30. April 2015

Verlieren lernen die Kinder früh genug


Im Fußball kann ich gegen meine Söhne nicht gewinnen. Zu früheren Zeiten verlor ich absichtlich – gegen den Rat, dass Kinder verlieren lernen müssten.

Spielspaß geht vor – verlieren lernen muss nicht sein

Im Fußball kann ich gegen keinen meiner Söhne mehr gewinnen. Meine letzten Erfolge liegen weit zurück, aber leicht war es gegen meinen 4-jährigen Sohn auch nicht. Ich zog ihm seine winzigen Schienbeinschützer an, dann seine Kickschuhe Größe 26 (er war für sein Alter sehr zierlich), dann sein Lieblingsdress, das Italien-Trikot von Totti mit der Nummer 10.

Sie sehen schon, er nahm die Partie gegen seinen Vater sehr ernst. Ich hingegen sah die Sache lockerer, trat oft in meinen lammfellgefütterten Hauspatschen an. Was zur Folge hatte, dass meine Schüsse nicht wirklich platziert ausfielen und kurze Sprints oft mühsam waren. Ein Spiel ging bis zehn Tore, offiziell. Aber es dauerte immer länger, weil zwei Tore Unterschied sein mussten. Meistens gewann Jakob dann in einer Art Marathonnachspiel 26:24.

Kinder wünschen sich faires Spielen

Nun geben die nackten Zahlen keineswegs die Dramatik des Spielverlaufs wieder. Meine Rolle im Match der Generationen war ungleich schwieriger als die meines kleinen Sohnes: Ich musste so spielen, dass ich am Ende verliere – allerdings erst nach hartem Kampf. Wenn ich einmal ein Spiel bereits mit 8:10 verlieren wollte, weil ich nur wenig Zeit hatte und einen lockeren Schuss (allzu offensichtlich) durchließ, ermahnte mich Jakob: „Papa, spiel ordentlich!“ Er ließ dann gerne einen harmlosen Ball von mir ins Netz kollern, um mir zu beweisen: Auf deine Geschenke bin ich nicht angewiesen!

Manchmal zweifelte ich daran, ob es pädagogisch sinnvoll war, meinen kleinen Sohn stets gewinnen zu lassen. Ich musste an Manfred, meinen alten Freund, denken, der mir einmal glaubhaft versichert hatte, er habe seine Kinder niemals gewinnen lassen, nicht einmal bei „Schwarzer Peter“. Schließlich gebe es, wenn sie einmal groß seien, auch keine Geschenke mehr, sagte er.

Die harte Wirklichkeit kommt sowieso

Da hat mein Freund schon recht, andererseits glaubte ich, dass mein kleiner Jakob früh genug mit der harten Wirklichkeit konfrontiert werden würde. Also ließ ich ihn gewinnen. Meistens. Hin und wieder siegte ich. Knapp, aber verdient. Die Folgen waren vorhersehbar: Jakob warf sich zu Boden, trommelte mit seinen kleinen Fäusten auf den Kunstrasen und brüllte: „Immer gewinnst du, immer duuu!!!“

Nach solchen Anfällen kam nicht selten meine Frau Astrid in den Garten, um ihn zu trösten. Und mich zu tadeln: „Musst wirklich immer du gewinnen?“ Dabei rollte sie furchtbar wild ihre Augen. Aber ich glaube, sie meinte es nicht ganz so ernst.

Tipps:

  • Gewinnen und verlieren ist für Kinder ein heikler Punkt. Wählen Sie deshalb von Zeit zu Zeit Spiele, bei denen es keinen Sieger gibt, sondern die Spieler gemeinsam ein Ziel erreichen müssen.
  • Wenn Sie wollen, dass Ihr Kind gewinnt, ohne dass Sie schlechter spielen müssen, spielen Sie Memory. Darin sind schon ganz Kleine ihren Eltern haushoch überlegen.
  • Heikle Klassiker wie „Mensch ärgere dich nicht“ können zu kleinen Tragödien führen, wenn ältere Geschwister mit unverhohlener Freude den Spielstein der Kleinen schlagen. Erklären Sie im Vorfeld den Größeren, dass auch auf sie früher Rücksicht genommen wurde und es wehtut, wenn ein Stein knapp vor dem Ziel geschlagen wird.
  • Kinder wollen auch beim Spielen unbedingt ernst genommen werden und durchschauen sehr schnell, wenn es allzu offensichtlich nicht mit rechten Dingen zugeht.

Passend zum Thema: Verlieren ist schwer – und kann leichter sein



EIN ARTIKEL VON
  • Gottfried Hofmann-Wellenhof

    Mit meiner Frau habe ich fünf Söhne, drei Töchter und einen Adoptivsohn aus Kamerun. Die Erfahrungen mit meiner Großfamilie teile ich in Kolumnen und Büchern. Meine Hobbys: Hometrainer, Fußballmatches meiner Söhne, Kochen und Lesen.


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