16. März 2016

Urvertrauen – Erziehung in Sicherheit

Urvertrauen - meinefamilie.at

In ihren ersten Lebensmonaten entwickeln Kinder das sogenannte Urvertrauen, wenn sie sich auf einzelne Bezugspersonen ganz verlassen können. Anregungen zum Nachdenken, was das für Eltern bedeuten kann.

Das, was kleine Kinder in den ersten drei Lebensjahren, aber auch später noch als wichtige Grundlage brauchen, ist Sicherheit.

Sicherheit kombiniert mit Liebe schafft Geborgenheit. Diese Geborgenheit ermöglicht das Wachsen von Urvertrauen.

Im Online-Lexikon für Psychologie und Pädagogik habe ich diesen Eintrag darüber gefunden:

„Unter Urvertrauen versteht man in der Psychologie jene innere emotionale Sicherheit, die ein Kind in den ersten Lebensmonaten entwickelt, d. h., das Kind entwickelt das positive Grundgefühl, dass es Menschen vertrauen kann, dass diese ihm wohlgesonnen und verlässlich sind. Das Urvertrauen entsteht also im Wesentlichen aus der positiven Erfahrung, dass zwischen der Welt und den persönlichen Bedürfnissen Übereinstimmung herrscht. In dieser Phase entsteht eine Grundhaltung, die sich durch das ganze weitere Leben zieht.“

Urvertrauen ist nicht selbstverständlich

Urvertrauen ist somit nichts Selbstverständliches. Es kommt nicht von selbst und nicht jeder Mensch hat es automatisch. Es wird durch tägliche liebevolle Zuwendung einer oder mehrerer Bezugspersonen gebildet und gefestigt. Dabei geht es nicht in erster Linie darum, dass das ausschließlich die leibliche Mutter oder der Vater des Kindes sind. Auch eine Großmutter oder ein Adoptivvater kann eine solche Bezugsperson des Kindes sein. Wichtig dabei ist, dass diese Person einfach „da“ ist – und zwar die meiste Zeit. Ein Kind, das in jungen Jahren von zu vielen unterschiedlichen Personen betreut wird, entwickelt Unsicherheit, die sich bis zu einem „Grund-Misstrauen“ steigern kann. Das sind Symptome von mangelndem Urvertrauen.

Ich weiß, die Entwicklung unserer Zeit geht eindeutig in die Richtung, die uns Länder wie Frankreich (wo ich als Au-pair tätig war) vorgeben: Die Kinder sollen immer früher in Fremdbetreuung kommen, damit beide Eltern möglichst Vollzeit arbeiten gehen können. Bereits kleine Krabbelkinder kommen stundenweise oder mehrere Vormittage die Woche in eine Krabbelstube und das „normale“ Kindergartenalter wird auf 2,5 Jahre gesenkt. Diese Entwicklung macht mich nachdenklich.

Fremdbetreuung ist oft notwendig

Ich möchte mich nicht grundsätzlich gegen solche Möglichkeiten aussprechen, denn manchmal erfordert es die Situation einfach, auf Fremdbetreuung auszuweichen. Aber dies als die zukünftige „Norm“ zu sehen, fällt mir schwer.

Dabei kann ich manches durchaus gut verstehen. Ich bin selbst nach drei Jahren Karenzzeit wieder voll arbeiten gegangen, als unser zweiter Sohn erst ein Jahr alt war. Einfach, weil mir die „Decke auf den Kopf“ gefallen ist.

Wir wählten damals die Möglichkeit, dass mein Mann in Karenz ging und somit als Bezugsperson die meiste Zeit bei den Kindern war.

Einfach da sein und Urvertrauen stärken

Ich möchte jetzt wirklich nicht mit dem moralischen Zeigefinger wackeln, sondern einfach zum Nachdenken anregen. Urvertrauen ist eines der wertvollsten Dinge, das wir unseren Kindern mitgeben können. Dazu braucht es eigentlich nicht viel – nur den „Luxus“, DA zu sein. „Ich bin da“ – diese drei Worte haben eine beruhigende Wirkung.

Vielleicht hat genau deshalb der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs den Namen „Jahwe“ gewählt – das bedeutet, „der, der da ist“ oder aber auch „Ich bin da“.

Gott weiß um unser Bedürfnis nach Sicherheit und Geborgenheit. Er weiß, dass wir seine Nähe brauchen. In der Bibel finden wir viele Vergleiche, wo Gott sich als Vater, als Mutter, als Hirte, ja sogar als „Glucke“ bezeichnet. Im Schatten und Schutz seiner Flügel dürfen wir uns bergen. Das Wort „Glucke“ wird heutzutage oft ironisch für Mütter verwendet, die ihre Kinder überbehüten. Klar kann man alles übertreiben. Kinder brauchen natürlich mit wachsendem Alter mehr Autonomie und Freiheit. Doch in der allerersten Lebensphase wird durch eben dieses Behüten die Grundlage dazu geschaffen, dass sie später einmal als selbstsichere und verantwortungsbewusste Menschen im Leben stehen.



EIN ARTIKEL VON
  • Maria Lang

    Ich lebe mit meiner Familie in Wieselburg. In meiner Jugend bereiste ich die halbe Welt und war nach meiner Ausbildung sozial in Indien tätig. Nun unterrichte ich mit meinem Mann unsere vier Kinder zuhause und bin Autorin und Kulturvermittlerin im Stift Melk.


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