15. März 2016

Ein Kind auf ein Geschwisterchen vorbereiten

Kind auf Geschwisterchen vorbereiten - meinefamilie.at

Wir sind seit Jänner zu viert! Unsere Tochter hat kurz nach ihrem zweiten Geburtstag einen Bruder bekommen. Da es allseits bekannt ist, dass sich Zweijährige nicht unbedingt ein Baby zum Geburtstag wünschen, das die Mutter in Anspruch nimmt, habe ich mich vorher viel mit dem Thema Eifersucht auseinandergesetzt. Und damit, wie man Kinder gut auf ein Geschwisterchen vorbereiten kann.

Informationen in Elternheften und diversen Webpages zu dem Thema sagen Ähnliches: Dem Kind das kleine Geschwisterchen nicht groß als Spielkamerad anpreisen, denn das schürt nur Enttäuschungen. Stattdessen realistische Erklärungen abgeben. Dass das Baby viel herumgetragen werden muss, noch nicht sprechen kann und vielleicht auch viel schreit.

Umso jünger das Kind, desto später vom Geschwisterchen erzählen?

Einig sind sich die meisten Autor/innen auch über den passenden Zeitpunkt, um vorhandenen Kindern über das heranwachsende Baby im Bauch zu erzählen: Umso jünger die Kinder sind, desto später soll man ihnen davon erzählen. Etwa zwei Monate vor der Geburt soll für so kleine Kinder, wie meine Tochter, ausreichend sein. Denn ansonsten würden die Kinder ungeduldig werden, da mehrere Monate für so kleine Kinder ja eine gefühlte Ewigkeit darstellen.

Diese Empfehlung war für mich jedoch nicht schlüssig. Gerade kleine Kinder, die zum ersten Mal mit der Geburt eines Babys konfrontiert werden, werden wohl kaum ungeduldig werden. Sie kennen es schließlich nicht anders.

Daher habe ich meiner Tochter gleich von der Schwangerschaft erzählt. Das war für mich auch deswegen wichtig, da ich sie im Zuge dessen auch abstillte.

Da Stillen ja doch recht viel Energie kostet und ich in der Schwangerschaft ohnehin unter einer betäubenden Müdigkeit gelitten habe, konnte ich mir das nicht mehr vorstellen. Ich sagte ihr also, dass da ein Baby im Bauch ist, das immer größer wird, und wenn es keinen Platz mehr hat, aus dem Bauch rauskommt. Und dann kann es erstmal gar nicht viel. Es kann nicht reden. Es kann nicht gehen. Und es kann nicht aus einem Glas trinken, sondern nur aus der Brust. Offenbar war das für meine Tochter dann schlüssig: Sie kann schon aus einem Glas trinken, also sollte sie sich von der Brust verabschieden. Ich merkte zwar, dass sie doch immer wieder Sehnsucht danach hatte (vor allem beim Zahnen), aber sie trug es mit Fassung und schlug ein späteres Angebot von mir auch wehement aus. „Nein! Baby Bauch raus kommt da nuka-nuka!“ lies ich mich belehren – erleichtert, diese Hürde geschafft zu haben.

Gemeinsame Vorbereitung auf das Geschwisterchen: Babyfotos & Buchtipps

Als tolle Vorbereitung empfand ich auch, oft gemeinsam Fotos anzuschauen. Bilder von meiner Tochter als kleines Baby und auch schon davor im Bauch. Sahen wir unterwegs irgendwo ein Neugeborenes oder auch nur einen größeren Kugelbauch, wies ich sie darauf hin und erklärte ihr, dass das Baby schon aus dem Bauch der Mama rausgekommen ist oder dass der Bauch schon so groß ist, dass das Kind bald keinen Platz mehr darin haben wird.

Im letzten Trimester sahen wir dann auch häufig Bilderbücher zu dem Thema an. „Hallo Baby, wann kommst du?“ von Lydia Hauenschild und Heike Herold sowie „Wir sind jetzt vier!“ von Sabine Cuno und Susanne Szesny sind zwei Hardcover-Bücher, die schon für sehr kleine Kinder geeignet sind. Für ältere Kinder (ab 5 Jahren) gefällt mir das Buch „Wo kommen die kleinen Babys her? Vater, Mutter + Ich“ von Malcolm und Meryl Doney sehr gut. Es beschäftigt sich allerdings eher mit der Einzigartigkeit jedes einzelnen Menschen, damit, dass Gott uns alle erschaffen hat, und einer kindgerechten Aufklärung darüber, wie ein Baby entsteht. Als Vorbereitung für das Leben mit Geschwisterchen braucht es hier noch zusätzliche Literatur.

Eifersüchtig auf das Geschwisterchen? (Noch) nicht…

Am lustigsten in der Vorbereitungszeit war aber sicher das Hervorholen und Durchsortieren des Babygewandes, der Spielsachen, etc. Vieles wurde von dem Töchterchen wiedererkannt und probiert. Irgendwie bekam sie ihre Füße sogar in eine 50er-Hose hinein. Hinaus musste man sie befreien. 🙂

Obwohl dann also bereits sechs Wochen vor der Geburt von Gewand bis Beistellbett alles vorbereitet war, wurde meine Tochter nicht nervös.

Und auch nach der Geburt gab es bisher keine Eifersucht oder verändertes Verhalten von ihrer Seite. Sie ist eine sehr eifrige große Schwester und ich bin sehr froh, sie von Anfang an miteinbezogen zu haben.

Auch wenn ich sehr froh bin, dass meine Tochter ihren Bruder so gelassen empfangen hat, ist mir doch schnell klar geworden, dass es mit der „Eingewöhnung“ so bald nicht vorbei sein wird. Denn das liebe Baby wird ja auch größer und in nicht allzu ferner Zukunft wird es mit Sicherheit mit seinen Händen die schwesterliche Lockenpracht erkunden wollen. Ihre Murmelsammlung muss mit der Zeit zur Sicherheit weiter oben verwahrt werden und alles was weniger heikel ist, wird sie nach und nach teilen müssen. Es bleibt also spannend!

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EIN ARTIKEL VON
  • Agnes Rehor

    Ich bin Kindergarten- und Hortpädagogin und habe Diätologie studiert. Seit 2013 bin ich verheiratet und habe zwei kleine Kinder. Mit meiner Familie wohne ich derzeit in Wien, träume aber vom Haus am Land – am Balkon übe ich fleißig das Gärtnern. Außerdem koche ich mit Begeisterung und liebe - nicht nur in der Küche - unkonventionelle Ideen.


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