16. April 2015

Vorlesen, einfach weil es schön ist


Vorlesen, nicht aus pädagogischen Gründen, sondern einfach weil es schön ist für Eltern und Kinder. Und trotzdem haben die Kinder viele Vorteile davon.

Es gibt, allen Unkenrufen zum Trotz, immer noch Kinder, die gerne lesen. Und die anderen, die kein Buch zur Hand nehmen, wie bringt man sie dazu?

Lesen lernen ist ein komplizierter Prozess, bei dem es darum geht, aus Zeichen Bedeutung entstehen zu lassen. Das ist anfangs mühsam, denn dabei ist jedes Kind mit sich allein. Diese Anstrengung wird nur bereitwillig auf sich nehmen, wer weiß, dass er am Ende belohnt wird – nicht mit „Kompetenz“ sondern mit Geschichten.

Leicht lesen lernen durch Vorlesen

Deshalb lernen die Kinder am leichtesten lesen, wenn sie schon zu Hause (lange vor der ersten Klasse) mit Büchern in Berührung gekommen sind und erlebt haben, wie viel Freude, Spannung und Trost diese bereithalten. Solche Erfahrungen macht, glaube ich, nur derjenige, dem früh und regelmäßig vorgelesen wird.

„Bertil stand am Fenster und guckte hinaus. Neblig, kalt und unfreundlich sah es auf der Straße aus. Bertil wartete auf Mama und Papa. Er wartete so schrecklich, dass sie eigentlich schon an der Straßenlaterne hätten auftauchen müssen, nur weil er so wartete. Aber natürlich konnte keiner von beiden kommen, bevor in der Fabrik Feierabend war.“ So traurig und sehnsüchtig beginnt Astrid Lindgrens Geschichte von „Nils Karlsson Däumling“ aus dem Jahre 1949.

Einige Male habe ich meinen Kindern dieses Buch vorgelesen – so lange, bis ihnen die Augen zufielen (oder mir).

Papa muss vorlesen

„Papa, bitte lies uns eine Gutenachtgeschichte vor.“ Der Satz klingt so anheimelnd wie vertraut, und zugleich ist er das Signal für ein allabendlich stattfindendes familiäres Ritual: Der Tag ist zu Ende, die Nacht beginnt. Schlaft ruhig und träumt schön. Vielleicht von Königen und Prinzessinnen, von hilfsbereiten Zwergen und sprechenden Vogelscheuchen, von Zauberern und Katzen mit Brillen.

Hunderte Stunden unseres Lebens haben meine Frau und ich damit zugebracht, unseren Kindern vorzulesen. Niemals aus pädagogischen Überlegungen, sondern einfach, weil es schön ist. Für meine Kleinste werde ich es hoffentlich eine Zeit noch tun. Denn die Stunde im Bett, in der sich Sophie wohlig an mich kuschelt, will ich noch lange genießen. Und jene wunderbaren Kinderbücher, die den Glanz verbreiten, der das Elend der Welt verschwinden lässt.

Tipps:

  • Vorlesen ist nicht nur für Kinder schön, sondern auch für Eltern.
  • Kinder lieben Bücher, die Hoffnung und Optimismus ausstrahlen.
  • Grimms Märchen sind ein unverzichtbarer Klassiker. Auch Mark Twains „Tom Sawyer und Huckleburry Finn“, Erich Kästners Kinderromane sowie „Der kleine Lord“ sind zeitlos. Und natürlich Astrid Lindgrens Geschichten.
  • Die Atmosphäre, in der ihrem Kind vorgelesen wird, muss wirklich ruhig und entspannt sein.
  • Kinder, denen regelmäßig vorgelesen wird, entwickeln nicht nur ein Interesse für Geschichten, sondern lernen schon früh zuzuhören – eine Fähigkeit, die in der Schule ganz wichtig ist.

Wie empfehlen auch: Den Kindern Spaß an Büchern vermitteln

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EIN ARTIKEL VON
  • Gottfried Hofmann-Wellenhof

    Mit meiner Frau habe ich fünf Söhne, drei Töchter und einen Adoptivsohn aus Kamerun. Die Erfahrungen mit meiner Großfamilie teile ich in Kolumnen und Büchern. Meine Hobbys: Hometrainer, Fußballmatches meiner Söhne, Kochen und Lesen.


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