12. März 2015

Vom Schnuller Abschied nehmen


Tatsache ist: Ohne Geduld und Durchhaltevermögen – und zwar einer ganzen Menge davon – geht beim Unterfangen Schnuller-Entwöhnung rein gar nichts.

Nicht ohne meinen Schnuller!

Es ist doch so: Das mit dem Schnuller ist eine komplizierte Geschichte. Wenn die kleinen Mäuschen wirklich ganz kleine Mäuschen sind, dann ist er in vielen Situationen einfach unschlagbar praktisch. Er beruhigt, tröstet, verhindert, dass das eine oder andere Unpassende in den Mund gesteckt wird und hilft – last but not least – gar so gut beim Einschlafen. Aber aus den wirklich ganz kleinen Mäuschen, werden größere und irgendwann wird den Eltern entweder von selbst bewusst, dass das dauernde Nuckeln an dem Plastikding nicht ideal ist…oder der Zahnarzt macht es ihnen unmissverständlich klar.

Wie auch immer, was irgendwann unter’m Strich bleibt ist: Der Schnuller muss weg! Und da gibt es, so haben meine “Feldstudien” ergeben, zwei Wege: kurz und schmerzvoll – oder lang und schmerzvoll.

Denn eines ist klar: die Kinder, die ihren Schnuller schnell mal von selbst weglegen, weil sie ihn nicht mehr wollen, die gibt es sehr selten. Meistens sind sie den bunten Plastikdingern in großer Liebe zugetan und sie wegzugeben steht auf ihrer To-Do-Liste wirklich ganz unten.

Nicht von heute auf morgen

Die meisten Kinder tun sich leichter, wenn sie ihren Schnuller nicht von einem Tag auf den anderen hergeben müssen. Schnullerzeiten also zunächst einmal versuchen zu reduzieren – das Kind bekommt den Schnuller etwa nur beim Einschlafen. Vielleicht kannst du ja in dieser Zeit deinem Kind auch immer sein Lieblingsstofftier oder ein spezielles Schmusetuch ganz bewusst zum Einschlafen dazugeben. Dann gehört zum Beispiel der Schnuller UND das Kuscheltier zum Einschlafen. Allerdings, nur keine Illusionen: Wenn der Schnuller eines Tages dann tatsächlich auch beim Einschlafen weggelassen werden soll, wird es trotzdem nicht einfach für das Kind. Aber: es hat vielleicht etwas Gewohntes, an dem es sich doch “anhalten” kann.

Der richtige Zeitpunkt

Wer schon einmal einem Kind den Schnuller abgewöhnt hat und wochenlang Tränen getrocknet und Wutanfällen gekontert hat, wird vielleicht im ersten Moment sagen, dass es “den richtigen Zeitpunkt” nicht gibt. Wenn mit dem “richtigen Zeitpunkt” jener gemeint ist, in dem das Kind freiwillig, lächelnd und ohne Problem den Schnuller ablegt, dann stimme ich zu. Allerdings gibt es bestimmt Zeiten, in denen es leichter fällt, sich zu trennen und Zeiten, in denen das schwerer ist. Wenn sich etwa gerade etwas verändert: das Kind ein Geschwisterchen bekommt, man gerade in eine neue Wohnung zieht, das Kind den Kindergarten wechselt o.ä. ist es sicherlich kein geeigneter Zeitpunkt. Besser wird es garantiert funktionieren, wenn es ganz viel Ablenkung gibt und eine Extraportion Mama und Papa vielleicht sogar obendrein, im Urlaub etwa oder wenn mal ein paar Feiertage anstehen.

Da ist er gut aufgehoben

Manche Kinder tun sich leichter, wenn sie ihren heißgeliebten Schnuller jemandem schenken können, bei dem sie ihn gut aufgehoben meinen. Ich kenne Kinder, die ihren Schnuller dem Nikolo geschenkt oder der Tante in Amerika geschickt haben, damit der Schnuller – fast wie ein alter Freund – einmal “etwas Neues” erleben konnte. Ganz besonders liebe Tanten schicken dann dem Kind immer wieder Postkarten und erzählen, was der Schnuller in der vergangenen Zeit alles gemacht hat.

Die Schnullerfee

Ein echter Knüller, aber nicht jeder-Elterns-Sache, ist die “Schnullerfee”. Sie liebt, so die Legende, Schnuller über alles und sammelt sie mit großer Leidenschaft. Sie versteht dadurch auch gut, dass das Kind den heißgeliebten Schnuller nicht “einfach so” hergeben kann und dass der Schnuller ein Geschenk des Kindes an sie ist. Deshalb lässt sie im Gegenzug auch ein Geschenk für das Kind da. Eine Hand wäscht da sozusagen die andere und das entspricht auch genau dem meist ausgeprägten Gerechtigkeitssinn der Kleinen. Mein Sohn etwa hat seinen Schnuller gegen einen Giganotosaurus getauscht!

Und irgendwann ist er dann weg

Tatsache ist in jedem Fall: Ohne Geduld und Durchhaltevermögen – und zwar einer ganzen Menge davon – geht beim Unterfangen Schnuller-Entwöhnung rein gar nichts. Ich weiß von Familien, bei denen sich die Schnuller-Entwöhnung über Monate bis hin zu einem Jahr hingezogen hat.

ABER: Egal, wie lange es gedauert hat, irgendwann war er immer weg – ganz egal ob er dem Nikolo geschenkt, der Schnullerfee überantwortet oder im Garten vergraben wurde: Er war weg! Auf Nimmerwiedersehen! Viel Glück!

Auch interessant: Schlaflose Nächte – Teil des Elterndaseins

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EIN ARTIKEL VON
  • Andrea Harringer

    „Meine Mami schreibt das auf, was ihr andere Leute erzählen.“ Das sagte mein Sohn, als man ihn fragte, was seine Mama beruflich mache. Seit 2001 bin ich Redakteurin in der Erzdiözese Wien, schreibe für den „Sonntag“ und versuche, Themen wie Familie, Kinder und Erziehung auch aus einem christlichen Blickwinkel zu beleuchten.


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