2. September 2017

Trotz: Wie enge Grenzen Halt geben

Wie enge Grenzen Halt geben - meinefamilie.at

Eselsgeduld oder niederbrüllen – und was ist der Weg dazwischen, wenn Kinder trotzen? Manchmal sind enge Grenzen die Lösung, und Erwachsene, die kompromisslos handeln.

Christian (3) und Jürgen (5) teilen sich die letzten drei Stück des Milchstollens: Jürgen wählt das größere Stück, dafür kann Christian die beiden kleineren haben. Der kleine Bruder lässt sich Butter und Marmelade darauf streichen und isst es als Sandwich. Da ist der größere enttäuscht: Einen „Doppeldecker“ hätte er auch gerne gehabt. Worauf der Onkel meint: „Da brauchst du es nur auseinanderzuschneiden.“ Doch Jürgen ist frustriert und beginnt zu toben: „Nein, dann ist mein Doppeldecker ja kleiner als der andere!“ Die Mutter, geduldig: „Schau Jürgen, wir haben leider keinen Stollen mehr. Du kannst aber noch eine Semmel haben.“  Statt Einsicht zu zeigen, tobt Jürgen weiter: Keine der angebotenen Möglichkeiten gefällt ihm. Die Mutter versucht zu trösten: „Nächstes Mal…“ Doch jedes gut gemeinte Wort wird mit dem Einwand: „Ich will aber nicht…“ abgeschmettert.

Manchmal steigert sich Jürgen so richtig in seinen Trotz hinein, bis die gute Laune der ganzen Familie dahin ist, Mutters Geduld reißt, sie ihn beschimpft und vom Tisch wegschickt oder durch verlockende Versprechungen „kauft“, je nachdem, damit er nur ja wieder Ruhe gibt.

Manchmal heißt der Weg Kompromisslosigkeit

Diesmal interveniert der Onkel und meint kompromisslos: „Entweder du isst jetzt deinen Stollen oder ich nehme ihn mir!“ Seine freundliche, aber feste Stimme und sein eindeutiger Blick lassen Jürgen verstehen, dass er es ernst meint. Jürgen schweigt und isst. Ende der Szene.

Was zeigt dieses Beispiel? Wenn sich ein Kind in Launenhaftigkeit und Trotz hineinsteigert, braucht es nicht mehr Freiheit und Wahlmöglichkeiten, sondern enge, klare Grenzen (entweder/oder), um Halt zu finden. Auch wenn sie kurz protestieren – Kinder lieben Menschen, die sie ernst nehmen und freundlich, aber bestimmt handeln. Ansonsten besteht die Gefahr, dass Jürgen sich zum kleinen Tyrannen hochstilisiert, der keine Frustrationstoleranz erwirbt und alles immer „besser, schöner, größer“ als die anderen haben möchte.

Kindliche Reaktionen dieser Art sind normal und Jürgen ist noch lange kein „schlimmes Kind“. Durch enger gesteckte Grenzen wird es auch der Mutter leichter fallen, ihre Freundlichkeit zu bewahren, anstatt von einem Extrem (Eselsgeduld) zum anderen (Niederbrüllen) zu schwanken und das Kind dadurch erst recht zu verunsichern.

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