22. Juli 2015

Urlaub mit Kindern: Besser keine Entspannung erwarten


So sehr ich mich auch auf den Urlaub mit Kindern freue, erholen kann man sich dabei wirklich nicht. Aber wenn man das weiß, wird der Urlaub schön.

Ich weiß nicht, ob meine Mutter damals den Satz ernst gemeint hat, als ich mich, meine acht Kinder auf ihren Sitzen festgeschnallt, den Bus bis zur Belastungsgrenze (und darüber hinaus) beladen in den Urlaub verabschiedet habe: „Und erholt euch recht gut!“ Mein Lächeln war eher sauer als milde.

So sehr ich mich auch jedes Jahr auf die Ferienzeit freue, erholen kann man sich im Urlaub mit Kindern, von denen sich nur wenige leidlich über Wasser halten können, in der hellen Sonne an südlichen Stränden nun wirklich nicht. Aber wenn man das weiß, wird der Urlaub schön.

Meine Tipps für den Urlaub mit Kindern

Ohne ein paar Tricks allerdings geht es nicht. Ich zum Beispiel nehme keine Bücher mehr mit. Seitdem muss ich mich nicht mehr darüber ärgern, dass ich nicht zum Lesen komme.

Seit dem letzten Sommer verzichte ich auch nicht ungern auf meinen Tennisschläger. Der Versuch, mit meinem Zeltnachbarn, einem durchtrainierten Mittvierziger aus Hamburg, eine Stunde Tennis zu spielen, scheiterte an der Unkenntnis meiner beiden Jüngsten, das Regelwerk betreffend. Als Ballbuben liefen sie wie um ihr Leben, denn jeder wollte möglichst oft dem Papa einen Ball zuwerfen.

Überflüssig zu erwähnen, dass kleine Raufhändel nicht ausblieben. Während mein Partner anfangs noch erheitert schien, versteinerte sich seine Miene im Verlauf des Spieles zusehends. Fluchtartig verließ er am Ende den Platz, auf dem ich mich für den Rest des Urlaubs nicht mehr blicken ließ.

Endlich habe ich nun uneingeschränkt Zeit für meine Kinder. Ich blase Schwimmflügerln, Wasserbälle und Luftmatratzen auf, baue Sandburgen, spiele Fuß-, Volley- und Federball, schleppe Pizzen, Säfte und Gelati an den Strand und bin vor allem – in Permanenz – Bademeister, der mit Argusaugen darüber wacht, dass seine Kinder immer das rettende Ufer erreichen.

Da nahezu alle diese Tätigkeiten im Stehen leichter auszuführen sind als im Sitzen, weiß ich heute schon, worauf ich im nächsten Urlaub mit Kindern verzichten kann: auf meinen Liegestuhl!

Tipps:

  • Ihre Kinder sind nur wenige Jahre lang rund um die Uhr betreuungsbedürftig.
  • Halten Sie sich vor Augen, wie bald schon kein Kind mehr mitfahren wird wollen.
  • In den Urlaubstagen können Sie die Gelegenheit nutzen, so ausgiebig mit Ihren Kindern zusammen zu sein, wie Sie es sich vielleicht über das ganze Jahr hin vornehmen. Genießen Sie diese Tage!
  • Wenn irgendwie möglich: Geben Sie Ihre Kinder für eine Woche im Jahr in vertrauenswürdige Hände und gönnen Sie sich wirklich unbeschwerte Tage mit Ihrem Partner/Ihrer Partnerin – mit vielen Büchern, einsamen Spaziergängen, romantischen Dinnern (und jeder Menge Telefonaten nach Hause)!

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EIN ARTIKEL VON
  • Gottfried Hofmann-Wellenhof

    Mit meiner Frau habe ich fünf Söhne, drei Töchter und einen Adoptivsohn aus Kamerun. Die Erfahrungen mit meiner Großfamilie teile ich in Kolumnen und Büchern. Meine Hobbys: Hometrainer, Fußballmatches meiner Söhne, Kochen und Lesen.


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