10. März 2017

Warum greifen Kinder auf die Herdplatte?


Kinder sind erlebnisorientiert, Erwachsene sind ergebnisorientiert – so lässt sich zusammenfassen, warum Kinder alles anfassen und ausprobieren wollen, wieder und wieder.

Für Kinder ist alles in dieser Welt neu und unbekannt. Daher ist ihr Forschen, Ausprobieren, Anfassen, Fragen, Entdecken und Erleben all dessen, was rund um sie herum ist, ihr Mittel, um die Welt kennen und verstehen zu lernen.

Ein Löffel, super, damit kann man Suppe essen, das machen Mama und Papa damit. Was passiert allerdings, wenn  ich den Löffel fallen lasse? Oh, er fällt auf den Boden. Immer oder nur dieses eine Mal? Das muss ich wissen. Ok, jedes Mal, wenn ich ihn auslasse, fällt er hinunter. Ist das nur mit dem Löffel oder auch mit anderen Dingen so? Damit ich das weiß, muss ich es ausprobieren und viele Dinge fallen lassen. So, jetzt hab ich es gelernt und weiß es. Alles, was ich fallen lasse, fällt nach unten. Oder doch nicht? Ich lass mal den Luftballon fallen. Wow, der steigt nach oben…

Ausprobieren ist ein Schritt in die Gefahrenzone

Wenn Mama das Essen auf den Herd stellt, ist es kalt, dann dauert es ein paar Minuten und es ist warm. Wow, toll, aber wie macht der Herd das? Da muss ich hingreifen, um das zu erfahren. Oh, zwei kleine Löcher in der Wand und wenn Papa da das weiße Ding, das Stecker heißt, hineinsteckt, dann leuchtet die Lampe.

Leuchte ich auch, wenn ich da meine Finger hineinstecke?

Wenn ich in der Badewanne bin, dann ist mein Körper unter Wasser. Warum ist der Körper meiner Quietschente nicht auch unter Wasser? Dann tauch ich sie halt unter. Hey, warum kommt die Ente immer wieder nach oben? Ich schwimme ja auch nicht auf dem Wasser *grübel*…

Erwachsene haben oft keinen Forschungsdrang mehr

Da wir Erwachsene all das schon in früher Kindheit herausgefunden haben und dann noch dazu gelernt haben, warum es so ist, haben wir keinerlei Bedürfnis mehr danach, es neu zu erforschen. Wir wissen ja schon alles. Die Aktionen unserer Kinder kommen uns manchmal seltsam vor. Wir erklären unseren Kindern, wie es sich mit dem Löffel, dem Herd, der Steckdose und der Quietschente verhält. Das interessiert sie aber kaum, sie wollen es zuerst einmal selbst erleben, selbst entdecken und erst, wenn sie durch Ausprobieren nicht dahinterkommen, dann fragen sie uns, wieso das so ist. Dann erst wollen sie es von uns wissen.

Erwachsene wissen schon fast alles tun daher kaum mehr etwas, um Neues zu erfahren oder zu erleben – das kann ja unangenehm oder gar gefährlich sein. Und vor allem, sie wissen ja schon wie der Hase läuft. Sie tun Dinge hauptsächlich deshalb, damit ein gewünschtes Ergebnis rauskommt. Sie nehmen den Löffel aus der Lade, damit sie Suppe essen können – wozu sonst? Sie stellen den Topf mit Essen auf den Herd, damit das Essen warm wird – wozu sonst? Sie stecken den Stecker in die Steckdose, damit das jeweilige Gerät Strom hat und seinen Zweck erfüllt – wozu sonst? Und kommen natürlich nicht auf die Idee, beim Baden die Quietschente, ok, keine Ente, also die halbvolle Flasche mit Haarshampoo unterzutauchen um zu sehen, ob sie unten bleibt oder den Luftballon loszulassen um dann staunend zu beobachten, dass er nach oben fällt – wozu auch?

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