4. Mai 2015

Überbehütung hindert Kinder an Bewegung


Die Überbehütung der Eltern erschwert den Kindern, Bewegungskompetenz zu entwickeln. Eine Meinungsumfrage zeigt: Österreichs Kinder werden zu sehr beschützt.

Eltern sind fürsorglich, doch zunehmend zu sehr. Anders gesagt: Die Überbehütung der Eltern erschwert den Kindern, Bewegungskompetenz zu entwickeln. „Kinder wollen Bewegung machen, doch wir lassen das nicht zu“, sagt Evelyn Kaiblinger vom Meinungsforschungsinstitut meinungsraum.at. Damit beschreibt Kaiblinger das Ergebnis einer Online-Meinungsumfrage unter 500 Eltern mit Kindern im Alter von 0 bis 14 Jahren.

Wegen Überbehütung nicht mehr uneingeschränkt Kind sein dürfen

An die zwei Drittel der Eltern stimmen folgender Aussage zumindest eher zu: „Im Vergleich zu früher können Kinder heutzutage bei Sport und Bewegung nicht mehr in uneingeschränktem Maße Kind sein“. Fast ebenso viele teilen die Meinung: „Kinder werden viel zu sehr behütet und beschützt, wenn es darum geht, sich beim Sport, bei der Bewegung zu verletzen.“ Und mehr als die Hälfte meinen, „Kindern wird es schwer gemacht, sich beim Sport voll zu entfalten, da die Eltern vorrangig die Sicherheit im Kopf haben und nicht die Tätigkeit selbst.“

Das ist auch eine persönliche Beobachtung Kaiblingers, und hier spricht sie als Mutter von zwei Kindern: „Kinder werden überbehütet. Wir wollen sie immer mehr in Watte packen.“ Sie habe gar schon Kinder gesehen, die am Spielplatz mit Helm herumlaufen. Was aber ist schuld an dieser Überbehütung? Ist sie sozialer Druck oder tatsächlich Notwendigkeit? Diese Frage lässt auch Evelyn Kaiblinger offen.

Eltern haben Verantwortung für Bewegung ihrer Kinder

Die Betreuungseinrichtungen, die Kindergärten und Schulen, sprechen die Eltern von der Verantwortung zur Bewegung frei, die Hauptverantwortung sehen sie bei sich selbst in den Familien. Zwei Drittel der befragten Familien setzen auf Sport in der Freizeit. Interessant: Besser gebildete Eltern – jene mit Matura oder einem höheren Abschluss – sind nicht nur häufiger sportlich organisiert, sie treiben deutlich mehr Sport. Auch ihre Kinder sind signifikant häufiger in Sportvereinen oder -gruppen. Die Eltern sind also Vorbild für die Kinder, sagt Kaiblinger. Und: Elternschaft allein bringe die Eltern schon in Schwung und Bewegung.

Falsche Einschätzung des Kindergewichtes

Die Zahl der übergewichtigen Kinder ist weltweit zwischen 1980 und 2013 um 47 Prozent gestiegen. Wie die aktuelle Befragung ergeben hat, können die Eltern das Übergewicht ihrer Kinder nicht unbedingt als solches einschätzen. Acht von zehn Eltern gaben an, ihr Kind sei ihrer Einschätzung nach „normalgewichtig“, und nicht unter- oder übergewichtig. Der Selbsteinschätzung wurde eine Berechnung des Body Mass Index (BMI) gegenübergestellt: Demnach sind nur 65 Prozent normalgewichtig.

Noch dazu meint ein Drittel der Eltern von stark übergewichtigen Kindern, ihr Kind würde sehr gesund ernährt. Süßigkeiten gehören aber in allen Familien dazu. Vier von zehn Kindern essen mehrmals pro Woche Süßes, auch ein Drittel jener, die laut Angaben der Eltern sehr gesund ernährt werden. Letzere bekommen jedoch weniger Limonade. Kaiblinger fasst zusammen: „Sehr gesund ernährte Kinder bekommen zwar Schokolade, aber keine Limonaden.“

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EIN ARTIKEL VON
  • Lucia Steindl

    Bevor ich journalistisch tätig wurde, machte ich die Ausbildung zur Kindergarten- und Hortpädagogin, leitete verschiedene Kindergruppen und arbeitete als Medienpädagogin. Nach Abschluss meines Journalismus-Studiums unterstütze ich nun mit Freude die Redaktion von meinefamilie.at.


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