23. Juni 2015

Wenn die Mama verreisen muss


Was tun wenn die Mama verreisen muss? Hilfestellungen zu Fragen: Wie gehe ich selbst mit dieser neuen Situation um und wie helfe ich meinem Kind?

Was tun, wenn die Mama verreisen muss

Gerade kehre ich von einer einwöchigen Dienstreise zurück; die erste längere Trennung als 24 Stunden, seit meine Tochter auf der Welt ist. Wie schwer Beruf und Familie zu vereinbaren sind wenn man verreisen muss, wurde mir nun einmal mehr vor Augen geführt.

Ein typisches „Mama-Kind“

Meine Tochter ist – trotz ihres guten Verhältnisses zu ihrem Papa – ein typisches „Mama-Kind“, schon seit sie ein Baby war. War ich da, musste alles ich machen, das begann bei der Milchflasche am Morgen und endete beim Zu-Bett-Gehen am Abend. Dazwischen saß sie sehr viel auf meinem Schoß, kuschelte und wollte getragen werden. Musste ich arbeiten, freute sie sich aber auch auf eine ihrer Omas, die zum Glück beide in greifbarer Nähe wohnen und schon von Beginn an ergänzend eine unschätzbare Unterstützung waren. Dennoch war es ein langer Prozess, bis alle Bezugspersonen sämtliche Aufgaben des Tagesablaufes übernehmen durften. Nach meiner Karenz hatte ich nur schrittweise wieder zu arbeiten begonnen und sehr langsam meine Stundenanzahl gesteigert, mich stets nach den Bedürfnissen meiner Tochter gerichtet. Musste ich auch, sah ich doch, wie sehr das Mädchen an mir hing.

Fragen über Fragen vor dem Verreisen

Mittlerweile ist meine Tochter bald vier Jahre alt und mein Beruf gut im Tagesablauf integriert. Allerdings hat sich nichts an ihrer Anhänglichkeit geändert. Mahlzeiten werden zum Teil auf meinem Schoß abgehalten und überhaupt spielt der Körperkontakt zu mir eine große und wichtige Rolle (was wir zugegebenermaßen beide sehr genießen!). – Was nur, wenn ich sie einmal abends nicht schlafen legen kann und auch morgens noch nicht zurück bin? Und das gleich mehrere Tage am Stück? Ich muss zugeben, diese Frage quälte mich die vergangenen Wochen, würde ich doch meine Tochter zum ersten Mal länger als einen Tag – nämlich gleich eine ganze Woche lang – nicht sehen.

Die Hauptfrage war, wie gehe ich selbst mit dieser neuen Situation um und zweitens, wie helfe ich meinem Kind, damit umzugehen?

Meine Antworten

Der Schlüssel zu all diesen Fragen: reden! Kinder brauchen Anhaltspunkte. Kinder brauchen einen festen Ablauf, klare Strukturen, um sich orientieren zu können und sicher zu fühlen. Kann man diese Anforderungen einmal nicht erfüllen, darf man sie nicht einfach vor vollendete Tatsachen stellen, auch wenn sie noch nicht verstehen, worum es genau geht.

Reden Sie viel mit Ihrem Kind“, darauf legte schon meine Hebamme großen Wert, als es kaum geboren war. Und wenn ich zunächst unsicher war, ob ich durch das ständige Erinnern nicht Angst heraufbeschwören würde, so hielt ich mich auch diesmal an den Rat. Ich erklärte meiner Tochter meine Aufgabenbereiche sowie die Arbeit, die während meiner Abwesenheit auf mich wartete. Ich erklärte ihr, dass ich im Moment sehr viel zu tun hätte, was sich aber ändern würde, wenn ich wieder zurück sei. Und schließlich schmiedete ich Pläne mit ihr; einerseits für die Tage während meiner Reise, andererseits für gemeinsame Unternehmungen nach meiner Rückkehr.

Durch das Reden stellte ich drei Phasen fest:

  1. Konnte sie zunächst nicht erfassen, was das alles bedeutete
  2. Lehnte sie ab, dass ich weg musste
  3. Freute sie sich schon darauf, einen Tag alleine die Großeltern zu besuchen, mit Papa einen Ausflug zu machen usw.

Dadurch habe ich gesehen, wie diese neue Situation auch in ihr arbeitete und sie sich langsam darauf einstellte.

Weitere Hilfestellungen

Eine weitere Hilfestellung war ein Kuscheltier, das ich zuvor im Elternbett schlafen ließ, sodass es nach mir roch. Meine Tochter entdeckte es zwei Tage bevor ich verreisen musste zufällig, was sich schließlich als gar nicht schlecht herausstellte, wuchs doch dadurch die Vorfreude darauf, dass sie es dann in ihr eigenes Bett mitnehmen durfte. Interessant daran war, dass sie dieses Kuscheltier die ganze Zeit bei sich hatte, sobald ich aber wieder zurück war, gab sie es mir zurück, da sie es nicht mehr brauchte.

Zwar hat mein Mädchen bereits eine ungefähre Vorstellung von den Wochentagen, für ein richtiges Zeitgefühl ist sie jedoch noch zu jung. Daher versuchte ich sie auch hier etwas zu unterstützen und bastelte einen Kalender mit genau so vielen Ausmalbildern wie ich Tage unterwegs sein würde. Jeden Abend ein Bild ausmalen und anschließend zählen, wie viele Tage noch übrig bleiben half ihrer Vorstellungskraft etwas unter die Arme.

Und schließlich ganz wichtig: Proviant. Essen hatte immer schon einen wichtigen Stellenwert im Leben und im Spiel, fast alles dreht sich um die Nahrungsaufnahme. So stellte ich eine kleine Sammlung ihrer Lieblingsspeisen und –getränke zusammen, die sie sich über die Tage einteilen konnte, Fruchtriegel, Knabberbrezeln, Traubenzucker, Fruchtmus, Apfelsaft…

Zusammenfassend muss ich sagen, dass ich sehr erleichtert, aber auch erstaunt bin, wie reibungslos alles verlief, da es nicht einen kritischen Moment gab, in dem meine Tochter nach mir weinte. Ihr war die ganze Zeit bewusst, dass ich nach wenigen Tagen wieder kam (darüber sprach sie auch ganz offen) und sie genoss es, dass zur Abwechslung einmal der Papa rund um die Uhr verfügbar war.

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EIN ARTIKEL VON
  • Sabine Láng

    Immer schon von der französischen Sprache fasziniert, nützte ich mein Studium der Theaterwissenschaft, um neben Wien auch in Paris zu studieren. Heute kann ich Französisch beruflich nützen. Mein Mann und ich haben die schöne Aufgabe, unsere 3-jährige Tochter an die Musik heranzuführen!


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