13. Juni 2016

Wie viel Luxus brauchen wir als Familie?

Wie viel Luxus brauchen wir als Familie? - meinefamilie.at

Wie viel Luxus ist gut für uns und unsere Kinder? Sollen wir das Leben in vollen Zügen genießen? Oder sollen wir radikal auf Luxus verzichten? Vier Schritte, um ein Mittelmaß zu finden.

„Ich brauch‘ das, sonst bin ich nicht in. Wollt ihr, dass ich ein Außenseiter bin?“ Solche oder ähnliche Sprüche hört man von Jugendlichen, wenn es um Kleidung, Handys und ähnliche Dinge geht.

Aber auch die Erwachsenen sind nicht davor gefeit: Wie fühlen wir uns, wenn der Arbeitskollege von seinem neuen Swimmingpool mit Gegenstromanlage schwärmt oder Verwandte stolz ihren unendlich großen Flat-Screen-Fernseher vorführen? Und bekanntlich nutzt ja nichts ein Auto mehr ab, als der Nachbar, der sich ein neues kauft…

Wir leben in einer Luxus-Gesellschaft. Selbst die weniger Wohlhabenden in unserer Gesellschaft können sich vieles leisten, von dem Menschen in anderen Ländern nur träumen können. Doch wie viel davon ist gut für uns und unsere Kinder? Sollen wir das Leben in vollen Zügen genießen? Oder sollen wir radikal auf Luxus verzichten?

Was ist Luxus?

Der Begriff „Luxus“ kommt vom Lateinischen und bedeutet so viel wie „Verschwendung“. Davon abgeleitet gibt es die „Luxuria“ – Verschwendungssucht, und die ist eine der sieben Todsünden. Vom Wortstamm her scheint es nicht gerade erstrebenswert, dem Luxus zu frönen.

Auch Pater Kentenich sah sich kurz nach dem 2. Weltkrieg in Amerika mit steigendem Wohlstand, mit vielen neuen Erfindungen konfrontiert, die auf breiter Basis Einzug gehalten haben: TV, Waschmaschinen, Kühlschränke, Autos, Mode. Und er hat für die Familien, die er begleitet hat, ein 4-Stufen-Modell entwickelt.

#1: Richtig sehen

Der erste Schritt: Wenn wir die Dinge anschauen, sollen wir sie in Verbindung mit dem lieben Gott sehen. Das kann beispielsweise heißen:

  • Ich sehe nicht nur das leckere Essen – ich sehe dahinter Gott, der für mich sorgt, der mir eine Freude machen will.
  • Ich sehe nicht nur den Computer – ich sehe dahinter den genialen Geist, der solche Geräte erfindet. Und ich sehe den, der diesen genialen Geist erfunden hat.
  • Ich sehe nicht nur das Handy. Ich überlege: Mit diesem Gerät kann ich überall Menschen erreichen bzw. bin für sie erreichbar. Und Gott ist auch immer für uns erreichbar! Also: Wenn ich jemanden anrufe, denke ich an Gott. Wenn ich ein SMS empfange, denke ich an Gott.
  • Ich sehe nicht nur das schöne Kleidungsstück. Ich möchte damit meine Persönlichkeit zum Ausdruck bringen. Ich bin keine graue Maus – ich bin ein Abbild der Schönheit Gottes!

Die Dinge werden – wenn wir sie richtig sehen – zu Propheten Gottes. Schon Augustinus meint: „Die Dinge nehmen uns an der Hand, um uns Gott zu zeigen!“

#2: Richtig genießen

Wenn wir die Dinge mit Gott in Verbindung bringen, merken wir: Gott kümmert sich um uns! Und deshalb ist es gut und richtig, die Dinge zu genießen. So sagt Teresa von Ávila:

„Tu deinem Leib des Öfteren etwas Gutes, damit deine Seele Lust hat, darin zu wohnen!“

„Richtig genießen“ schließt aber auch in sich das Risiko ein, gefahrlos zu genießen. Drogen sind möglicherweise ein Genuss, aber nicht gefahrlos. Und: in Maßen genießen. Ein Gläschen Wein mit dem Ehepartner beim Ehegespräch ist ein Genuss. Aber zu oft und zu viel ist ungesund. Übermaß schadet (bei fast allem)!

Jeder Mensch sollte Luxus (im Sinne von „etwas außergewöhnlich Schönes“) erleben, genießen! Fragen wir uns: was ist das für mich konkret? Das kann beispielsweise ein Abendessen mit meinem Partner sein. Oder Schwimmen gehen als ganze Familie am Wochenende. Oder auch: Luxus ist für mich, am Wochenende das Firmenhandy abgedreht zu lassen.

Da ist auch der Blick des Goldgräbers gefragt: ein positiver Blick auf das, was ich habe und bewusst genießen kann. Nicht der Mistkäfer, der im Gift des Vergleichens die eigene Unzufriedenheit kultiviert.

Wenn ich mein Leben, die Dinge in meinem Leben wirklich genießen kann, brauche ich nicht auf die anderen schielen: „Was hat der, was ich nicht habe?“ Und wenn der Nachbar ein neues Auto kauft, genieße ich meines trotzdem, solange es fährt!

#3: Richtig verzichten

Wir lieben ein Eis, wenn es draußen richtig heiß ist. Doch wenn wir jeden Tag Eis essen, ist es bald nichts Besonderes mehr. Das ist der dritte Schritt: Damit ich richtig genießen kann, muss ich auch richtig verzichten können! Etwas drastischer drückt das Pater Kentenich aus: „Das ewige Genießen (…) macht uns auf die Dauer innerlich krank, verwirrt und verwüstet unsere Natur.“

Der Verzicht soll unserer Sendung in irgendeiner Weise dienen. Verzicht darf schwerfallen, darf weh tun; aber nicht so, dass der Körper dadurch krank wird.

Als Frucht des Verzichtes soll ein Gewinn an Liebe, an Selbstbeherrschung, an Persönlichkeitsentfaltung sichtbar werden.

Was heißt Verzicht konkret?

Kentenich hat sich angewöhnt, bei jeder Mahlzeit mindestens einen Genuss und ein Opfer zu erleben.

Beispielsweise schaue ich bei Tisch zuerst, dass die anderen alles haben. Erst dann kümmere ich mich um meinen Hunger.

Eine Frau spendet immer dann, wenn sie sich ein neues Kleidungsstück kauft, denselben Betrag für karitative Zwecke.

Die Bibel empfiehlt, den zehnten Teil (Zehent) des Einkommens für die Armen zu spenden. (Und als Nebeneffekt stellt sich beim Geber das Gefühl ein: „Ich habe so viel, dass ich sogar etwas hergeben kann davon!“)

Nicht umsonst gibt auch die Kirche den Rhythmus vor: genießen (Sonntag, Weihnachts– und Osterzeit) – verzichten (Freitag, Advent und Fastenzeit). Die Kirche möchte uns damit hinführen zu einem intensiven Leben mit Gott – und nicht uns ärgern oder unterdrücken.

#4: Richtig beherrschen

Als vierter Schritt im Umgang mit den Dingen über dem fruchtbaren Spannungsfeld von Genießen und Verzichten steht das Beherrschen. Ich soll innerlich unabhängig von den Dingen werden! Ich soll die Dinge richtig gebrauchen und richtig genießen als Weg zu Gott. Ich muss darauf achten, dass ich von den Dingen unabhängig bin, nicht Sklave der Dinge werde.

Sobald die Dinge von Gott getrennt gesehen werden, fangen sie an, uns zu beherrschen und ein „Gott“, ein Götze für uns zu werden. In der Beichtvorbereitung fragen wir uns zum Thema „Du sollst Gott lieben“: Was ist das Zentrum meiner Gedanken? Was sind meine dringendsten Wünsche? Ich kontrolliere meine innere Haltung: Gott möchte an erster Stelle sehen!

Feste und freie Persönlichkeiten

Es geht also nicht vordergründig um die Frage, wie viel Luxus wir haben dürfen. Es geht darum, dass feste und freie Persönlichkeiten den richtigen Umgang mit den Dingen gelernt haben sollen, wenn sie erwachsen geworden sind. Und auch als Erwachsene üben wir immer wieder die vier Schritte als Schlüssel dazu: richtig sehen – richtig genießen – richtig verzichten – richtig beherrschen.

Anregungen für das Ehegespräch
  • Was genieße ich aus vollem Herzen? (Was erleben ich als Luxus?)
  • Auf was verzichten wir – bei welchen Gelegenheiten?
  • Wo merke ich die Spannung: beherrsche ich – oder werde ich beherrscht?

Dieser Artikel ist in der Zeitschrift Familie als Berufung erschienen. Autor ist diesmal Familie Aichner, eine Schönstatt-Familie mit sechs Kindern aus Wien.

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EIN ARTIKEL VON
  • Familie A.

    Wir sind Familie A. und leben am Stadtrand von Wien. Verheiratet seit 1993 haben wir bald Kinder bekommen. Und weil das Leben mit Kindern sooo schön ist, haben wir inzwischen sechs davon! Familie ist unsere Berufung, und das Know-How dafür haben wir in Schönstatt gefunden. Sechs Kinder – da erlebt man einiges, da kann man was erzählen! Und weil wir jetzt seit bald zwei Jahren die Nächte (meistens) wieder durchschlafen können, haben wir wieder Kapazitäten frei. So referieren wir auf Familientagungen, schreiben für die Zeitschrift Familie als Berufung und neuerdings für meinefamilie.at – unseren Kindern zuliebe anonym.


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