12. Mai 2018

Verreisen mit Kindern – der Urlaub ändert sich

urlaub mit der familie - meinefamilie.at

Mit dem Sommer kommen auch wieder die Herausforderungen. Die Bikini- oder Badhosenfigur ist dabei nur die kleinste von diesen. Herausfordernder ist da schon das Verreisen mit kleinen Kindern.

Früher war alles leichter. Man packte manchmal nur das Notwendigste ein. Wenn man etwas vergaß, war es nicht allzu schlimm. Alles ließ sich vor Ort gegebenenfalls kaufen. Schlimmer war es da schon, als die Kinder noch kleiner waren, wenn man die Windeln zuhause vergessen hatte. Da konnte es dann womöglich zu absoluten Ausnahmesituationen kommen und die Improvisationskunst der Eltern auf eine harte Probe gestellt werden.

Anstelle des groben Plans, was man denn in einer etwa einwöchigen Reise benötigen könnte, tritt abrupt der detaillierte Plan. Selbst unorganisierte Eltern beginnen plötzlich, spätestens nach ersten schlechten Erfahrungen mit der eigenen Planlosigkeit, minutiös genau zu planen. Was könnte benötigt werden, was darf man auf keinen Fall vergessen und was wäre bei einem Vergessen eine regelrechte Katastrophe?

Der grobe Plan weicht dem detaillierten Plan

Anhand dieser bereits in den ersten Monaten der Elternschaft etablierten Abstufungen werden dann zumeist Listen erstellt. Bald gibt es Listen für (fast) alles. Selbst der größenwahnsinnigste Vater und die größenwahnsinnigste Mutter muss nämlich bald einsehen, dass die Vater- und Mutterschaft die eigenen geistigen und emotionalen Kapazitäten oftmals übersteigt. Ohne Hilfsmittel wie Listen, gute Tipps von den eigenen Eltern oder ähnliches kommt man nicht weit.

Ist dann, mit besagten Hilfsmitteln alles gepackt und die Abfahrt steht kurz bevor, macht sich bemerkbar, dass die Leichtigkeit nicht nur auf der symbolischen, sondern auf der ganz handfesten Ebene verloren gegangen ist. Reichten früher oftmals Rucksack und ein gemeinsamer Koffer, schleppt man sich jetzt fast zu Tode. Ohne bis zu fünf Koffern vollgefüllt mit Dinge, die man unbedingt als Familie braucht kommt man zumeist nicht aus dem Haus.

Unterwegs ohne (ausreichenden) Plan

Auch die Fahrt, wenn mit dem Auto durchgeführt, verändert sich. Früher fuhr man durch, jetzt sind mehre Halte obligatorisch. Ein Kind muss aufs Klo, das andere hat Durst. Denn trotz der besten Planung hat man es wieder einmal vergessen eine Wasserflasche mitzunehmen bzw. so im Auto zu platzieren, dass man nicht den Kofferraum öffnen muss und sich durch zahllose Taschen und Koffer wühlen muss.

Auch die Abendgestaltung verändert sich, vor allem dann, wenn man „nur“ als Familie unterwegs ist und nicht in Gruppen reist. Während es in Gruppen und mit guten Freunden noch prinzipiell denkbar wäre, dass die Kinder zusammen in einem Raum schlafen und man selbst gemütlich auf der Terrasse noch ein paar Drinks nehmen könnte verunmöglicht sich das, wenn die örtlichen Gegebenheiten vor Ort nicht da sind und man, wie könnte es anders sein, das Babyphon vergessen wurde.

Veränderte Pläne

Dann heißt es früh schlafen gehen und Licht aus. Denn es kommt nur allzu oft vor, dass das Bett der Kinder im Zimmer des Elternbettes steht. Was schön ist, denn so hat man den eigenen Nachwuchs immer im Auge. Aber manchmal kann das eben auch zu viel der Nähe sein.

Und damit habe ich noch gar nicht davon gesprochen, dass Museumsbesuche, ansonsten an der Tagesordnung, mit Kindern in einem gewissen Altern ein wenig, sagen wir es mal so, schwierig sind. Außerdem kam noch nicht die Rede darauf, dass das Essen gehen in gewissen Lokalen mit kleinen Kindern einem Spießrutenlauf gleicht und einem die Blicke der verärgerten Genießer um einen herum sicher sind.

Trotz allem…

Verreisen mit Kindern ist großartig. Man wächst über sich hinaus. Sieht die Reise-Welt mit anderen Augen. Setzt andere Prioritäten. Niemals würde ich das missen wollen. Die Blicke der Kinderlosen lernt man zu ignorieren. Man lernt, dass nicht immer nur die eigenen Bedürfnisse im Mittelpunkt stehen. Und dass es herrlich ist, in glückliche Kindergesichter zu sehen, wenn sie auf Reisen die Welt für sich überhaupt erst entdecken.



EIN ARTIKEL VON
  • Markus Stegmayr

    Als freier Journalist, Blogger und Hobby-Gastrosoph besteht mein Berufsalltag hauptsächlich aus lesen, schreiben, hören und essen. Mein Familienalltag bringt diesen Rahmen aber oft gehörig aus der Fassung. Genau darüber lohnt es sich aber wiederum zu schreiben!


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