10. Februar 2015

Die innere Stimme im Alltag


Der Ruf der inneren Stimme: Warum es gut tut, auf seine innere Stimme zu hören, auch wenn es manchmal die eine oder andere Überwindung kostet.

Warum es gut tut, auf seine innere Stimme zu hören

Wir sind Weltmeister der Entschuldigungen. Kennen Sie die innere Stimme, ja die Unruhe, die uns auffordert, das eine oder andere Gute zu tun? Zum Beispiel, wenn etwas in mir sagt: „Ruf’ doch mal die alte Tante an, sie ist sicher einsam.“ „Mach’ mal etwas ganz Besonderes für eines deiner Kinder, es braucht mehr Aufmerksamkeit.“ … aber doch nicht jetzt, ich lese ja gerade in meiner wohlverdienten Erholungszeit! „Bereite doch ein schönes Essen für deinen Mann vor, er hatte ja einen schwierigen Tag.“ Aber heute geht es auf keinen Fall – ich hab’ so viel zu tun!

Eine kleine Überwindung kann schon viel bewirken

Wenn wir den inneren Schweinehund füttern, wird er immer kräftiger. Wer versucht hat, ihm zu widerstehen, bemerkt: Es braucht nur eine kleine Überwindung und schon überwiegt die Freude über das Gute, das man gerade tut. Je öfter man das probiert, desto gefasster wird man, desto liebender und heller. Früher nannte man diese Haltung „tugendhaft“. Im Büro, in der Schule, in der U-Bahn gibt es unzählige und unwiederbringliche Gelegenheiten, die Nächstenliebe zu üben. Am allermeisten können wir diese aber in der Familie üben: wo wir miteinander leben, lachen und weinen, da braucht es tätige Liebe, die stärker ist als persönliche Befindlichkeiten.

Die innere Stimme in uns

Apropos innere Stimme: Der griechische Philosoph Sokrates erzählte seinen Schülern von seiner „inneren Stimme“, die ihn vor Gefahren warnte oder ihm Zuversicht gab, und die sich nie irrte.

Ich glaube, wir haben alle eine innere Stimme,
oftmals wird sie aber von Alltagslärm und -stress übertönt.

Wenn es aber kurz mal still wird um uns, wenn dem Smartphone die Batterie ausgeht und die Abendfernsehunterhaltung noch nicht begonnen hat – erinnert uns dann nicht eine innere Stimme, dass wir dieses oder jenes in unserem Leben einmal neu überlegen und vielleicht verbessern wollten? Schlägt uns nicht schon lange etwas in uns vor, der Frage nach dem lieben Gott auf den Grund zu gehen? Ja? Aber da geht der Film schon los – wir müssen die Frage auf ein ander Mal verschieben. Gott meldet sich bei uns mit einer leisen Stimme in unserem Herzen. Es ist einfach, sein Anklopfen mit einer kleinen Ausrede wegzuschieben.

Der Ruf der inneren Stimme: auf Gott hören

Pater Rupert Mayer war vor und während des zweiten Weltkrieges Priester in München. 1935 wurde die Caritas-Sammlung verboten: P. Rupert stand trotzdem höchstpersönlich mit einer Sammelbüchse vor seiner Kirche. 1937 wurde ihm das Predigen verboten: Er ignorierte den Befehl und wurde eingesperrt. Nach seiner Freilassung predigte er wieder und wurde nochmals eingesperrt. Schließlich kam er 1939 in ein KZ, weil er sich weigerte, Auskunft über seine Seelsorgegespräche zu geben. P. Rupert ist geradlinig dem Ruf Gottes gefolgt, ganz egal, wie hoch der Preis war. Obgleich seine möglichen Ausreden durchaus keine faulen gewesen wären.

Für uns ist es einfacher, auf Gott zu hören. „Im Säuseln des sanften Windes“, nicht im Sturm, wie uns Elias im Alten Testament berichtet, werden wir seine Stimme vernehmen. Ach ja, und anschließend wäre es gut, die Antwort auf das Gehörte nicht auf den Sanktnimmerleinstag zu verschieben.

 

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EIN ARTIKEL VON
  • Gudrun Kugler

    Ich bin Juristin, Theologin und Mutter von vier Kindern. Im Wiener Landtag und Gemeinderat bin ich Politikerin, leite die Online-Dating-Agentur www.KathTreff.org für katholische Singles und bin Autorin von Büchern über Menschenrechte sowie Lebensfragen, z.B. „Niemand ist eine Insel – wie man den Partner fürs Leben findet“.


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