7. November 2016

5 Wege, um mit kindlichem Trotz umzugehen

Trotz - meinefamilie.at

Die Autonomiephase, ein wichtiger Entwicklungsschritt: Warum Kleinkinder oft mit Trotz reagieren und fünf Wege, wie Eltern damit umgehen können.

„Ich will aber!“ „Nein, ich mach das nicht!“ – Bekannte Aussagen von Zwei- bis Vierjährigen, die ihre Gefühle häufig durch Trotz ausdrücken. Die Trotzphase ist ein natürlicher Entwicklungsprozess, den alle Kinder in unterschiedlich ausgeprägter Intensität durchlaufen. Auch wenn diese Zeit für Eltern und Kind sehr anstrengend ist, so ist Trotz ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Selbständigkeit.

Eigentlich heißt diese Entwicklungsphase Autonomiephase, denn das Ich-Bewusstsein bildet sich heraus. Damit trägt die Autonomiephase grundlegend zur Persönlichkeitsentwicklung bei. Dein Kind nimmt sich als eigenständig wahr und zeigt seine Willensstärke. Es setzt sich Ziele, die manchmal von den Vorstellungen seiner Eltern abweichen. Es will immer mehr selber bestimmen und handeln. Hin und wieder stößt es dabei an Grenzen. Wenn ein Vorhaben nicht wie gewünscht gelingt, kann das eine heftige Trotzreaktion auslösen.

Trotz als Reaktion in der egozentrischen Phase

Dein Kind kann sich nun vor Beginn seiner Handlungen ein Handlungsziel vorstellen. Durch Ausprobieren und erforschen beginnt dein Kind Zusammenhänge zu verstehen. Es befindet sich in der egozentrischen Phase, in der ausschließlich seine eigenen Wünsche, Ziele und Bedürfnisse eine Rolle spielen.

Dein Kind muss erst lernen, dass andere Kinder oder auch Erwachsene ebenso eigene Wünsche haben.

Dies ist für dein Kind ein anstrengender und mühevoller, mit vielen Frustrationen verbundener Lernprozess. Gleichzeitig erlernt dein Kind, seine Gefühle zu kontrollieren. Die eigenen Emotionen zu regulieren und Strategien zu entwickeln, wie negative Emotionen überwunden werden können, ist eine wichtige Entwicklungsaufgabe für soziales Verhalten.

Die Autonomiephase ist demnach ein Schritt in die Unabhängigkeit. In dieser Phase sind die Kinder sehr stolz auf Dinge, die sie selber tun können. Sie werden selbstständig und wollen autonom sein! Das Kind entwickelt eine klare Vorstellung davon, was es möchte.

Als Eltern mit Trotz umgehen

Trotziges Verhalten von Kindern setzt so ziemlich alle Eltern unter Stress. Besonders schwierig wird die Situation, wenn dein Kind in der Öffentlichkeit trotzt, sich zum Beispiel im Supermarkt auf den Boden wirft und laut schreit, weil es Schokolade oder andere Süßigkeiten haben möchte.

Doch weit schlimmer wäre ein Ausbleiben der Trotzreaktion, denn sie gehört zur normalen kindlichen Entwicklung.

Ihr Ausbleiben kann bedeuten, dass die ICH-Entwicklung beeinträchtig ist. Wie kannst du als Elternteil gut mit dieser Phase umgehen?

#1 Das Kind und seine Gefühle ernstnehmen

Bewahre selbst Ruhe und lass dich nicht von der Wut deines Kindes anstecken! Denk dran, dass sich dein Kind gerade selbst nicht helfen kann. Es kann seine eigenen Gefühle im Moment nicht kontrollieren. Das Kind muss erst lernen, mit diesen starken Gefühlen umzugehen, es braucht dich dabei. Nimm die Gefühle deines Kindes ernst.

#2 Verständnis zeigen und in der Nähe sein

Das Kind braucht deine Unterstützung bei einem Trotzanfall! Bleib in seiner Nähe und biete ihm an, dass es zu dir kommen kann, wenn es möchte. Schick es auf keinen Fall weg, das macht dem Kind Angst. Hör aufmerksam zu und schenk deinem Kind Zeit – mit Liebe und Zuwendung zu reagieren hilft. Kinder brauchen Verständnis und aufmunternde Worte.

Mit kindlichem Trotz umgehen - meinefamilie.at
Wut zulassen, aussprechen und Wege zum Abbau finden: wichtig in der Trotzphase.

#3 Alle Gefühle sind okay

Jeder ist manchmal wütend. Eltern sollten ihrem Kind immer signalisieren, dass sie seine Wut akzeptieren. Somit versteht dein Kind die Botschaft: „Meine Eltern sehen mich und lieben mich wie ich bin! Auch wenn es mir nicht gut geht.“ Erklär deinem Kind, dass diese Emotion ganz natürlich ist, aber aggressives Verhalten nicht in Ordnung ist und dass man lernen muss, seinen Ärger so zu lenken, dass man keiner anderen Person dadurch weh tut oder etwas kaputt macht. Wichtig ist, dass Kinder lernen, mit der Wut umzugehen.

#4 Gefühle benennen

Gefühle ansprechen ist wichtig und hilfreich: „Du bist jetzt sehr wütend!“

Wer wütend ist, möchte verstanden oder wahrgenommen werden.

Du wirst nicht immer sofort verstehen, warum dein Kind wütend ist, aber du kannst die Wut wahrnehmen und dabei dein Kind unterstützen, Emotionen zu verstehen. Gib deinem Kind ein Wort für das Gefühl. Wenn dein Kind ein Wort für sein „Inneres“ hat, kann es auch mit dessen Hilfe die Wut herausbringen. Sobald sich dein Kind beruhigt hat, kannst du mit ihm ein einfaches Gespräch über seine Wut führen und ihm versichern, dass du es trotzdem gerne hast. Oft hat das Kind danach ein Bedürfnis nach Nähe und will kuscheln.

#5 Austoben

Hilf deinem Kind, Möglichkeiten zu finden, die Wut angemessen rauszulassen. Es gibt kein Patentrezept zum Umgang mit Ärger: Welche Regulationsstrategien helfen, ist abhängig von der Persönlichkeit deines Kindes und der jeweiligen Situation. Manchmal helfen Bücher, Rollenspiele, Emotionskarten oder eine Wutbox.

Kinder suchen meist von selbst Möglichkeiten, sich motorisch abzureagieren. Wut bringt sehr starke Energien mit sich, die abgeführt werden müssen, um sich von inneren Spannungen zu befreien. Zeige deinem Kind körperliche Strategien, mit denen es seine Wut ausleben kann. Das kann laufen, stampfen, hüpfen sein oder in einen Wutpolster boxen. Manchmal hilft auch kneten, z.B. mit Plastilin, Ton, Salzteig oder Wasserspiele und mit Rasierschaum matschen.

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EIN ARTIKEL VON
  • Marie-Thérèse Schmiedleitner

    Ich bin Pädagogin und seit Jahren in der Kinderbetreuung tätig. Darüber hinaus biete ich systemische Familienberatung für Babys, Kleinkinder und Elternworkshops an. Ich lese leidenschaftlich gerne Blogs und bin selbst begeisterte Bloggerin.


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