12. August 2016

6 Wege, wie ich meine Kinder fördern möchte

Wie ich meine Kinder fördern möchte - meinefamilie.at

Alle Eltern wollen ihre Kinder fördern. Die wertvollsten Fördermaßnahmen sind weder teuer noch kompliziert: für die Kinder da sein und echtes Interesse an ihnen haben, zum Beispiel.

Sollen wir Eltern unsere Kinder fördern? Ja, aber mit dem richtigen Ziel und mit Blick auf die Kinder. Dazu meine sechs Fördermaßnahmen für meine zwei sehr kleinen Kinder:

Fördermaßnahme #1: Wirklich präsent sein

Immer wieder ertappe ich mich dabei, wie ich Momente an mir vorüberziehen lasse, weil ich mit den Gedanken ganz woanders bin. Während meine Kinder begeistert Käfer beobachten, und dabei gewiss etwas lernen, überlege ich, was noch alles getan werden muss oder blicke auf mein Handy.

Das sollte nicht überhand nehmen.

Ich bemühe mich, immer wieder bewusst alle ablenkenden Dinge und Gedanken zur Seite zu schieben und mit meinen Kindern ganz im Moment zu verweilen.

Dadurch zeige ich ihnen nicht nur, dass sie mir wichtig sind, sondern gebe auch ihrer Beobachtungsgabe und Konzentrationsfähigkeit Raum.

Mich einfach auf den Moment und meine Kinder einzulassen, braucht vielleicht etwas Übung. Doch es könnte durch ein „Flow“-Erlebnis belohnt werden. Die Spielwissenschaft und Psychologie versteht darunter das beglückende Gefühl eines Zustandes völliger Vertiefung und völligen Aufgehens in einer Tätigkeit, also einen Glücksmoment.

Fördermaßnahme #2: Sich Zeit nehmen

„Flow“-Momente brauchen Zeit und können schwer entstehen, wenn ein Programmpunkt auf den anderen folgt. Es ist nicht einfach, mit seiner Zeit richtig hauszuhalten. Doch es lohnt sich, daran zu arbeiten: den Terminkalender nicht zu voll zu packen und vor allem die Wichtigkeit diverser Termine – und die Pünktlichkeit bei diesen – richtig einzuordnen.

Für mich heißt das: Wenn ein Termin nicht sehr wichtig ist, möchte ich meiner Tochter ermöglichen, zu Fuß zu gehen anstatt im Buggy sitzen zu müssen.

Und im Idealfall habe ich genug Zeit eingeplant, um auch mal stehenbleiben und einem Straßenmusikanten zuhören zu können, das Geschehen auf einer Baustelle zu beobachten, einem Specht zu lauschen oder meine Kinder über eine Mauer balancieren zu lassen.

Wenn ich mir immer wieder dafür Zeit nehme, dass mein Kind das Tempo vorgeben kann, kann ich auch gut beobachten, wo seine Interessen im Moment liegen.

Fördermaßnahme #3: Langeweile zulassen

Viele Menschen haben die besten Ideen unter der Dusche. Warum? Weil hier der Kopf einmal abschalten kann. Und das macht kreativer. Doch die „künstlerischen Pausen“ sind aus der Mode gekommen. Klagt ein Kind über Langeweile, ist das für Eltern oft anstrengend. Man ist verlockt, Abhilfe zu schaffen. Dank Smartphone sind kleine, kindgerechte Spielchen oder Videos zu jeder Zeit und an jedem Ort verfügbar. Dabei könnten eine lange Autofahrt, das langwierige Warten auf das Essen oder die lästige Pflichterfüllung ungeliebter Tätigkeiten großartige Gelegenheiten sein, um Erlebnisse und Gespräche „nachzukosten“, sein Verhalten zu reflektieren oder eben auf neue tolle (Spiel-)Ideen zu kommen. Ich gönne meinen Kindern diese Chance!

Fördermaßnahme #4: Die Umgebung gestalten

Kleine Kinder lernen am besten, wenn sie in einer vorbereiteten Umgebung möglichst frei und selbstständig agieren können.

Eine Umgebung vorzubereiten ist ein ständiger Prozess und oft gar nicht so einfach. Können und Interessen von Kleinkindern ändern sich ständig und so sollte es auch ihre Spielumgebung tun.

Hat mein Kind begeistert eine Baustelle beobachtet, könnten es jetzt auch Bilderbücher zu dem Thema interessieren, hätte es vielleicht Freude daran einen Miniatur-Kran zu bauen oder mit Helm, Ohrenschützern und Staubsauger das Bedienen eines Presslufthammers zu üben.

Balanciert das Kind über jede Mauer, kann man mit Klebeband Balancier-Routen auf den Boden kleben oder auch mal das Sofa von der Wand wegschieben, damit auf der Lehne balanciert werden kann.

Matscht das Kind bei jeder Mahlzeit lustvoll im Essen herum, biete ich ihm Knetmasse, gemeinsames Pizzateig-Kneten oder das Malen mit Fingerfarben an.

Materialien sollten aber nicht immer nur hinzugefügt werden. Bücher und Spielmaterial, an denen meine Kinder gerade kein Interesse zeigen, räume ich außer Reichweite. Fragt meine Ältere nach etwas davon, kann sie es selbstverständlich wieder haben. Haben Kinder zu viel Spielmaterial um sich herum, behindert das ihr Spiel und damit auch ihre Möglichkeit, etwas zu lernen oder einen „Flow“ zu erfahren. Man kann sich das vorstellen wie eine Küche, in der noch das ganze Geschirr vom Vortag herumsteht. Hier eine neue Mahlzeit zuzubereiten macht nicht so richtig Freude.

Fördermaßnahme #5: Beziehungen pflegen

Im Leben ist es wichtig, dass man mit anderen Menschen in Beziehung treten und Freundschaften aufbauen kann. Ehrliche Anteilnahme, füreinander da sein und mit Meinungsverschiedenheiten umgehen zu können, muss erlernt werden.

Die wohl wirksamste Art das vorzuleben: das Kind so annehmen, wie es ist. Seine Gefühle, Wünsche und Gedanken nicht beurteilen. Interessiert sein an seiner Meinung. Ihm einfach zeigen, was es bedeutet, für jemanden da zu sein.

Fördermaßnahme #6: Verantwortung übernehmen

Wir alle müssen Verantwortung übernehmen. Zumindest für uns selbst. Unsere Kinder dürfen da Schritt für Schritt hineinwachsen. Wir können ihnen dabei helfen.

Ich werde mein Kleinkind natürlich darauf hinweisen, dass es sein Glas nicht so nah an den Rand des Tisches stellen sollte. Erzähle ich ihm das nun schon zum 20. Mal, sollte ich mich vielleicht einfach mit dem Gedanken an ein paar Scherben anfreunden. Ist das befürchtete Malheur dann wirklich einmal eingetreten, rutscht mir idealerweise kein „Ich hab dir doch schon so oft gesagt, dass …“ über die Lippen, sondern erkläre sachlich, was passiert ist, putze die Scherben weg und tröste das vermutlich erschrockene Kind.



EIN ARTIKEL VON
  • Agnes Rehor

    Ich bin Kindergarten- und Hortpädagogin und habe Diätologie studiert. Seit 2013 bin ich verheiratet und habe zwei kleine Kinder. Mit meiner Familie wohne ich derzeit in Wien, träume aber vom Haus am Land – am Balkon übe ich fleißig das Gärtnern. Außerdem koche ich mit Begeisterung und liebe - nicht nur in der Küche - unkonventionelle Ideen.


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