20. März 2015

Wenn sich Kinder Haustiere wünschen


„Ich will keine langweiligen Haustiere, die nur schlafen…“, sagt ein Sohn zum Vorschlag, statt Fischen Schildkröten anzuschaffen. Erfahrungen eines Vaters.

Eine Zeitlang hatten wir kein Haustier. Dann wünschte sich Dominik zu seinem dritten Geburtstag ein Aquarium mit vielen bunten Fischen. Ich erinnere mich noch an den Fensterputzer, der die meiste Zeit fett und träge an der Scheibe klebte. Und an eine kleine blaue Art, die sehr aggressiv war und es auf die harmlosen Goldfische abgesehen hatte. Ich glaube, sie hießen Guppys. In reißfesten Nylonsäckchen trugen wir damals immer mehr Fischlein aus der nahe gelegenen Tierhandlung nach Hause und setzten sie im Aquarium aus. Dort schwammen sie munter umher, bereit, sich gegenseitig zu begatten und all das. Nur die kleinen blauen Kampffische störten ein wenig die Idylle und brachten hin und wieder einen harmlosen Mitbewohner zur Strecke.

Neue Haustiere statt Fischen

Obwohl Astrid, meine Frau, sich in der Pflege des Biotops genau an die Anweisungen des reich bebilderten Ratgebers „Viel Freude mit dem Zimmeraquarium“ hielt, kippte das Wasser nach einem guten Jahr: Die Fischlein, die alle Namen von Fußball- und Schistars trugen, trieben, mit dem Bauch nach oben, tot an der Wasseroberfläche. Erstaunlicherweise trotzte der zierliche Schleierfisch Andy Herzog dem Massensterben am längsten. Es war jedenfalls kein schöner Anblick. „Schluss mit den Fischen!“, sagte ich diktatorisch. Angesichts der Tatsache, dass das Aquarium verdammt schwer war, wollte ich es auf seinem Platz belassen und schlug als neue Bewohner eine Tierart vor, die für ihre Widerstandsfähigkeit und Langlebigkeit berühmt ist: Schildkröten.

Gusti, Silvester und andere Haustiere

„Für unser Aquarium hole ich dir zwei“, sagte ich. Auch wenn Dominik sich für meine Idee nicht wirklich begeistern konnte, zogen Gusti und Franzi ins Aquarium ein. Obwohl ich als Knabe selbst einmal eine Schildkröte besessen hatte, stand ich diesen beiden Exemplaren rätselhaft distanziert gegenüber. Sie waren nicht unsympathisch, aber emotional völlig anspruchslos. Leider konnte sich mein ältester Sohn mit ihnen nie richtig anfreunden: „Ich will keine langweiligen Tiere, die das halbe Jahr schlafen, nur weil sie uralt werden“, sagte er. „Ich will ein Tier, das man streicheln kann.“

„Du bist doch zu klein für einen Hasen…“

Also nahmen wir eine kleine Katze bei uns auf, grau-weiß gefleckt. Gaben ihr den Namen Silvester, bohrten ein Loch in die Eingangstür und brachten eine Katzenklappe an, damit sie nach eigenem Willen aus- und einlaufen konnte. Wir hatten viel Freude mit ihr – bis sie eines Tages von einem ihrer Ausflüge nicht mehr wiederkehrte, was allen leid tat. Es ist einige Jahre her, da hatte meine damals dreijährige Tochter Sophie, ein für ihr Alter erstaunlich vernünftiges Mädchen, mit fester Stimme erklärt: „Papa, ich möchte bitte einen Hasen haben.“ Meine Antwort, typisch für einen Erziehungsberechtigten: „Aber Sophielili, du bist noch viel zu klein für einen Hasen. Wenn du sechs bist und in die Schule gehst, bekommst du einen.“ Heute ist Sophie 16 und wir haben einen Hund namens Happy, die drei Katzen Zizou, Mademoiselle und Mia sowie die vier Zwergkaninchen Mimi, Goliath, Fridolin und Starmania.

Tipps:

  • Seien Sie sich im Klaren darüber, dass Kinder im Zusammenleben mit Tieren viele wertvolle Erfahrungen machen können.
  • Auch Familienmitglieder, die anfangs der Anschaffung eines Haustieres skeptisch bis ablehnend gegenüber gestanden sind, freuen sich nach einer Zeit der Eingewöhnung über die neuen Mitbewohner.
  • Klären Sie von allem Anfang an, wer für die Betreuung des Haustieres verantwortlich ist. Seien Sie sich aber darüber im Klaren, dass letztlich Sie selbst die Endverantwortung haben.
  • Kinder sind überfordert mit der Pflicht, sich Tag für Tag mehrmals um ein (mittlerweile ausgewachsenes) Haustier zu kümmern.
  • Vergessen Sie nicht: Kinder werden älter und haben erfahrungsgemäß immer weniger Zeit, die vierbeinigen Mitbewohner zu betreuen.
  • Sie sollten schon auch selbst ein (potentieller) Tierfreund sein – ansonsten gäbe es zu oft Situationen, in denen Sie sich ärgern könnten.

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EIN ARTIKEL VON
  • Gottfried Hofmann-Wellenhof

    Mit meiner Frau habe ich fünf Söhne, drei Töchter und einen Adoptivsohn aus Kamerun. Die Erfahrungen mit meiner Großfamilie teile ich in Kolumnen und Büchern. Meine Hobbys: Hometrainer, Fußballmatches meiner Söhne, Kochen und Lesen.


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