31. März 2017

Das Wochenende wirklich zum Wochenende machen

Wochenende zum Wochenende machen - meinefamilie.at

Am Wochenende wollen wir den Drahtseilakt schaffen, uns zu erholen, Aufgaben zu erledigen und Zeit für die Familie zu haben. Das funktioniert nur mit Planung, fixen Arbeitszeiten und einer Sonntagskultur.

Bei uns beginnt das Wochenende meistens am Freitag um 18 Uhr. Mein Mann dreht den Schlüssel in der Wohnungstür um, die Kinder stürmen ihm freudig entgegen, und ich atme erst einmal auf. „Zwei Tage frei! Endlich Zeit für die Familie, für Natur und Kultur, Zeit zum Ausschlafen, für den Steuerausgleich und um das neue Regal im Kinderzimmer aufzubauen!“

Die harte Landung in der Realität kommt am Samstagmorgen. Ausgeschlafen sind nämlich nur die Kinder, die auch am Wochenende ab sechs Uhr eins nach dem anderen zu uns ins Bett kriechen. Die vielen zu erledigenden Aufgaben erschlagen mich fast, noch dazu sind mein Mann und ich uns nicht einig darüber, ob die Steuern oder das Kinderzimmerregal mehr Priorität haben. Und – welch Überraschung! – auch am Wochenende sind fünf hungrige Mäuler zu stopfen, und nicht automatisch herrscht unter uns Familienmitgliedern friedliche Eintracht. Im Hinterkopf geistert mir der Besuch von lieben Freunden am Sonntag herum: Ich freue mich auf sie, will ihnen aber auch einen Kuchen und ein Abendessen servieren und die Wohnung zumindest halbwegs in einen besucherfreundlichen Zustand bringen. Was für ein Stress!

Viele Erwartungen, viel Arbeit

So ein Wochenende in der Familie ist vollgestopft mit Erwartungen und Todo’s. Es ist nicht leicht, manchmal sogar unmöglich, dass alle auf ihre Kosten kommen. Es ist ja auch ein Drahtseilakt: An zwei Tagen wollen wir uns sowohl erholen, als auch das abarbeiten, wozu wir unter der Woche nicht gekommen sind. Wir wollen Familienzeit, aber auch endlich Zeit für uns – um endlich eine Runde zu joggen, auszuschlafen oder zum Friseur zu gehen. Ja, es gibt sie, die Wochenenden, nach denen wir alle körperlich und emotional gestärkt in die nächste Woche starten. Es gibt aber auch die, nach denen mein Mann und ich aus dem letzten Loch pfeifen – fast schlimmer als am Ende der Arbeitswoche.

Vermutlich ist es manchmal ganz einfach Glück, wenn ein Wochenende gelingt. Gleichzeitig können wir aber auch unseren Beitrag dazu leisten. Und der kann so aussehen:

# Wochenende planen

So läuft‘s oft bei uns: Ich lege mir im Kopf einen genauen Plan für den Samstag zurecht und bin der Meinung, dass am Vormittag der Keller entrümpelt werden muss. Am Nachmittag werde ich mir dann Zeit für mich gönnen. Es kann ja nicht zu viel verlangt sein, dass mein Mann für eine Stunde alleine die Kinder übernimmt. Dass mein Mann endlich das Familienfotoalbum fertig machen und den Nachmittag eigentlich im schwedischen Möbelhaus verbringen will, lässt meine unausgesprochenen Plänen scheitern und mich frustrieren. Aber das passiert, wenn jeder von uns insgeheim Pläne schmiedet und wir unsere Erwartungen und Wünsche weder aussprechen noch miteinander abstimmen. Da hilft es uns enorm, Freitagabend oder Samstagfrüh einen Plan für die kommenden Stunden zu machen.

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Die Zeit für den Haushalt ist am Wochenende klar abgegrenzt.

# Feste Arbeitszeiten

Ich will mir vor Augen halten: Vieles ist zu erledigen, manches werden wir schaffen, vieles wird wieder liegenbleiben.

Eine klar abgegrenzte intensive Arbeitszeit (bei uns meistens am Samstagvormittag) für die wichtigsten Aufgaben rund um Haushalt und Wohnung ist für uns sinnvoll. Ist die Zeit abgelaufen, können wir die unerledigten Punkte auf der Liste getrost unbeachtet lassen. Solche Listen lassen sich ohnehin nie abarbeiten, es tut gut, einen Schlussstrich unter die Arbeit zu ziehen.

# Kein Putzen am Wochenende

In meiner Herkunftsfamilie war und ist der Samstag der große Putztag. Wir machen das heute anders. Sonst wäre das Wochenende ja noch vollgestopfter! Wenn irgendwie möglich erledigen wir Wäsche und Putzen unter der Woche. Arbeiten wie Blumen umtopfen, Fahrrad reparieren oder die ungeliebte Steuererklärung (die wir in Wahrheit von einem zum nächsten Wochenende verschieben) werden dann samstags erledigt.

# Nur einen Tag verplanen

Ausflüge und Besuche sind ein fixer Bestandteil unserer Wochenenden, am besten aber an nur einem der beiden Tage. Entweder der Samstag oder der Sonntag soll frei bleiben: um all die schon erwähnten Dinge zu erledigen oder/und um gemeinsame Familienzeit zu verbringen. Der andere Tag ist meistens verplant. Fast immer treffen wir Freunde und andere Familien oder unternehmen etwas.

# Sonntagskultur entwickeln

Der Sonntag ist für uns ein besonderer Tag. Am Sonntag arbeiten wir im Normalfall nicht und gehen in den Gottesdienst. Er soll sich von den anderen Tagen der Woche unterscheiden – und das sollen auch die Kinder merken. Das Frühstück ist ausgiebig und gemütlich, am Tisch liegt ein Tischtuch und es brennen Kerzen. Nach jüdischem Vorbild beginnt der Sonntag auch für uns Christen schon am Samstagabend. In unserer Familie „begrüßen“ wir den Sonntag also schon am Vorabend: Wir beten gemeinsam und bereiten eine schön gedeckte Tafel für das Abendessen vor. Die Kinder lieben dieses „Sonntagbegrüßen“ (über das ich in einem nächsten Beitrag schreiben werde) und auch uns tut es gut, ganz bewusst von der Geschäftigkeit des Samstags in die Ruhe des Sonntags zu kommen.

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EIN ARTIKEL VON
  • Sandra Lobnig

    Seit ich Kinder habe, ist mein Leben schöner, erfüllter, spannender geworden. Und wahrscheinlich auch anstrengender. Ich bin Theologin und lese und schreibe über Ehe-, Erziehungs- und Glaubensthemen. Mit meinem Ehemann und unseren vier kleinen Kindern lebe ich in Wien.


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