2. Januar 2018

Wie meine Kinder Konzentration und Durchhaltevermögen lernen

Durchhaltevermögen lernen - meinefamilie.at

Wenn Kinder unliebsame Aufgaben erledigen, können sie dafür ewig trödeln. Mir ist wichtig, dass sie lernen, durchzuhalten – das ist fürs Leben genauso wichtig wie die Rechenaufgaben.

Es gibt Zeiten, da sitzen unsere Kinder hoch konzentriert bei einer Tätigkeit und scheinen Raum und Zeit zu vergessen. In solchen Momenten hüte ich mich tunlichst davor, sie zu unterbrechen und aus ihrer “Versenkung” herauszureißen, sofern nicht ein wichtiger Termin ansteht. Kinder haben die wunderbare Eigenschaft, ganz in dem aufgehen zu können, was sie gerade tun. Sie werden eins mit der von ihnen gebauten Playmobilwelt, mit dem Experiment, mit der “Arbeit”, die sie gerade durchführen. Gregor zum Beispiel kann stundenlang mit seinen Traktoren und Landmaschinen spielen, ohne dass ihm dabei langweilig wird. Sara beweist unglaubliche Ausdauer beim Stricken mit ihrer Strickliesel oder beim Schönschreiben und Gestalten eines Gedichtes.

Kinder sind von Natur aus Forscher, das Experimentieren, das Ausprobieren liegt ihnen im Blut. Sie haben die natürliche Neigung, Zeit und Energie in eine Sache zu investieren, die ihnen wichtig ist, um ein zufriedenstellendes Ergebnis zu erreichen. All das zu beobachten ist für mich als Mutter eine wunderbare Erfahrung.

Aufgaben, die den Kindern schwerfallen

Doch dann gibt es auch Dinge, die den Kindern nicht unbedingt Spaß machen und die auch getan werden müssen. Für Gregor ist es das Thema Aufräumen. Wenn ich nicht danebenstehe und mithelfe, passiert gar nichts. Er beginnt einfach wieder zu spielen.

Für Sara sind das zum Beispiel Rechenaufgaben. Ich bin immer wieder verblüfft, wie viel Zeit sie vertrödeln kann, wenn sie keine Lust hat. Eine Seite Mathematik wird zu einem 2-Stunden-Projekt und ich kann mich kaum zurückhalten, sie ständig anzutreiben. Manchmal ertappe ich mich dabei, wie ich schon zum hundertsten Mal wie ein Mantra von mir gebe: “Konzentrier dich endlich! Das kann doch nicht so schwer sein!”

Ich mache die Sache zu meinem Problem. Irgendwie stimmt es ja, ich bin hier die Erziehungsberechtigte und habe dafür zu sorgen, dass die Dinge ordentlich erledigt werden. Doch andererseits ist es das Problem des Kindes.

Logische Konsequenzen ankündigen

Ich sage, was zu tun ist und kann auch eine Konsequenz nennen, wenn es nicht passiert. Damit meine ich nicht eine Strafe, sondern eine ganz logische Konsequenz wie: “Wenn du nicht schneller arbeitest, hast du danach weniger Zeit zum Spielen.” Damit wird die Sache zum Problem des Kindes. Ich als Mama muss eigentlich nur das Ganze aushalten und die Rahmenbedingungen schaffen. Es kostet mich Zeit, Geduld und Konsequenz, aber wesentlich weniger Nerven, wenn ich es so betrachte. Natürlich bin ich manchmal versucht, eine Abkürzung zu nehmen, ihr eine Seite Mathe zu erlassen oder die Aufgabe mit ihr gemeinsam zu lösen. Je nach Situation ist das vielleicht auch manchmal angebracht, wenn ich merke, sie kann wirklich nicht mehr. Doch meist ist es nur der “innere Schweinehund”, der überwunden gehört und den bin ich nicht bereit zu füttern.

Als wir neulich einen solchen Mathe-Marathon hinter uns gebracht haben, nahm ich meine Tochter in den Arm und lobte sie. Nicht für ihr Trödeln, aber dafür, dass sie bis zum Ende durchgehalten hat. “Das ist nämlich im Leben genauso wichtig, wie rechnen zu lernen”, ermutigte ich sie. “Du kannst stolz auf dich sein, dass du es geschafft hast!” Und in Gedanken lobte ich auch mich selbst, dass ich es bis zum Schluss ausgehalten und ihr diesen wichtigen Lernerfolg ermöglicht habe.

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EIN ARTIKEL VON
  • Maria Lang

    Ich lebe mit meiner Familie in Wieselburg. In meiner Jugend bereiste ich die halbe Welt und war nach meiner Ausbildung zur Krankenschwester sozial in Indien tätig. Jetzt unterrichte ich mit meinem Mann unsere vier Kinder zuhause und bin Autorin und Kulturvermittlerin im Stift Melk.


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