23. Juni 2017

Wie motiviere ich Kinder zur Mitarbeit?

Kinder zur Mitarbeit motivieren - meinefamilie.at

Wie kann man Kinder zur Mitarbeit motivieren, ohne ewige Diskussionen führen zu müssen, gegen die die Friedensverhandlungen von Versailles ein Klacks sind? Die Welt mehr aus den Augen der Kinder zu sehen ist ein Anfang.

Ihr Kind mag nicht Zähne putzen? Es braucht Stunden, bis es sich angezogen hat zum Weggehen? Zimmer aufräumen: ein weiterer zermürbender Kampf? Einfache Tätigkeiten werden durch Kinder im Haushalt zu zeitaufwendigen Beschäftigungen, die Eltern Nerven kosten.

Zuallererst muss uns Eltern klarwerden, dass viele Tätigkeiten, die uns als Banalitäten vorkommen, die wir im Vorbeigehen erledigen, gerade für Kleinkinder eine große Herausforderung darstellen. Zumal es noch lange brauchen wird, bis diese die Sinnhaftigkeit dieser Tätigkeiten wirklich anerkennen werden. Da können wir uns den Mund noch so fusselig reden und erklären, so viel wir wollen.

Dennoch gibt es Möglichkeiten, auch unsere Allerjüngsten zur Mitarbeit zu motivieren.

Aussicht auf Danach in den Vordergrund stellen

Eine davon ist es, die Aussicht auf das Danach in den Vordergrund zu stellen: „Nach dem Zimmer-Aufräumen können wir wieder eine Gutenachtgeschichte lesen. Mami freut sich schon so sehr darauf. Die Geschichte gestern war so lustig. Was wird denn der Kasperl heute machen?“

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Das Wegräumen am besten spielerisch gestalten.

Die Spielsachen als Mitarbeiter einbeziehen

Eine andere Möglichkeit ist es, sich sogenannte „Mitarbeiter“ zu suchen. Der Ball, mit dem das Kind gerade spielt, „möchte unbedingt in den Park hinaus und wartet schon darauf, dass du dich endlich anziehst“. Oder „die Puppen wollen endlich schlafen gehen, die schlafen aber gar nicht gut, wenn das Zimmer so unaufgeräumt ist. Schau, wir zeigen ihnen jetzt, wie dieses Zimmer ganz blitzeblank werden kann.“ Bezugspunkte, die in engem Zusammenhang mit dem Kind stehen, wie ein Gegenstand, mit dem es gerade spielt, der Teddybär, mit dem es jeden Abend schlafen geht, die Lieblingsjacke, die endlich wieder spazieren gehen möchte, sind für ein Kind ein stärkerer Motivator als irgendwelche Notwendigkeiten.

Ein Spiel daraus machen

Auch die Phantasie unserer Kinder anzuregen und aus langweiligen Tätigkeiten ein Spiel zu machen, ist eine Methode, die bereits Mary Poppins beim Aufräumen des Kinderzimmers einsetzte.

Wir können die elektrische Zahnbürste in einen Bohrer auf einer Baustelle verwandeln oder mit einer Taucherbrille den Aufenthalt in der Badewanne in einen Strandurlaub verwandeln.

Überraschungseffekte nützen

Kinder lieben Überraschungen und freuen sich, jemanden überraschen zu können. „Papa kommt bald nach Hause. Stell dir vor, wie der staunen wird, wenn er zur Tür hereinkommt und das Zimmer ist ganz aufgeräumt und du bist bis dahin schon im Pyjama!“ Solche Überraschungseffekte können für Kinder ein guter Ansporn sein, mitzumachen. Klar übernimmt in diesem Fall der Papa eine wichtige Aufgabe, da seine Begeisterung ein wichtiger Beitrag zum nachhaltigen Erfolg dieser Aktion ist.

Mit Wettbewerben die Kinder motivieren

Wettbewerbe können auch eine Möglichkeit sein, kleine Kinder zur Mitarbeit zu bewegen, vor allem wenn Zeitnot besteht. „Mal sehen, wer heute schneller fertig gegessen hat, Mami oder Felix?“ Die meisten Kinder lieben es, Mami in solchen Spielen zu besiegen. „Wer von euch ist als Erster im Pyjama?“ hat schon einigen Eltern geholfen, diesen langwierigen Prozess zu beschleunigen. Der „Pyjamawettbewerb“ wurde bei unseren eigenen Kindern sehr erfolgreich besonders an Tagen angewandt, an denen wir spät von irgendeinem Ausflug oder Besuch nach Hause kamen. Er wurde bald so ernst genommen, dass die Kinder bereits im Auto begannen, sich in Position zu bringen, und schon vor der Haustür die ersten Kleidungsstücke auszogen. Erst als die Kinder langsam älter wurden, begannen die Ersten zu boykottieren: „Ist mir doch wurscht, wer als Erster im Bett ist…“ Aber mittlerweile konnten sich ja alle bereits recht schnell umziehen.

Wecker stellen fürs bessere Zeitgefühl

Manchen Kindern hilft es, ein Zeitgefühl zu bekommen, indem wir ihnen einen Wecker hinstellen. „Wenn der Zeiger dort oben ist, werden wir alle weggehen. Bis dahin solltest du aufs Klo gehen und die Schuhe anziehen, glaubst du schaffst du das?“

Der Alltag ist wichtig für die Persönlichkeitsentwicklung

Wichtig ist es, dass wir Eltern in diesen alltäglichen Tätigkeiten eben keine Banalitäten sehen, sondern ihre Bedeutung für die Persönlichkeitsentwicklung unserer Kinder erkennen. Sie sind die Vorschule späterer Leistungen. Zähne putzen, sich anziehen, das Zimmer aufräumen, alles Tätigkeiten, die zwar mühsam sein mögen, die aber eine wichtige Grundlage bilden für die Entwicklung des Selbstwertgefühles unserer Kinder, aber auch für deren Selbstständigkeit und deren Fähigkeit, Dinge anzugehen, die vielleicht nicht so viel Spaß machen.

Wir schätzen oft die Fahrt zum Babyschwimmen oder den gemeinsamen Nachmittag im Freizeitpark als viel wichtiger für die Entwicklung unserer Kinder ein und übersehen, dass die Summe der Kleinigkeiten im Alltag die wichtigste und beste Förderung ist, die wir unseren Kindern schenken können. Daher zahlt es sich aus, dass wir Eltern uns genügend Zeit und Ruhe dafür nehmen. Je mehr Zeit wir uns nehmen, damit unsere Kinder diese Dinge in Ruhe machen können, desto eher werden sie lernen, diese schnell zu erledigen.

GFO, Gesellschaft für Familienorientierung - meinefamilie.at

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