7. Mai 2016

Warum Mütter nicht bereuen

Mutter nicht bereuen, Muttertag, Muttersein - meinefamilie.at

Als Gegenstimme zur Debatte über #regrettingmotherhood – über Mütter, die ihr Muttersein bereuen: Mütter erzählen, was trotz aller Anstrengung und Frust ihre Freude am Muttersein erhält.

Seit etwa einem Jahr weiß die (Medien-) Welt von Müttern, die ihr Muttersein bereuen. Die israelische Soziologin Orna Donath hat 2015 mit ihrer Studie über bereuende Mütter einen Tabubruch begangen, wie sie selbst schreibt. 23 Frauen erläutern in Donaths Befragungen, sie würden nicht noch einmal Mutter werden, könnten sie die Zeit zurückdrehen.

Im deutschsprachigen Raum findet die Debatte seither kein Ende. Spätestens mit dem Buch „Die Mutterglück-Lüge“ hat sie die deutsche Reisejournalistin Sarah Fischer vor einigen Wochen aufgewärmt. Die 43-jährige Mutter einer dreijährigen Tochter ist eine der wenigen Mütter, die öffentlich und namentlich zugibt, lieber nicht Mutter geworden zu sein – was jedoch nicht bedeute, dass sie ihr Kind nicht liebe. Das wollen im Übrigen alle bereuenden Mütter bei diesem Thema, das gerne mit dem Hashtag #regrettingmotherhood versehen wird, verstanden wissen: Die Mütter bereuen ihre Mütterrolle, nicht ihre Kinder.

Muttersein mit schönen und schweren Phasen

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Die schönen Momente im Alltag mit Kindern

Sandra, Mutter eines zehn Monate alten Sohnes, kennt Momente, in denen sie lieber nicht Mutter wäre. „Wenn das Kind seit drei Stunden schreit und man nicht weiß, was man machen soll“, zum Beispiel. „Man muss sich stark anpassen und daran gewöhnen, dass man die ganze Zeit jemanden bei sich hat“, erzählt Sandra. Auf der anderen Seite überwiege die Freude an den schönen, kleinen Momenten: „In der Früh, wenn mein Sohn aufwacht und mich mit großen, verschlafenen Augen ansieht. Wenn Papa mit ihm spielt. Ich muss lachen, wenn er seine Schnute zieht.“ Die ersten drei Monate seien schwer gewesen, sagt Sandra, doch sie habe gewusst:

„Es ist eine Phase, es wird besser werden.“

Bereuen ist „nicht fair“

Miriam, Mutter einer einjährigen Tochter, hatte als Kind aus einer Affäre selbst manchmal das Gefühl, nicht erwünscht zu sein. Umso mehr will sie ihrem Kind das Gegenteil zeigen. Sie finde es dem Kind gegenüber nicht fair, das Muttersein zu bereuen: „Das Kind spürt das, allein deswegen würde ich es nicht bereuen.“ So wie sie zu ihrem Partner Ja sagt, sagt sie auch zu ihrem Kind Ja. Die Verantwortung, die Miriam als Mutter für ihr Kind trägt, ist für sie etwas besonders Schönes, man werde regelrecht “angehimmelt, vergöttert.“ Und: „Zu sehen, wie etwas Kleines schnell groß wird.“

Muttersein heißt auch, von den Kindern zu lernen

Für die Schwestern Monika und Alina ist es unvorstellbar, ihre Kinder zu bereuen. „Das Kind ist das schönste Geschenk, das aus einer Beziehung wachsen kann. Als Mutter wächst man als Mensch und man lernt mit dem Kind. Ich kann mir eine Leben ohne Kinder nicht mehr vorstellen“, sagt Monika, Mama vom dreijährigen Elias und der einjährigen Amelie. Sie betont die bedingunglose Liebe, die Kinder schenken, das Lachen in der Früh, die Freude der Kinder, wenn sie ihre Mama sehen. Muttersein sei natürlich auch stressig, ergänzt Alina, Mutter von drei Kindern zwischen sieben Monaten und sechs Jahren. Aber ein „Mama, du bist die Beste“ zu hören und zu fühlen, sei unvergleichbar. Genauso wie das Gefühl, Kindern etwas beibringen zu können, „wenn man Monate später merkt, dass die Bemühungen fruchtbar werden.“

Die Entwicklungen – das erste Krabbeln, das erste Robben, die ersten Schritte – sind für Mütter besonders, bestätigen Michaela und Heideline, die beide vier Monate alte Kinder haben: „Das allererste Lächeln. Wenn du siehst, wie das Kind sich weiterentwickelt.“ Und:

„Das Kind zeigt dir, dass es dich braucht. Dann hast du vergessen, dass du nicht geschlafen hast.“

Kind fasst Vertrauen durch die Mutter

Als Mutter eine positive Haltung dem Kind gegenüber einzunehmen ist entscheidend für die Entwicklung des Kindes, betont auch Papst Franziskus in seinem Schreiben über die Familie: „Die Mutter, die das Kind mit ihrer Zärtlichkeit und ihrem Mitgefühl umfängt, hilft ihm, Vertrauen zu fassen und zu erfahren, dass die Welt ein guter Ort ist, der es willkommen heißt, und das gestattet die Entwicklung eines Selbstwertgefühls, das die Fähigkeit zu Vertrautheit und Einfühlungsvermögen fördert.“ (Aus: „Amoris laetitia“, Nr. 175)

Schon während der Schwangerschaft kann die Mutter mit einer solchen inneren Haltung Gutes für ihr Kind bewirken, erzählt Christine Loidl, Psychologin und Schwangerenberaterin bei der aktion leben im Gespräch mit Andrea Harringer: „Der Mutterleib ist die erste Lebenswelt eines Menschen und der Embryo macht hier seine ersten Erfahrungen.

Wird ein Kind schon vor der Geburt mit seinen individuellen Bedürfnissen und als eigenständige Persönlichkeit wahrgenommen, so ist das die Basis für einen vertrauensvollen Umgang mit den Herausforderungen des Lebens.“

Eine Erkenntnis, die Papst Franziskus als Appell formuliert: „Jede schwangere Frau möchte ich herzlich bitten: Bewahre deine Freude, nichts soll dir die innere Wonne der Mutterschaft nehmen. Dieses Kind verdient deine Freude. Lass nicht zu, dass die Ängste, die Sorgen, die Kommentare der anderen oder die Probleme dieses Glück ersticken, Werkzeug Gottes zu sein, um ein neues Leben zur Welt zu bringen. Beschäftige dich mit dem, was du tun oder bereiten musst, aber ohne dich hineinzusteigern. (Aus: „Amoris laetitia“, Nr. 171)

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EIN ARTIKEL VON
  • Lucia Steindl

    Bevor ich journalistisch tätig wurde, machte ich die Ausbildung zur Kindergarten- und Hortpädagogin, leitete verschiedene Kindergruppen und arbeitete als Medienpädagogin. Nach Abschluss meines Journalismus-Studiums unterstütze ich nun mit Freude die Redaktion von meinefamilie.at.


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