14. August 2017

„Ich will die aber haben!“ – Wütende Kinder beim Einkaufen

Wütende Kinder beim Einkaufen - meinefamilie.at

Omas logische Argumente, dass sie die Schultasche nicht kaufen kann, versteht Anna nicht. Wichtiger ist, die Perspektive des Kindes anzunehmen und seine Gefühle zu beschreiben, dann können die Argumente folgen.

Oma betritt mit Anna die Buchhandlung. Während sie sich nach einem bestimmten Buch erkundigt, entdeckt Anna ein Regal mit Schultaschen, bunt, in allen Farben und mit den verschiedensten ihr bekannten Aufdrucken hängen sie dort. Anna, ein Vorschulkind, ist ganz entzückt. Sie möchte eine bestimmte Schultasche spontan haben. Oma ist von diesem Wunsch überfahren. Sie willigt aber ein, diese Schultasche näher zu betrachten. Die Verkäuferin nimmt sie vom Regal und zeigt auch das Innenleben der Schultasche her. Annas Wunsch ist nun noch stärker und sie bittet die Oma, die Schultasche jetzt zu kaufen.

Wenn Argumente abblitzen

Oma argumentiert, dass dieser Kauf mit Annas Mama noch nicht besprochen ist und sie jetzt auch nicht genug Geld mit hat. Diese Argumente sind für Anna nicht schlüssig und sie bleibt bei ihrem Wunsch – diese Schultasche, jetzt gleich! Alle anderen Dinge, ein Buch, ein Stift oder ein Malbuch zählen überhaupt nicht. Sie hört keine vorgebrachten Argumente mehr und wird wütend. Sie tritt mit dem Fuß gegen das Kassenpult, der vorher noch lächelnden Verkäuferin schläft das Gesicht ein. Sie murmelt etwas von dem Christkind, das alles sieht. Weder Oma noch Anna gehen darauf ein und verlassen das Geschäft.

Nachspiel in der Straßenbahn

In der Straßenbahn wird die Wut Annas noch größer und sie klopft mit ihren schmutzigen Stiefeln auf die Vordersitze. Als sie aussteigen müssen, steht Anna trotz Aufforderung nicht auf. Oma erhebt sich und geht Richtung Türe, um „Ausstieg“ zu drücken. Anna folgt ihr brüllend und will nach dem Aussteigen gleich losrennen. Da sie sich auf einer Verkehrsinsel befinden, muss Oma sie festhalten, was Anna noch zorniger macht. Sie schreit und schlägt um sich.

Wie die Wut verschwindet

Oma nimmt Anna hoch und hält sie. Sie hat erkannt, dass mit Worten jetzt nichts mehr zu erreichen ist. Sie trägt Anna ein Stück und bietet ihr an, sie zu tragen, bis sie die Fenster von Annas Wohnung sehen.

Oma geht nun auf Annas Wut ein und „erlaubt“ ihr, enttäuscht zu sein, worauf sich Anna beruhigt und sich ohne weiteres auf den Boden stellen lässt.

Lachend machen sie einen Wettlauf bis zur Haustüre. Anna verabschiedet sich von ihrer geliebten Oma auf das Herzlichste.

Was steckt hinter der Wut?

Wie kann es sein, dass aus der sonst so lieben, braven Anna eine Furie wird? Die hohe Motivation für die Schule, verstärkt durch die Kreativität der Konsumwelt verleihen der Schultasche einen brisanten emotionalen Stellenwert, denen mit sachlichen Argumenten nicht beizukommen ist. Sogar Vertröstungen verstärken in Anna das Gefühl, nicht ernst genommen zu werden. Kein Wunder, dass die Situation eskaliert, bis die Oma das „Rezept“ findet, das in Wirklichkeit die psycho-logische Gesetzmäßigkeit erfasst: Auf Annas Wut eingehen und ihr „erlauben“, enttäuscht zu sein. Hätte die Oma dies früher erkannt, hätten sie sich die „Szenen“ ersparen können: „Anna, ich sehe wie sehr du dich auf die Schule freust und gerade diese Schultasche wäre ein Traum für dich. Doch ohne deine Mama kann keine Entscheidung getroffen werden!“

Keine Angst vor Emotionen! Die Grundregel lautet: Die Perspektive des Kindes einnehmen und Emotionen beschreiben, danach erst Argumente liefern. Dann kann man mit Kindern „vernünftig“ reden und es wird ihnen leichter fallen, ein Nein zu akzeptieren. Probieren Sie es aus! Gelegenheiten dazu gibt es im Erziehungsalltag immer wieder.



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