Diese Kunst sei wichtig für Eltern, denn:

“Wenn die Eltern selbst glücklich sind, können sie das Glück auf die ganze Familie übertragen.”

Dabei heiße Glück nicht, sich das Leben leichter zu machen. Im Gegenteil, das Glück liege im Tun, in der erfüllenden Tätigkeit – so beschreibt Sedmak das Glück nach Aristoteles. Erfüllend ist das Tun dann, wenn es eine Schwelle gibt, wenn die Tätigkeit einen gewissen Anspruch hat. Außerdem: Wenn wir dabei einen eigenen Stil entwickeln können. Und wenn wir ein Ergebnis sehen.

5 Arten von Glück

Clemens Sedmak beschreibt 5 Arten von Glück. Auf Dauer müssen wir sie im richtigen Verhältnis sicherstellen, um glücklich zu sein.

  1. Das Wohlfühlglück. Es warm und wohlig zu haben, bringt Glück. Dieses Glück ist das, womit Thermen und Spas werben. „In Maßen genossen macht es glücklich“, sagt Sedmak – ein zweiwöchiger All-Inclusive-Urlaub hingegen sei schon zu viel des Wohlfühlglücks…
  2. Das Anstrengungsglück. Sich selbst herauszufordern, Anstrengungen zu bewältigen, macht uns froh. „Je älter das Kind, desto größer ist sein Recht auf Anstrengungsglück“, meint Sedmak. Von einem Säugling erwarte man noch keine Anstrengungsleistungen, dann aber dürfen die Erwartungen steigen.
  3. Das Augenblicksglück. Man hört es ja ständig: Im Augenblick zu leben ist das Geheimnis des Glücks. Clemens Sedmak nennt es Augenblicksglück, weder in der Vergangenheit, noch in der Zukunft zu leben.
  4. Das Gnadenglück. Weniger religiös angelegt könne man es auch Dankbarkeitsglück nennen, sagt Sedmak. Nicht alles für selbstverständlich zu nehmen und dankbar zu sein macht glücklich. Sedmak spricht von Menschen, die glauben, es sei ihnen alles zugefallen – und deshalb glücklicher sind als jene, die sich „alles selbst erarbeitet haben“.
  5. Das Redlichkeitsglück. Als fünfte Glücksart nennt Sedmak das Redlichkeitsglück: auch das zu tun, was vorerst nicht so erscheint, als könnte es glücklich machen. „Wenn Menschen erkennen, was wichtig ist und das durchtragen, auch wenn sie keine Lust dazu haben“, sagt Sedmak, „bringt das Glück“.

Missverständnisse zum Glücklichsein

Das Glück ist ein großes Thema, da wird viel gesprochen, das nicht zutrifft – Sedmak nennt es die Missverständnisse zum Glücklichsein. So glauben manche, Glück und Trauer lassen sich nicht vereinbaren. Sehr wohl! Auch, was schwer ist, kann glücklich machen. Jesus hat seine Jünger zu Menschenfischern gemacht. Ihr Leben wurde dadurch zwar schwerer – aber auch glücklicher.

Ein weiteres Missverständnis: Glück ist planbar. Nein, so Sedmak: „Glück kann man nicht suchen, nur finden!“ Ein Sprichwort sagt uns: „Jeder ist seines Glückes Schmied.“ Aber: Das Glück sei nicht konstruierbar, denn es ist gewissermaßen ein Gemeinschaftsprojekt. Es wird nicht weniger, wenn man es teilt.

Glück aus der Sicht der Experten

Und was sagen die Philosophen zu diesem philosophischen Thema? Bereits der Römer Seneca wusste von der gängigen menschlichen Einstellung, das Glück von Bedingungen abhängig zu machen. So etwa: “Wenn wir in eine größere Wohnung ziehen, dann sind wir glücklicher.” Doch glücklich ist, wer im Jetzt lebt, nicht nach dem wenn/dann-Prinzip.

John Locke nennt Clemens Sedmak als weiteren Philosophen, der sich mit dem Glück beschäftigt. Oder eher davon abrät, sich mit dem Glück zu beschäftigen. „Wenn ich darüber nachdenke, ob ich glücklich bin, hör ich auf, glücklich zu sein“, zitiert Sedmak den Philosophen Locke. Stattdessen sagt er: „Leb dein Leben redlich und das Glück wird sich einstellen.“ Oder moderner formuliert: „Happiness is overrated.“ Clemens Sedmak interpretiert dazu: „Frage nicht: Bin ich glücklich? Sondern: Lebe ich ein gutes Leben?“ Denn auch Jesus hat nicht das Glücklichsein versprochen – aber die Menschenfischer sind glücklich geworden.

Clemens Sedmak referierte zum Thema “Glück, Arbeit und das gute Leben: Impulse aus der Philosophie” beim 6. Pädagogischen Tag der St. Nikolausstiftung der Erzdiözese Wien.

Lies auch: Glückliche Kinder ohne Leistungsdruck

  • War dieser Artikel für dich hilfreich/interessant?
  • Ja   Nein


EIN ARTIKEL VON
  • Lucia Reinsperger

    Bevor ich journalistisch tätig wurde, machte ich die Ausbildung zur Kindergarten- und Hortpädagogin, leitete verschiedene Kindergruppen und arbeitete als Medienpädagogin. Nach Abschluss meines Journalismus-Studiums unterstütze ich nun mit Freude die Redaktion von meinefamilie.at.


Jetzt kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

meinefamilie.at