11. November 2016

Wenn ich nochmal Kinder hätte…

Wenn ich nochmal Kinder hätte - meinefamilie.at

…würde ich alles genauso machen. Oder fast. Das Baby jedenfalls nicht schreien lassen, lange stillen und vor allem eine enge Bindung aufbauen – egal, was andere sagen.

Im Nachhinein ist man bekanntlich immer schlauer. Oder macht man doch nicht alles falsch, wenn man anstatt auf gut gemeinte Tipps doch lieber auf seinen Mutterinstinkt hört? Ein Rückblick auf die allerersten Lebensjahre.

Das klingt jetzt alles sehr nach Fazit am Lebensabend. Reife Dame, Mutter inzwischen erwachsener Kinder, blickt auf ihr Leben zurück und zieht ihr Resümee.

Nein. Ich bin 32, habe (erst) eine Tochter und die ist gerade einmal zweieinhalb Jahre alt. Worüber kann ich also schon reden? Welche Lebenserfahrung? Was weiß ich über das Leben mit Kindern? Ganz ehrlich? Wahrscheinlich nicht sehr viel. Und noch dazu (ganz unter uns, im kleinen Kreis! Haha) weiß ich nicht einmal, ob ich jemals weitere Kinder (zwecks Erfahrung sammeln) haben werde. Ich hoffe es zwar sehr, aber wer weiß das schon…

Fehler, schlaflose Nächte, keine Zeit – aber ein glückliches Kind

Wenn ich aber nochmal Kinder hätte, dann würde ich (fast) alles genauso machen, wie bei diesem. Wieder wären dann sehr viele anderer Meinung und wüssten bestimmt so manches besser. Wieder würde ich unzählige Fehler machen. Wieder wäre ich wohl wahnsinnig oft am Ende meiner Kräfte. Wieder gäbe es viel zu viele schlaflose Nächte. Wieder käme die Zeit für sich (und für andere) ziemlich zu kurz. Und wieder hätte ich (so hoffe ich) ein fröhliches, selbstbewusstes, einfühlsames, wunderbares und vor allem glückliches Kind.

Was würde ich also konkret wieder tun? Etwas, das mir und meinem äußerst schwachen Nervenkostüm (ja, ich zucke gut und gerne und oft aus!) zwar nicht immer liegt, aber trotzdem für gut befunden und beibehalten wurde: Auf die Bedürfnisse des Kindes eingehen würde ich es nennen, Attachment Parenting sagen andere.

Was davon scheint sich am besten bewährt zu haben?

Co-Sleeping, wenn ich nochmal Kinder hätte - meinefamilie.at#1 Co-Sleeping – unser Kind darf ins Ehebett

Vor kurzem fanden wir, es wäre nun an der Zeit, unsere Tochter (mit 2 ½) in ihr eigenes Zimmer „umzuquartieren“. Es handelte sich dabei zwar schon immer um „ihr“ Zimmer, in Wahrheit war es jedoch bisher nur „Spielezimmer“. Jetzt sollte es also auch „Schlafzimmer“ werden. Wo hat sie denn die letzten 2 ½ Jahre geschlafen? Im Elternzimmer. Anfangs im Ehebett, dann im Beistellbett, aber letztlich eigentlich immer wieder im Ehebett. Die Vorteile davon sind vielleicht einigen bekannt, die Nachteile kennt wohl jeder.

Kurz: Sie hat es so gebraucht. Wir haben es für gut befunden (naja, nicht immer) und die Bestätigung kam mit ihrem „Umzug“: Sie war bereit dafür.

Ist von „ihrem Reich“ begeistert, unerwarteter Weise kam keinerlei Protest und selbst das nächtliche Einschlafen funktionierte ab der ersten Nacht.

Zugegeben, die Nächte enden zwar nach wie vor in unserem Bett, aber ein plötzlich zehn Stunden durchschlafendes Kind würde mich ohnehin beunruhigen (Zitat aus der dritten Nacht: „Lebt sie noch?“). Also: Win-Win, alle happy!

#2 Langzeitstillen – eine positive Stillbeziehung

Immer wieder. Gut, Langzeitstillen bedeutet für einige vier Jahre oder länger, so lang war es bei uns dann doch nicht, aber immerhin erstmal 20 Monate (geplant hatte ich „nur“ zwölf, die ersten „Wird es nicht langsam Zeit damit aufzuhören?“-Gedanken kamen sogar schon nach zehn) und gleich vorweg:

Wenn ich nochmal Kinder hätte, würde ich gerne länger stillen.

Ich. Denn dies ist eine sehr persönliche Entscheidung und auch wenn die meisten Kinder ewig so weitermachen könnten, betrifft das Ganze immer noch zwei: Kind und Mutter. Happy Mama, happy child!

Wie gesagt, in unserer Stillbeziehung gab es (wieder: fast) nur Positives. Trotz minimaler Startschwierigkeiten waren wir sehr bald ein unschlagbares Team, es gab keine Wachstumsprobleme (im Gegenteil), kaum Krankheiten und auch der Übergang zur festen Nahrung klappte einwandfrei. Selbst die gefürchtete atopische Dermatitis (Neurodermitis darf man sie ja laut Aussage unserer Ärzte nicht mehr nennen), an der ich als Neugeborenes sehr stark gelitten hatte, schien auszubleiben. Tat sie auch. Bis zum Abstillen. Wenige Tage später war sie dann da und scheint vorerst bleiben zu wollen. Daher werde ich mein potenzielles nächstes Kind stillen, bis es volljährig ist. Scherz. Aber lange!

#3 Das Schreien des Kindes hören

Oder besser gesagt, nicht schreien lassen. Obgleich das Schreien zum Baby dazuzugehören scheint, wie die Tobsuchtsanfälle zum Kleinkind, empfinde ich das bewusste Schreienlassen nach wie vor als nicht nachvollziehbar. Unser Baby hat geschrien. Viel und oft und vor allem anfangs aus scheinbar unerklärlichen Gründen. „Babys schreien eben. Grundlos. Die muss man einfach schreien lassen. Sonst verwöhnt man die. Die werden zu Tyrannen”, so oder so ähnlich die vielen gutgemeinten Ratschläge. Und obwohl man diesen häufig nur zu gern Folge leisten (oder das Baby einfach beim Nachbarn abladen) möchte, konnte ich das nicht. Der einzige, bei dem ich sie immer wieder abgeladen habe, war mein Mann, der Gott sei Dank derselben Ansicht war wie ich. Für jedes Schreien gab (und gibt) es einen Grund. Sei dieser aus erwachsener Sicht auch noch so unbedeutend.

Zur Beruhigung: Das Reagieren auf das Schreien hat aus unserer Tochter alles andere als eine Tyrannin gemacht.

Bonding, wenn ich nochmal Kinder hätte - meinefamilie.at#4 Bonding – eine sichere Bindung aufbauen

Eine sichere Bindung. Fachleute verstehen darunter eine gut entwickelte Bindung des Kindes zu seinen engsten Bezugspersonen (an erster Stelle der Mutter), welche in der Folge dazu beiträgt, dass dieses sicher und selbstbewusst auf seine Umwelt zugeht und mit dieser in Kontakt tritt. Unsere Bindung war und ist sehr eng, was wiederum häufig zu Tipps und Ratschlägen führt, wie etwa: „Du trägst das Kind zu viel. Gib es häufiger ab. Lass es bei den Großeltern übernachten.“ Je nach Kind und dessen Bedürfnissen kann man das so machen, muss man aber nicht. Wir haben viel getragen und wenig abgegeben. Die erste Nacht ohne uns Eltern hat sie noch immer vor sich. Und wieder bereue ich das alles nicht. Anfangs zwar sehr anhänglich, hat sich unsere Tochter zu einem offenen und äußerst kontaktfreudigen Mädchen entwickelt, das fröhlich, aber auch mit einer gesunden Portion Vorsicht auf ihre Umwelt und Menschen zugeht. Der besorgte Vorwurf, dass ich niemals in Ruhe duschen, mit Freunden essen oder alleine einkaufen gehen könnte, bis sie erwachsen ist, hat sich also bereits nach zwei Jahren…wie sage ich es am besten…als Blödsinn herausgestellt.

Wenn ich nochmal Kinder hätte, würde ich daher das meiste wieder so machen wie bisher. Oder aber auch nicht. Jedes Kind ist anders, daher würde ich mir beim nächsten Mal statt vieler gutgemeinter (aber nicht immer hilfreicher) Ratschläge einfach folgenden „Mutmacher“ wünschen: „Hör einfach auf deine Bedürfnisse und die deines Kindes, dann wird das schon gut gehen!“ 🙂

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EIN ARTIKEL VON
  • Katharina Weinlich

    Ich komme aus Südtirol, studierte Geschichte in Rom und bin vor 5 Jahren in Wien sesshaft geworden. Seit Mai 2014 bin ich Vollzeitmami. Meine Begeisterung gilt meinem Mann, unserer Tochter, dem Sommer & Sonnenschein, Pizza, den USA (Ort all meiner Reiseträume) und dem lieben Gott.


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