8. Januar 2015

Auszeit nehmen vom Alltagstrubel


Auszeit nehmen vom Alltagstrubel. In unserer Smartphone-Zeit ist es wichtiger denn je, Zeit für sich zu finden.

Leben wir am Leben vorbei? Eine Warnung vor zu viel Geschäftigkeit

Wie oft reagieren wir auf ein begeistertes „Schau, Mami, schau!“ nur mit einem flüchtigen Blick und einem weniger als halbherzigen „Oh wie schön…“ Nicht, dass wir kein echtes Interesse an den Kindern hätten. Aber es gibt so viel zu tun! Die Wäsche wartet aufs Aufhängen oder Herunternehmen, das älteste Kind muss zum Klavierspielen animiert und die Tante zum Geburtstag beglückwünscht werden. Vom Abendessen vorbereiten, Post durchschauen und Emails beantworten ganz zu schweigen

Auszeit nehmen – Empfehlungen aus dem 12. Jahrhundert

„Ja, so weit können dich diese verdammten Tätigkeiten mit sich reißen, wenn du fortfährst, dich in ihnen zu verlieren. So bleibt dir nichts von dir selbst.“ schreibt der heilige Bernhard von Clairvaux im 12. Jahrhundert. Man müsste ergänzen: Es bleibt dir auch nichts von deinen Beziehungen und den unwiederbringlichen Momenten mit deinen Kindern.

„Man muss sich vor der Gefahr einer übertriebenen Aktivität in Acht nehmen,“

schreibt Bernhard von Clairvaux weiter, unabhängig davon, welche Lebensumstände herrschen und welches Amt man ausübe, „denn die vielen Beschäftigungen führen oft zur ‘Härte des Herzens’ und sind ‘nichts anderes als Leiden des Geistes, Verirrung der Intelligenz, Verschwendung der Gnade’.“ Ist es nicht überraschend, dies in einem Brief aus dem 12. Jahrhundert zu lesen? Wahrscheinlich ist der Mahnruf in unserer Smartphone-Zeit noch wichtiger als damals.

Auszeit nehmen – wichtiger denn je

Nehmen wir uns also Zeit, unseren Kindern, unserem Partner, jedem Gegenüber mal so wirklich in die Augen zu sehen und dort vielleicht einen unausgesprochenen Gedanken zu entdecken. Nehmen wir uns Zeit, über die großen Fragen des Lebens nachzudenken anstatt dies auf den Sankt Nimmerleinstag zu verschieben. Nehmen wir uns Zeit, Gottes Handschrift in der Schöpfung und in unserem eigenen Leben zu lesen. Nehmen wir uns Zeit für Stille, und Zeit, um sich in eine der schönen Kirchen Wiens zu setzen und Gottes Stimme zu hören. Der Prophet Elija kletterte einst auf einen hohen Berg, um mit Gott zu reden. Ein starker Sturm zog auf, dann kam ein Erdbeben und schließlich ein Feuer. Doch die Stimme Gottes hörte Elija erst im sanften, säuselnden Wind (1 Kön 19,11-14). Nehmen wir uns Zeit – sonst verlieren wir uns selbst und leben am Leben vorbei.

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EIN ARTIKEL VON
  • Gudrun Kugler

    Ich bin Juristin, Theologin und Mutter von vier Kindern. Im Wiener Landtag und Gemeinderat bin ich Politikerin, leite die Online-Dating-Agentur www.KathTreff.org für katholische Singles und bin Autorin von Büchern über Menschenrechte sowie Lebensfragen, z.B. „Niemand ist eine Insel – wie man den Partner fürs Leben findet“.


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