5. Februar 2017

Die Vorstellungen vom Wunschkind loslassen


In der Erziehung stressen uns unsere eigenen Wünsche und Vorstellungen. Wie vieles leichter wurde, als ich das durchschaut und meine Wunschvorstellungen losgelassen habe.

Schon in der Kindheit oder Jugend denken wir manchmal „Das mache ich bei meinen Kindern sicher nicht“ oder „genauso werde ich es auch bei meinen Kindern machen“. Sobald wir uns Kinder wünschen bzw. spätestens wenn wir erfahren, dass wir Eltern werden, beginnen wir uns Gedanken zu machen. Viele Wünsche, Vorstellungen, Erwartungen und Hoffnungen tauchen auf. Wir denken daran und malen uns Bilder aus, wie es sein wird, wenn wir mal Kinder haben, wie die Kinder sein werden, wie sie sein sollen, wie wir als Eltern sein werden, wie wir sein müssen oder sollen, damit wir „gute Eltern“ sind, usw.

Vorstellung vom Wunschkind loslassen - meinefamilie.atWie ich es mir vorgestellt habe

Ich hatte, ausgehend von meinem Eltern-Programm ganz klare Vorstellungen von meinem Wunsch-Kind (Achtung: doppeldeutig!) und von mir als Mutter. Kurz gesagt, ich bekomme ein ganz „braves und süßes“ Mädchen (so wie ich eines war) und mache als Mutter alles ganz genau so wie es meine Mutter gemacht hat. Das wird ganz fein und einfach. Ich hatte mir ja auch schon den „passenden“ Vater dazu ausgesucht und geheiratet – der natürlich nicht so wie mein Vater nichts mit einem Kind anfangen kann und meistens abwesend ist, sondern unsere Tochter innig liebt und sich sicher sehr viel mit ihr beschäftigt. Ach ja, ich brauche natürlich mein Leben kaum ändern, ich kann weiter arbeiten und meinen Hobbys nachgehen. Das haben ja meine Eltern auch gemacht und es hat wunderbar geklappt. Sind ja vier Großeltern da, die auf mein Kind aufpassen können.

Wenn vieles anders kommt

Tja – und dann….machte es gewaltig „rumms“. Meine kleine Lisa war ein Junge. Lisa nannte ich mein Baby solange es bei mir im Bauch war, ich war ja felsenfest davon überzeugt, dass es ein Mädchen ist und durch die Steißlage war das Geschlecht auch nicht zu erkennen. Autsch! Gar nicht gut.

Na gut, ok, dann wird’s halt ein braver Junge…

Und kurz später machte es wieder „rumms“ und das fast täglich, denn von meiner Vorstellung von „brav und einfach“ war er so weit entfernt wie die Erde vom Pluto. Schreiattacken, kaum Schlaf, Krankheiten, wildes Gebärden, keine Minute Ruhe. Meine „heile (Wunsch-)Welt“ ist komplett zusammengebrochen. Alles war völlig anders als ich mir das ausgemalt hatte – inklusive mir selbst als Mutter. Denn mit meinem „Mutter-Programm“ war ich komplett aufgeschmissen. Ich versuchte es trotzdem eine Zeit lang durchzuziehen, allerdings war tägliches Scheitern vorprogrammiert.

Stress in Leichtigkeit wandeln

Und nun stand ich da, war heillos überfordert, völlig hilflos und der kleine Mann war mit drei Jahren der Chef im Haus. Na bravo, blöd gelaufen. Gott sei Dank habe ich mir damals professionelle Hilfe gesucht und durfte lernen, meine unbewussten Programme, Wünsche und Vorstellungen zu durchschauen, was meinen Stress in Entspannung und Leichtigkeit wandelte und schlussendlich wurde es doch noch ganz fein und einfach ;).

Heute, 20 Jahre später, weiß ich, dass ich mir – und vor allem unserem Sohn – viel ersparen hätte können, wenn ich vorher schon darüber Bescheid gewusst hätte, wie mein „Eltern-Programm“ aussieht und was meine Vorstellungen, Wünsche und Erwartungen anrichten können, so sie nicht bewusst sind und sich damit einer permanenten Überprüfung auf „Alltagstauglichkeit“ und Abänderung in Bezug auf das Wesen meines Kindes entziehen.

Kommende Termine

Autorin Margit Dechel bietet Schnupper-Workshops in ihrem Beratungszentrum „Bewusste Eltern“ an:

  • War dieser Artikel für dich hilfreich/interessant?
  • Ja   Nein


EIN ARTIKEL VON

Jetzt kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

meinefamilie.at