24. August 2016

Wenn Kinder Angst haben

Kinder Angst - meinefamilie.at

Ängste gehören zur Entwicklung und schützen uns. Doch wann muss ich mir Sorgen über die Ängste meiner Kinder machen? Wie gehe ich damit um? Und was ist Schulangst? Dr. Barbara Holzmann, Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie, hat Antworten.

Wir wissen, dass Ängste zur Entwicklung gehören und sind doch verunsichert, wenn wir sie an unseren Kindern spüren. Ängste an sich haben eine gesunde Funktion, die schützt und sinnvoll sein kann. Sie können wichtig sein, wenn sie uns zur Vorsicht bringen und vor gefährlichen Handlungen bewahren. Und sie können unverhältnismäßig groß und hinderlich sein.

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Sind Ängste bei Kindern bedenklich?

Für Eltern ist es eine besondere Herausforderung, mit den Ängsten ihrer Kinder umzugehen. Wie kann ich unterscheiden, welche Angst berechtigt und welche Grund zur Sorge ist? „Das hängt davon ab, inwieweit das Leben dadurch eingeschränkt ist“, sagt Dr. Barbara Holzmann, Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie. „Die Symptome von Ängsten sind dann Grund zur Sorge, wenn das Kind darunter nachhaltig zu leiden beginnt und z.B. nicht mehr imstande ist, den Kindergarten oder die Schule zu besuchen, vielleicht auch unter Schlafstörungen leidet, wenn es unkonzentriert und nervös ist, wenn das Familienleben zunehmend eingeschränkt wird und keinerlei Maßnahmen helfen.“ Dann sollte professionelle Hilfe aufgesucht werden.

„An sich sind Ängste etwas Natürliches“, betont Dr. Holzmann, und jede Form von Angst darf im Kleinkindalter vorkommen. Grundsätzlich darf man Angst haben, die Angst schützt auch.“

Kleinkinder können beispielsweise ängstlich dabei sein, in Kontakt mit anderen zu treten oder dabei, alleine zu schlafen. Erhöhte Aufmerksamkeit bedarf es jedoch, wenn das Kind mit drei bis vier Jahren überhaupt nicht mehr alleine schlafen kann oder vermehrt traurig wirkt, nennt Holzmann Beispiele. Ob eine ängstliche Phase normal ist oder länger als der Normalzustand andauert, zeigt sich im Verlauf.

Kinder mit ihren Ängsten ernst nehmen

Daher gilt für Eltern: die Ängste der Kinder ernst nehmen, die Kinder beruhigen und ihnen Sicherheit geben. Das heißt, Reaktionen zu vermeiden, die klingen wie: „Die anderen haben auch keine Angst“. Zu vermeiden, Kinder mit anderen zu vergleichen. Ihre Ängste zu erkennen und die Kinder vorsichtig darauf hinzuführen, mit ihnen umzugehen.

Ein wichtiger Faktor, den man heute kennt: Eltern haben die Möglichkeit, die Ängste ihrer Kinder zu steuern.

„Wenn Eltern dem Kind zu wenig zutrauen, beginnt das Kind darauf zu reagieren“, erklärt Dr. Holzmann.

Das Kind habe selbst oft ein gutes Gefühl für seine Fähigkeiten. „Wenn es z.B. ein ungeschickteres Kind ist, spürt es das oft selbst und wird demnach an seine Erkundungen der Umwelt vorsichtig herangehen.“ Ein wichtiger Appell für Eltern, die zur Überbehütung neigen.

Hinter Schulangst stehen oft Trennungsängste

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Die Symptome der Schulangst zeigen sich über mehrere Wochen.

Besonders vor Schulbeginn wird das Thema Schulangst präsent. Was ist Unsicherheit und Nervosität und was ist bereits Schulangst? Entscheidend ist die Beständigkeit. „Das Kind will nicht aufstehen, es kommt in der Früh nicht in die Gänge, hat vielleicht Schlafstörungen. Es klagt möglicherweise häufig über Übelkeit, Kopf-Bauchschmerzen, welche keine körperliche Ursache haben, die es natürlich durch eine ärztliche Untersuchung auszuschließen gilt – und dies zunehmend und über mehrere Wochen“, erklärt Dr. Holzmann die mithäufigsten Symptome. „Es ändert sich in seinem Verhalten, seiner Stimmung, kommt gehäuft zu den Eltern ins Zimmer. Es hat einen Leistungsknick im schulischen Bereich. Es gibt spürbare Veränderungen im Wesen der Kinder zu erkennen und ernst zu nehmen.“ Des Weiteren muss man sich ansehen: Ist das Kind unter- oder überfordert? Ist es der falsche Schultyp? Ist die Klasse zu groß? Sieht oder hört es schlecht? Man tastet sich vor, um dem Ursprung der Schulverweigerung näher zu kommen.

Bei Schulangst im Volksschulalter stehen häufig Trennungsängste dahinter, in der höheren Schullaufbahn steigt zusätzlich der Leistungsdruck enorm. Manchmal ist es eine Kombination aus beidem. Auch muss fachärztlich überprüft werden, ob eine depressive Entwicklung dahinter steckt.

Ängste verändern sich: Kinder haben Entwicklungspotenzial

Eltern dürfen die Ängste ihrer Kinder jedenfalls gelassen nehmen. Denn unter welchen Ängsten Kinder auch leiden, Dr. Barbara Holzmann sieht die Entwicklung optimistisch. „Das Schöne ist, dass Kinder einem Entwicklungsprozess unterliegen. Wenn man rechtzeitig erkennt, ernst nimmt und gegebenenfalls interveniert, ist viel positive Veränderung möglich. Ich bin immer wieder erstaunt, wie resilient, wie widerstandsfähig Kinder sind: Trotz manchmal auch schwierigster Familienverhältnisse ist es erstaunlich, wie gut und gesund sich viele Kinder entwickeln.“

Sind Kinder heute eigentlich ängstlicher als früher? In Zeiten der ständigen Medienpräsenz und Reizüberflutung, in denen man im Internet schnell und unkontrolliert Inhalte konsumiert, sieht Dr. Holzmann heute einen „Faktor, der Ängste möglicherweise verstärkt“, weil man nie zur Ruhe kommen könne. Das bedeute allerdings nicht, dass sich die Ursächlichkeit der Ängste verändert hat: „Das Kind kann darin etwas finden, worauf es seine Angst fokussiert, die Angst hat ihren Ursprung jedoch woanders. Das kann Ängste fördern, verursacht aber nicht die Angst.“

Welche Erfahrungen hast du mit Ängsten deiner Kinder gemacht? Die Angst vor dem Schlafen im Dunkeln, vor dem Monster unter’m Bett oder vor der Schule – wie kannst du deine Kinder unterstützen? Teile deine Erfahrungen in einem Kommentar.

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1 Kommentare
  • Ilse, 26. August 2016, 14:39 Antworten

    Also unser Kleiner wollte lange nicht im Finstern schlafen. Jetzt ist er fünf und es wird schon, bisher haben wir einfach so eine blaue Nachtlampe neben sein Bett gestellt. Hat geholfen. Wenig Aufwand, aber sehr nützzlich.

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