29. Oktober 2015

Warum das Wochenbett nicht verstaubt ist


Vor einigen Wochen kam unser Sohn zur Welt, und ich bin noch kurze Zeit offiziell „Wöchnerin“. Das ist gut so! Tipps, was mir im Wochenbett geholfen hat.

Ich finde ja, „Wöchnerin“ und „Wochenbett“ klingen ziemlich antiquiert. Für nicht wenige scheint die Idee dahinter – also Bettruhe und Schonung nach einer Geburt – ebenso überholt zu sein. In Internetforen habe ich mehr als einmal gelesen, dass es zwar früher üblich gewesen sei, acht bis zehn Tage nach einer Geburt (im Bett) zu liegen. Heute müsse das aber wirklich nicht sein. Zahlreiche Frauen erzählen, wie sie ein, zwei oder drei Tage nach der Geburt ihrer Kinder frisch-fröhlich den Haushalt wie zuvor schupfen (müssen), neue Kinderzimmermöbel kaufen oder ewig in der Küche stehen, um den Besucheransturm zu verköstigen.

Wochenbett: Liegen bleiben und sich helfen lassen

So verstaubt „Wochenbett“ in meinen Ohren klingt, so sehr bin ich für diese Einrichtung dankbar. Nach den drei Geburten unserer Kinder habe ich immer für einige Tage streng das Bett (oder die Wohnzimmercouch) gehütet, dort mit dem Neugeborenen gekuschelt und mich von meinem Mann verwöhnen lassen. Hebammen betonen ausdrücklich den Wert dieser Zeit, die sich in das Frühwochenbett (bis zum zehnten Tag nach der Geburt) und in das Spätwochenbett (bis 42 Tage nach der Geburt) teilt. Für die psychische und physische Gesundheit der Mutter ist es sehr wichtig, sich diese Zeit zu nehmen. Die Geburtswunden heilen, die Frau kann sich von der anstrengenden Geburt erholen, das Stillen spielt sich ein, Mutter und Baby lernen sich kennen.

Um ehrlich zu sein, mich haben die Geburten unserer Kinder immer sehr geschlaucht. Bewegt habe ich mich in den ersten Tagen danach nur zur Toilette, unter die Dusche und zum Esstisch. Aber selbst Frauen, die sich nach der Geburt fit fühlen, sollten sich schonen.

Meine Hebamme hat es mir immer wieder wie ein Mantra wiederholt: „Bleib liegen und nimm jede Hilfe in Anspruch, die du kriegen kannst!“

Denn wer sich übernimmt, riskiert Unangenehmes wie eine Brustentzündung oder psychische Tiefs, weil das emotionale Gleichgewicht durch Schwangerschaft, Geburt und die Umstellung durch das Baby ohnehin gestört ist.

Das hat mir im Wochenbett geholfen

  • Mein Mann konnte sich zum Glück nach jeder Geburt drei Wochen frei nehmen. In dieser Zeit war er für den Haushalt, die Geschwisterkinder und meine Betreuung zuständig. Mich hat das sehr entlastet und alle Familienmitglieder hatten die Möglichkeit, sich aufeinander und den Familienzuwachs einzustellen. Wir haben dafür auf einen längeren Urlaub im Sommer verzichtet und die Urlaubstage meines Mannes für diese Zeit gespart.
  • Es hat sich bewährt, schon während der Schwangerschaft zu überlegen, wer kocht, was gegessen wird, welche Hausarbeiten anfallen werden. Vorkochen (vor der Geburt) und einfrieren lohnen sich auf jeden Fall, Freunde und Verwandte bieten häufig an, Essen zu bringen. Der Haushalt leidet meist, wenn ein Baby geboren wird. Klare Absprachen mit dem Partner helfen hier, Konflikte zu vermeiden.
  • Besuche im Wochenbett sind schön, schließlich tut es gut, wenn sich auch andere über das Baby freuen. Trotzdem: Besuche bedeuten immer auch Stress und Arbeit. Man muss ja nicht alle Verwandten und Freunde in der ersten Woche einladen. Wenn sich die Gäste ihren Kuchen selbst mitbringen, umso besser! Falls nicht, reicht auch gekaufte Mehlspeise.
  • Es empfiehlt sich, für die ersten acht bis zehn Tage den Großteil des Tages liegend zu verbringen, danach kommt man Schritt für Schritt in den Familienalltag rein. Mein Rat: Es langsam angehen und nicht vergessen, dass man einige Wochen immer noch „Wöchnerin“ ist. Man muss nicht sofort wieder tadellos „funktionieren“, vieles im Haushalt darf liegen bleiben, so manche Aktivität kann man guten Gewissens noch verschieben.
  • Die erste Zeit mit dem Neugeborenen ist eine besondere Zeit. Sie kann aber auch besonders anstrengend und schwierig sein. Die kuschelige Atmosphäre und romantische Mutter-Vater-Kind-Dreisamkeit können erheblich gestört sein, wenn das Baby viel schreit, die Geburtsverletzungen schmerzen und das Nervenkostüm durch die hormonelle Umstellung sowieso dünn ist. Spannungen in der Partnerschaft kommen vielleicht auch dazu. Mir hat es geholfen, genau das zu akzeptieren und mich von meinen eigenen Vorstellungen zu verabschieden, wenn’s mal anders als erwartet gelaufen ist. So ein Baby kann einfach alles umwälzen, das funktioniert nicht immer reibungslos. Ganz wichtig für mich: immer mit dem Partner (oder mit anderen vertrauten Menschen) reden!

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EIN ARTIKEL VON
  • Sandra Lobnig

    Seit ich Kinder habe, ist mein Leben schöner, erfüllter, spannender geworden. Und wahrscheinlich auch anstrengender. Ich bin Theologin und lese und schreibe über Ehe-, Erziehungs- und Glaubensthemen. Mit meinem Ehemann und unseren vier kleinen Kindern lebe ich in Wien.


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