27. Juni 2019

Trotzphase: Tipps bei einem Wutanfall


Wenn das kleine süße Kindlein zum wütenden Monsterchen mutiert, stehen viele Eltern ratlos daneben und kämpfen oft mit sich selbst. Was ist die richtige Reaktion in solchen Momenten? Abwarten? Selbst laut werden? Das Kind trösten? Bevor wir diese Frage beantworten können, müssen wir uns darüber im Klaren sein, dass die Trotzphase normal und sogar notwendig für die gesunde Entwicklung des Kindes ist.

Je nach Temperament zeigen Kinder verschiedene Trotzreaktionen. Während manche nur kurz weinen und schnell aus dem Wutanfall wieder raus finden, schmeißen sich andere auf den Boden und treten schreiend um sich herum. Diese breite Palette an Wutanfällen ist das Ergebnis eines wichtigen Entwicklungsschrittes. Denn in dieser Phase entdeckt und übt ein Kind seinen eigenen Willen.

Alle machen, was ich nicht will

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Während in Erwachsenenaugen Kinder schon bei Kleinigkeiten wütend werden, sind diese Kleinigkeiten in den Augen der Kinder große Sachen, die gerade in diesem Moment im Mittelpunkt ihres Lebens stehen. Während wir ein Kind sehen, dass wütend Legosteine um sich herum wirft, weil der Turm nicht stehen will, fühlt das Kind Frustration, Enttäuschung und Verunsicherung, weil ihm etwas Entscheidendes nicht so gelungen ist, wie das Kind es sich vorgenommen hat.

Wenn wir ein Kind an der Erreichung seines Zieles hindern („Du darfst nicht dort klettern!“), kämpft das Kind auch gegen uns. Allerdings nicht um seine Macht uns gegenüber zu demonstrieren. Ihm ist seine Selbstbestimmung wichtig und es möchte seine neu gewonnene Selbstständigkeit testen.

Ein Kind sieht rot

Verfällt ein Kind in einen Wutanfall, nimmt es seine Umgebung nur sehr begrenzt wahr. Deshalb sind Kinder in diesen Momenten kaum ansprechbar. Manche wollen in Ruhe gelassen werden, anderen hilft es, wenn sie in Arm genommen werden. Doch aus dem Trotzanfall finden Kinder alleine raus. Wichtig ist nur, dass sie am Ende nicht alleine sind. Denn sobald so ein Anfall vorbei ist, schauen sie sich um und suchen nach ihrem sicheren Hafen – nach uns Eltern.

In diesem Fall ist es also enorm wichtig dem Kind unsere Liebe und Zuneigung zu zeigen, auch wenn es uns vielleicht schwer fällt. Es ist wichtig sich vor Augen zu halten, dass das Kind gerade eine schwierige Situation durchgemacht hat und uns nicht absichtlich ärgern will.

Tipps bei einem Trotzanfall

Manchmal lässt sich ein Wutanfall vermeiden, oder im Keim ersticken, doch manchmal muss man durch. So oder so, hier sind paar Tipps, die in solchen Situationen hilfreich sein können:

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  • Wenn sich ein Trotzanfall anbahnt, ist das Kind vielleicht noch ablenkbar. Zeigen Sie ihm etwas Interessantes oder beziehen Sie es in eine Tätigkeit mit ein.
  • Bei einem Anfall sorgen Sie dafür, dass sich das Kind nicht verletzten kann. Bleiben Sie in der Nähe. Ob das Kind gehalten werden möchte, oder nicht, müssen Sie selbst herausfinden. Akzeptieren Sie aber seine Wünsche und zwingen Sie es nicht zum Kuscheln, oder lassen es nicht alleine, wenn es Sie braucht!
  • Lachen Sie das Kind niemals aus. Bestrafen Sie es auch nicht.
  • Ignorieren Sie Kommentare und Blicke der Umgebung. Oft bringen uns gerade fremde Menschen zu falschen Reaktionen.
  • Sollte Ihr Kind Sie schlagen, können Sie seine Hände halten und ruhig „Nein“ sagen. Lenken Sie seine Wut zum Beispiel gegen einen Polster, aber nicht gegen Menschen. Auch im Wutanfall dürfen bestimmte Grenzen nicht überschritten werden.
  • Sollte Ihr Kind nach dem Anfall weinen, trösten Sie es.
  • Nach dem Wutanfall gehen Sie zum Alltag über. Das Kind muss das Gefühl haben, dass es sich Ihrer Liebe sicher sein kann, egal was passiert.
  • Wenn Sie Ihrem Kind nachgeben möchten, oder einen Kompromiss anbieten wollen, dann immer vor dem Wutanfall. Es soll nicht lernen, dass es durch Trotzanfälle ans Ziel kommt. Ein „Nein“ soll also „Nein“ bleiben, auch wenn ein Wutanfall in der Öffentlichkeit passiert.


EIN ARTIKEL VON
  • Mirka Huber

    Ich bin Journalistin und seit 2016 Mama von einem Jungen. Seitdem ist mein Leben erfüllter denn je. Meine kleine Familie ist wie eine Ruheinsel, denn neben Beruf und Familie betreue ich noch eine Pfadfindergruppe. Meine Freizeit verbringe ich gerne mit Lesen, in der Natur, mit Freunden oder Sport.


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