18. Januar 2016

Wie Kinder Empathie lernen

Empathie lernen - meinefamilie.at

Eine der Herausforderungen ist es, unsere Kinder zu einfühlsamen, empathischen Wesen heranzuziehen. Lies Erfahrungen, wie Kinder Empathie lernen.

Eine der großen Herausforderungen in der Erziehung ist es, unsere Kinder zu einfühlsamen, empathischen Wesen heranzuziehen. Empathie ist die Fähigkeit, mit anderen Menschen mitfühlen zu können. Manche Kinder, besonders sensible, besitzen diese Fähigkeit schon sehr früh. Wenn jemand weint, beginnt ein solches Kind manchmal auch zu weinen. Etwas ältere Kinder bringen ein Taschentuch oder einen Schnuller herbei, so wie sie das bei anderen gesehen haben. Das ist nun schon eine weitere Stufe, den Leidenden aktiv zu unterstützen.

Bedingungslose Liebe und klare Grenzen

Kinder verhalten sich, so behaupte ich nun mal, nicht von Natur aus sozial. Die ersten paar Lebensmonate kreisen sie nur um ihre eigenen Bedürfnisse, das ist auch ganz normal. Je älter ein Kind wird, desto größer wird seine Fähigkeit, auch sein Umfeld wahrzunehmen. Es beginnt, nicht nur zu empfangen, sondern auch zu geben. Wir Eltern und Bezugspersonen können das kleine Kind nun darin unterstützen, nach und nach seine Ichbezogenheit auf ein Wir-Gefühl zu erweitern. Das geschieht nicht von heute auf morgen, sondern in ganz vielen kleinen Schritten. Die Grundvoraussetzung dafür, dass ein Mensch ein Gespür dafür entwickelt, wie sich sein Verhalten auf andere auswirkt, ist Liebe. Und zwar bedingungslose Liebe durch die Bezugspersonen. Das ist unsere Verantwortung als Eltern, ihnen diese Liebe zu schenken.

Ein Kind, das bedingungslose Liebe erfährt, lernt auch, Liebe und Verständnis für andere zu entwickeln.

Sensible, empfindsame Kinder haben da besonders feine Antennen. Werden sie lieblos behandelt, kann es sein, dass sie sehr „unsensible“, aggressive Verhaltensweisen anderen gegenüber an den Tag legen. Werden sie jedoch geliebt, wahrgenommen und liebevoll behandelt, können sie schon im frühen Kindesalter sehr empathisch sein. Kinder mit etwas „dickerem Fell“ brauchen schon auch manchmal Hinweise oder praktische Anleitung, wie man sich konkret einfühlsam verhalten soll. Sie brauchen manchmal klare Grenzen.

Unser Sohn hat Kinder gebissen – und eine Lektion erfahren

Ich erinnere mich an zwei Vorfälle in unserer Familie. Einer unserer Söhne hatte im Alter von ca. zwei Jahren die eigenartige Angewohnheit, ältere Kinder zu beißen. So sehr wir versuchten, ihn ständig im Blick zu behalten, um dies zu verhindern, geschah es immer wieder mal, dass ein älteres Kind weinend mit blauen Flecken angelaufen kam.

Ich fühlte mich als Mutter schlecht und hilflos, da ich nicht wusste, wie ich damit umgehen sollte.

Ich probierte verschiedene Strategien. Nichts half. Da platzte mir eines Tages der Kragen, als wieder ein älterer Junge mit deutlichen Bissspuren daherkam. Wohl dosiert aber doch so, dass er es spürte, zwickte ich meinen Kleinen durch den Pulli in den Oberarm. Ganz entsetzt brüllte er los. Ich nahm ihn in den Arm und tröstete ihn. Als er sich wieder beruhigt hatte, versuchte ich ihm zu erklären, dass anderen seine Bisse auch genauso wehtaten. Ich zeigte auf seine leicht gerötete Haut und dann auf die bläulich verfärbte Haut des Jungen und machte ihm klar, dass das auch ein „Wehweh“ sei. Gemeinsam versorgten wir nun die beiden Wehwehs mit Eis und einem Pflaster. Eine etwas drastische, aber wirkungsvolle Lektion in Sachen „Empathie“.

Empathie ist für manche eine natürliche Fähigkeit

Unsere Tochter wiederum hat eine ganz natürliche Fähigkeit, empathisch zu sein. Nicht nur Menschen, sondern auch Tieren gegenüber ist sie sehr einfühlsam. Eines Tages entdeckten wir eine Amsel, die sich in einem Netz im Garten meiner Schwiegereltern verfangen hatte. Der Vogel hing mit dem Kopf nach unten und zappelte verzweifelt. Tränen stiegen unserer Kleinen in die Augen beim Anblick des gefangenen Tieres. Ich nahm sie zuerst mal in den Arm, tröstete sie und versprach ihr, dem armen Vogel zu helfen. Dann schickte ich sie schnell los, um Papa, eine Schere und Handschuhe zu holen. Wie der Blitz war sie wieder zurück. Vorsichtig hielt ich die Amsel so, dass sie nicht mit den Flügeln schlagen konnte. Ihr Herz pochte wie wild. Georg versuchte nun, sie behutsam mit der Schere zu befreien. Sara schaute uns mit großen Augen zu. Es war für uns alle ein ganz besonderer Moment, diesem hilflosen Lebewesen zu neuer Freiheit zu verhelfen!

Ich habe kein „Patentrezept“ für die Erziehung zu empathischem Verhalten. Doch ich denke, wenn wir Erwachsenen versuchen, liebevoll und empathisch zu sein, mit den Kindern immer wieder zu reden und einfühlsames Verhalten zu bestätigen, werden sie nach und nach Freude daran finden.

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EIN ARTIKEL VON
  • Maria Lang

    Ich lebe mit meiner Familie in Wieselburg. In meiner Jugend bereiste ich die halbe Welt und war nach meiner Ausbildung sozial in Indien tätig. Nun unterrichte ich mit meinem Mann unsere vier Kinder zuhause und bin Autorin und Kulturvermittlerin im Stift Melk.


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