13. Dezember 2016

„Wein doch nicht!“ – Trösten oder Leid aushalten?

Wein doch nicht, trösten oder Leid aushalten - meinefamilie.at

Trost schenkt Geborgenheit oder erzieht zum Jammern – je nach Situation und Schmerzempfinden des Kindes. Eltern sollten ihr Kind als Experten für seinen Schmerz respektieren.

Wer von uns möchte nicht ein Kind trösten, wenn es weint? Je schneller das Problem behoben ist, umso besser! Nicht nur, weil uns das Kind leid tut, sondern vielleicht auch, weil wir es selbst nicht aushalten, dass so ein kleines Wesen Kummer hat.

Leiden aushalten lernen

Ein todkrankes Kind wartete wochenlang auf den Besuch seiner Eltern. Es musste sterben, ohne sie wieder gesehen zu haben. Weshalb sie nicht kamen? Aus Mitleid! Ihr Kind tat ihnen so schrecklich leid, dass sie es nicht ausgehalten hätten, es so leiden zu sehen. Da frage ich mich: Wem galt eigentlich dieses Mitleid: dem Kind oder sich selber?

Weder unterdrücken noch übertreiben

Ein harmloses Beispiel: Ihr Kind hat sich weh getan und kommt weinend zu Ihnen. Es ist nichts Schlimmes passiert. „Coole“ Eltern würden sagen: „Tut ja gar nicht weh!“ Unangenehme Gefühle sollen so schnell wie möglich verschwinden und werden deshalb unterdrückt oder bagatellisiert. Die Besorgten trösten: „Mein armes Kind!“ und ergehen sich in Mitleidsregungen. Es bekommt mehr Aufmerksamkeit als es braucht und wird zum Jammern erzogen.

Wer weiß, wie weh es wirklich tut? Sie oder Ihr Kind? Schmerz ist ein subjektives Empfinden!

Es mag harmlos scheinen, aber regelmäßig praktiziert lösen derartige Verhaltensmuster beim Kind Unsicherheit und Blockaden aus.

Einfach da sein und für emotionale Entlastung sorgen

Die Lösung ist einfach: Zeigen Sie Aufmerksamkeit und warten Sie, was da kommt. Die Antwort wird unterschiedlich sein: Ihr Kind kann sich den Schmerz von der Seele reden oder heulen. Während Sie zulassen, dass es alles „ausgespuckt“ hat, haben Sie Zeit, sich angemessene Reaktionen zu überlegen. Hilfreich ist auch ruhiges Halten und Streicheln, bis es sich beruhigt hat.

Oft war Ihre Aufmerksamkeit bereits die Medizin und das Kind schließt: „Nicht so schlimm. Ich geh wieder spielen.“

Ihr Kind bleibt „Experte“ für seinen Schmerz

Es macht einen großen Unterschied aus, ob Sie das sagen, oder ob das Kind selbst darauf kommt. Dann nämlich wirkt es. Natürlich können Sie fragen: „Was kann dir jetzt gut tun?“ oder handeln Sie einfach, ruhig und sicher. Aber hören Sie auf die echten Bedürfnisse des Kindes und drängen Sie Ihre Hilfe nicht auf.

Wenn Ihr Kind ernst genommen wird und seine Emotionen ausdrücken darf, entwickelt es gutes seelisches Gleichgewicht und wird weder emotional blockiert noch wehleidig. Es lernt durch Ihre Unterstützung kompetent und selbstbewusst für sich selbst zu sorgen. Ist es nicht genau das, was Sie sich für Ihr Kind wünschen?

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