18. September 2015

Auf den Spuren meiner Kindheit


Nach positiven Erfahrungen als Kind zu suchen kann sehr heilsam sein. Auf den Spuren meiner Kindheit machte ich einen Ausflug in den Nationalpark Gesäuse.

Ein Ausflug wie früher

Die Beschäftigung mit der eigenen Kindheit kann unterschiedlichste Gefühle auslösen. Die einen haben vorwiegend positive Erinnerungen. Manche fast gar keine. Andere empfinden die eigene Geschichte eher als schwierig. Nach positiven Erfahrungen als Kind zu suchen kann sehr heilsam sein und manchmal auch zu einer richtigen Quelle der Freude und Inspiration werden. Auch wenn manches nach vielen Jahren anders wirkt als aus der damaligen Sicht als Kind, erkennt man doch so manches wieder und kann sich daran freuen.

Auf den Spuren meiner Kindheit ins Nationalpark Gesäuse

Ein solcher Weg zurück in die Zeit meiner Kindheit führte mich diesen Sommer auf die Grabneralm im Nationalpark Gesäuse. Ich hatte dort als etwa Zehn- bis Zwölfjährige einige wunderbare Wochen zusammen mit meiner Oma und meinem Bruder verbracht. Eigentlich weiß ich nicht, warum ich seitdem nie wieder dort war. Heuer ergab sich jedenfalls die Möglichkeit, einen Abstecher auf die Alm zu machen, als ich meine beiden großen Jungs von einem Zeltlager in Oberösterreich abholte.

Die Anreise bis zum Ausgangspunkt Buchauer Sattel hatte ich nicht mehr in Erinnerung. Natürlich bin ich damals nicht mit dem Auto gefahren J und so suchte ich eine Weile nach einem guten Parkplatz. Da ich nur einmal übernachten wollte, reiste ich bewusst mit ganz leichtem Rucksack und so war ich bald zu Fuß unterwegs bergauf. Ich konnte mich noch an die breite Schotterstraße erinnern, die bis zur Hütte führte. Zuerst ging es durch den Wald, wofür ich wegen der großen Hitze sehr dankbar war, dann weiter oben konnte ich schon die Almwiesen und auch einige Berge erkennen. Am Wegrand fand ich ein paar leckere Himbeeren. Dort und da glänzten auch einige prächtige Tollkirschen verführerisch hervor, die mich als Kind schon fasziniert hatten (und die man natürlich nicht essen darf!).

Vertraute Umgebung

Nach einer Weile vernahm ich das vertraute Gebimmel der Kuhglocken. Die Grabneralm war schon früher bewirtschaftet und rundherum gab es verschiedenes Almvieh, vor allem Kühe und Ziegen. Auf einigen interessanten Tafeln fand ich Wissenswertes zum Thema Almwirtschaft. Ich freute mich zu lesen, dass heute sogar Schafe, Pferde und Schweine auf der Alm gehalten werden! Im Herzen wurde ich wieder zu einem begeisterten Kind und konnte den ersten Blick auf die Hütte gar nicht mehr erwarten.

Kurz darauf war es dann so weit. Wie vor über zwanzig Jahren stand sie da, dunkel, mit grünem Dach, inmitten wunderbarer Berge. Ich hatte mich dort sehr wohl gefühlt und den Ausblick genossen… Einige kleine bauliche Veränderungen gab es zu sehen, doch die Umgebung war dieselbe. Der alte Ziegenstall, in dem wir uns täglich herumgetrieben hatten, stand noch am gleichen Ort. Sechs hübsche Haflinger und drei glückliche Hausschweine liefen frei herum und suchten fröhlich grunzend nach Essbarem. Auf dem Hügel hinter dem Haus entdeckte ich einige weiße und gefleckte Ziegen. Wie idyllisch!

Still genießen und den eigenen Kindern weitergeben

Da es schon fast Abend war, stieg ich gleich noch den Hügel hinter dem Haus hinauf, um einen meiner früheren Lieblingsplätze aufzusuchen und die letzten Sonnenstrahlen zu genießen. Unter einer ausladenden Lärche mit mächtigen, verschlungenen Wurzeln, saß ich nun, schloss die Augen und lauschte. Glöckchen läuteten von überallher. Bienen summten. Die Zeit schien sich um zwei Jahrzehnte zurückgedreht zu haben. Ich genoss diesen Augenblick in vollen Zügen. Nach einer Weile musste ich schmunzeln. Ich hörte förmlich meine Oma, die mich zum Abendessen rief.

„Das muss ich meinen Kindern erzählen“, dachte ich. Schnell schoss ich einige Fotos. Ich muss hier unbedingt einmal mit ihnen herkommen. Dieser Ort soll auch für sie zu einer kostbaren Erinnerung werden!

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EIN ARTIKEL VON
  • Maria Lang

    Ich lebe mit meiner Familie in Wieselburg. In meiner Jugend bereiste ich die halbe Welt und war nach meiner Ausbildung sozial in Indien tätig. Nun unterrichte ich mit meinem Mann unsere vier Kinder zuhause und bin Autorin und Kulturvermittlerin im Stift Melk.


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