10. Juni 2017

Was Väter heute wollen

Was Väter heute wollen - meinefamilie.at

„Ein guter Vater fällt nicht einfach so vom Himmel. Ein guter Vater muss sich Zeit mit seinem Kind gönnen, sich mit seiner Rolle als Vater auseinandersetzen, sie aktiv gestalten und sie immer wieder adaptieren“, sagt Männerberater Peter Pimann.

Ein Supermarkt irgendwo in Wien: Ein Vater steht mit seinen zwei kleinen Kindern bei der Kassa. Die Luft ist stickig, die Schlange lang und die Kinder – sagen wir es einmal vorsichtig – nicht in bester Laune. Die Große weint, weil Papa kein Eis kauft. Der Kleine weint, weil Papa keine Kekse kauft. Und der Vater? Der hat im Grunde alle Hände damit zu tun, die Lebensmittel auf das Förderband zu legen. Quengelnde Kinder kann er jetzt eigentlich nicht brauchen, das sieht man ihm an, und trotzdem versucht er die Große und den Kleinen zu beruhigen. Wiederholt immer wieder und mit Engelsgeduld: „Aber wir haben doch noch ein Eis zu Hause und Kekse haben wir auch.“

Väter bringen sich ein

Väter wie er gehören immer öfter zum Straßenbild. Väter, die sich anders in den Familienalltag einbringen, als es Väter früher getan haben. „Die meisten Väter wollen heute in ganz anderer Art und Weise Teil der Familie sein als die Generationen vor ihnen“, sagt Peter Pimann, psychosozialer Berater, Männerberater und Sozialpädagoge. Seit einigen Jahren begleitet er Väter und ihre Kinder auf Vater-Kind-Wochenenden, die von der Katholischen Männerbewegung der Diözese Linz veranstaltet werden. Er beschäftigt sich mit der Rolle des Vaters in unserer Gesellschaft und berät Väter. Was ihm dabei besonders auffällt? „Vater sein hat auf der einen Seite heute eine andere Qualität als früher. Auf der anderen Seite geraten Männer durch die Erwartungen, die sie an sich selbst stellen und die durch die Gesellschaft an sie herangetragen werden, zunehmend unter Druck.“ Und: „Die Frage der Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist für Väter genauso Thema wie für Mütter.“

Sorge um den Arbeitsplatz

Zwar sei es so, dass sowohl die Gesellschaft als auch die Politik einer aktiven Vaterschaft prinzipiell positiv gegenüber stehen, es sogar Gesetze gibt, die ein aktives Vatersein ermöglichen sollen. Die Realität aber sieht oft ganz anders aus.

„Viele Männer trauen sich regelrecht nicht in Elternteilzeit zu gehen – auch wenn es diese Möglichkeit eigentlich gibt – weil sie massive Anfeindungen und Benachteiligungen befürchten. Und wer Sorge haben muss, seine Arbeitsstelle zu verlieren, wenn er beruflich für die Familie zurücksteckt, wird sich das zweimal überlegen“, sagt Peter Pimann.

Ein Vater ist keine Mutter

Hinzu kommt, dass die Rolle eines „aktiven Vaters“ nicht wirklich klar definiert ist. Was macht einen aktiven Vater aus? Welche Qualitäten muss er haben? Vorbilder fehlen. „Ein aktiver Vater, das ist in vielen Köpfen eine Kopie der Mutter“, sagt Peter Pimann. Ein Gedanke von dem man sich schnellstens verabschieden sollte.

Vater und Mutter spielen im Leben ihres Kindes nämlich völlig unterschiedliche Rollen.

„Väter gehen mit ihren Kindern ganz anders um“, sagt der dreifache Vater – auch aus eigener Erfahrung. „Väter erweitern die Welt ihrer Kinder um die väterliche, um die männliche Sichtweise.“ Väter seien anpackender, fordernder als Mütter. „Wenn man so will, sind Mütter eher die zurückhaltenderen, mitfühlenden Beobachterinnen, stehen den Kindern anders zur Seite als Väter. Vätern liegt das ,gut gemacht‘, ,weiter so‘ und ,du schaffst das‘ näher. Und beides ist für die Entwicklung des Kindes unerlässlich.“

Vatersein beginnt in der Schwangerschaft

Was sich Peter Pimann deshalb wirklich wünschen würde? Ein Umdenken in der Gesellschaft. Ein Umdenken bei Männern und Frauen. Männer müssten sich viel intensiver mit ihrem Vatersein auseinandersetzen, in ihrem Vatersein begleitet werden. Genau genommen eigentlich schon in der Schwangerschaft, denn da beginne das Vatersein. „In Bezug auf die Fürsorge und die Versorgung des Kindes muss Vatersein genauso selbstverständlicher sein wie Muttersein“, sagt Peter Pimann.

Diese Selbstverständlichkeit des Vaterseins könnten sich Männer in „Werkstätten“ erarbeiten. „Das kann in Männergruppen in Pfarren passieren, bei einem Bier mit Freunden im Garten, in Geburtsvorbereitungskursen speziell für Männer, in Workshops zum Thema Vatersein oder auch beim Lesen eines Ratgebers“, sagt Peter Pimann: „Wenn Väter sich bereits während der neun Monate der Schwangerschaft mit dem Vatersein auseinandersetzen, profitieren alle.“ Da gehe es um Überlegungen wie: Wie können Vater, Mutter und Kind eine Einheit bilden, nicht nur Mutter und Kind und der Vater außen vor. „Und es geht darum, sich zu überlegen, was es für mich als Vater bedeutet, Vater zu werden. Mir zu überlegen, was ich für ein Vater sein will und wie viel Zeit ich meinem Vatersein widmen möchte. Nur dann kann ich die Zeit mit meinem Kind wirklich genießen.“

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EIN ARTIKEL VON
  • Andrea Harringer

    „Meine Mami schreibt das auf, was ihr andere Leute erzählen.“ Das sagte mein Sohn, als man ihn fragte, was seine Mama beruflich mache. Seit 2001 bin ich Redakteurin in der Erzdiözese Wien, schreibe für den „Sonntag“ und versuche, Themen wie Familie, Kinder und Erziehung auch aus einem christlichen Blickwinkel zu beleuchten.


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