14. Januar 2016

Was tun, wenn Kinder streiten?

Wenn Kinder streiten - meinefamilie.at

“Wenn Kinder streiten – misch dich nicht ein!”, muss ich mir oft selber sagen. Denn das ist der Schlüssel, um die Konfliktfähigkeit der Kinder zu stärken.

Meine beiden Großen sind gerade vier und zwei Jahre alt. Sie sind ein Herz und eine Seele, aber nicht selten auch zwei ausgewachsene Streithansel. Puh, was kosten mich die Streitereien der beiden oft Nerven! In der Hitze der Gefechte muss ich mir immer wieder selber sagen:

“Misch dich nicht ständig in die Beziehungen deiner Kinder ein!”

Denn das ist, so glaube ich, der Schlüssel, um die Konfliktfähigkeit der Kinder zu stärken und nebenbei meine eigenen Nerven zu schonen.

Wer will schon blöd vor anderen Eltern dastehen?

Wir Erwachsene haben den inneren Drang bei unseren Kindern für Gerechtigkeit und Frieden zu sorgen. Nimmt der kleine Leo der kleinen Sophie das Kuchenförmchen in der Sandkiste weg, dauert es keine zwei Sekunden, bis sich eine der Mütter (oder einer der Väter) zu Wort meldet. „Nichts wegnehmen! Gib das sofort wieder zurück! Du hast doch selber siebzehn Kuchenförmchen mit!“ So sitzen dann die Kleinen in der Sandkiste umringt von ihren Schiedsrichter-Eltern, die bei der kleinsten Kleinigkeit für oder gegen ihre Kinder Partei ergreifen.

Es ist ja verständlich: Wir wollen weder, dass unsere eigenen Kinder andere benachteiligen, noch, dass sie benachteiligt werden. Wir wollen, dass sie lernen zu teilen und liebevoll miteinander umgehen. Vor allem wollen wir nicht blöd vor den anderen Eltern dastehen. Was sollen die anderen denken, wenn ich mein Kind nicht ermahne, weil es mit seinem Bagger durch die Sandburg seines Sandkastenkollegen düst? Es ist schwer, sich zurückzuhalten – das weiß ich aus eigener Erfahrung. Wenn ich es aber schaffe, dann beobachte ich Erstaunliches:

  • Kinder klären ganz viel unter sich! Vielleicht stört es Sophie ja gar nicht, wenn Leo mit ihren Förmchen spielt und sie eine gemeinsame Sandkuchenproduktion starten. Wie oft habe ich schon erlebt, dass ein Konflikt zwischen meinen eigenen Kindern kurz aufflammt – der Klassiker: einer nimmt dem anderen etwas weg – und sie selber in kürzester Zeit eine Lösung finden, mit der beide zufrieden sind.
  • Kinder müssen ihre Konfliktfähigkeit trainieren! Wenn wir uns ständig einmischen, nehmen wir unseren Kindern die Gelegenheit dazu. Die kleinen Rangeleien zwischen Geschwistern, Spielplatz- oder Kindergartenfreunden sind ein gutes Übungsfeld, um zu lernen, wie man verhandelt, wie man eigenes verteidigt oder freigiebig teilt. Und das geht ganz oft ohne Anleitung von Erwachsenen.
  • Kinder gestalten ihr Beziehungsgefüge! Es darf sein, dass beim Spielen mal der eine dominant ist und bestimmt und die andere sich freut, weil da jemand gute Ideen hat und gut durch’s Spielen führt. Meine Aufgabe sehe ich darin, zu beobachten, ob niemand unter die Räder kommt. Wenn ich also sehe, dass der große Bruder seiner Schwester immer jeden Wunsch von den Augen abliest, ermuntere ich ihn, zu überlegen, was er gerne hätte. Prinzipiell will ich mich aber ins Beziehungsgefüge, das die Kinder untereinander instinktiv finden, nicht einmischen.
  • Unser Gerechtigkeitsempfinden ist nicht immer das der Kinder! Wie teilt man zehn Gummibärlis gerecht unter zwei Kindern auf? Wir Eltern glauben, dass es da nur eine richtige Antwort gibt. Was, wenn wir die Kinder entscheiden lassen, wie sie das machen? Vielleicht will ja nicht jeder fünf, sondern eine nur die roten und der andere mag dafür die grünen nicht.

Was bleibt dann für uns Eltern noch zu tun?

  • Gewalt ist nicht erlaubt! Wenn sich die Kinder hauen, treten, zwicken oder schubsen, sage ich ganz klar, dass ich das nicht will. Das gilt auch für verbale Gewalt und böse Schimpfwörter.
  • Wenn die Kinder den Konflikt nicht selber lösen können, versuche ich nicht Partei zu ergreifen. Ich kenne ja die Vorgeschichte nicht. Das, was ich von der Auseinandersetzung mitbekomme, ist nur ein Bruchteil dessen, was wirklich passiert ist – als Schiedsrichterin bin ich somit ungeeignet. Was sich bewährt hat, ist zu fragen: „Was könntet ihr denn machen, damit ihr beide zufrieden seid?“ Manchmal schlage ich etwas vor: „Ihr wollt beide mit der Gitarre spielen… Ihr könntet ja auch das Xylofon dazu holen und euch dann mit den Instrumenten abwechseln.“
  • Abwarten und Tee trinken. Oder anders gesagt: Die Streitenden beobachten und dreimal überlegen, ob man sich wirklich einmischen soll.
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EIN ARTIKEL VON
  • Sandra Lobnig

    Seit ich Kinder habe, ist mein Leben schöner, erfüllter, spannender geworden. Und wahrscheinlich auch anstrengender. Ich bin Theologin und lese und schreibe über Ehe-, Erziehungs- und Glaubensthemen. Mit meinem Ehemann und unseren vier kleinen Kindern lebe ich in Wien.



2 Kommentare
  • Melanie, 21. März 2016, 7:49 Antworten

    Wirklich gut geschriebener und hilfreicher Artikel. Gerne auch bei meinem Artikel verlinkt <3. Liebst Lily von www.monstamoons.at

    • meinefamilie.at, 29. März 2016, 9:37 Antworten

      Toll, vielen Dank für die Verlinkung!

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