27. April 2018

Schreianfall im Auto – Konfliktsituationen mit Kindern richtig lösen

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Wie reagieren, wenn Kinder im Auto einen Schreianfall bekommen? Wie können Eltern ruhig bleiben anstatt den Konflikt durch den eigenen Stress womöglich auch noch zu verschärfen? Hier ein Fallbeispiel mit Lösungsansätzen.

Fallbeispiel: Wenn Kinder im Auto zu toben beginnen. Wenn Fabian, 3, mit seinem Vater im Auto sitzt und es plötzlich ein Lied spielt, das Fabian nicht gefällt, fängt er an zu kreischen. Wenn der Vater nicht sofort umschaltet, wird Fabian hysterisch und tritt mit den Füßen gegen den Vordersitz, worauf der Vater kontert: „So nicht! Heute gibt es keinen Spielplatz, weil du machst mir mein Auto kaputt!“ Wenn der Vater hart bleibt, fällt Fabian zurück in die Babyphase, weint bitterlich, verlangt den Schnuller, lässt sich schwer beruhigen. Der Vater weiß, dass Fabian unausgewogen ist, weil er die Trennung seiner Eltern noch nicht verarbeitet hat. Nachgeben und seinen Sohn in diesem Verhalten bestärken will er aber auch nicht.

Herunter holen und Eskalation vermeiden

Zunächst ist es wichtig, dass der Vater seinem Sohn hilft, seine Wünsche verbal statt durch Kreischen auszudrücken, indem er nachfragt: „Gefällt es dir nicht?“ Auf Fabians Rückmeldung lenkt er entweder ein oder beginnt Verhandlungen. Entweder: „Mir gefällt es aber! Ich möchte es gerne zu Ende hören.

Kannst du das verstehen?“ Wenn Fabian einlenkt, hat er an Reife zugewonnen. Dafür muss er gewürdigt werden: „Fein, dass du auf mich Rücksicht nimmst!“ Wenn nicht, ist es angemessen, das Bedürfnis des Kindes zu achten und auf dieses Lied zu verzichten: „Wenn es dir nicht gefällt, kannst du mich einfach bitten, auszuschalten!“ Nichts spricht dagegen, diesem Wunsch nachzukommen, wenn er höflich geäußert wird.

Konflikte durchstehen

Selbst wenn sich ein emotionaler Ausbruch mit Tritten gegen den Vordersitz nicht verhindern lässt, ist mit Spielplatzverbot nicht geholfen. Lieber stehen bleiben und auf Fabian eingehen: „Unglaublich, wie wütend dich so ein Lied machen kann! Aber meine Rückenlehne kann nichts dafür!“

Sollte der Knabe weiter toben, dann kann ihn der Vater nehmen und fest halten, um weiteren Schaden zu verhindern, bis sich Fabian beruhigt hat. Danach: „Können wir jetzt weiter fahren?“ Hier geht es nicht darum, dass der Vater um Erlaubnis bittet, sondern zu signalisieren, dass das Ruhigsein Voraussetzung für die Weiterfahrt ist. Das kann sich auch deutlicher anhören: „Wir fahren erst weiter, wenn du dich beruhigt hast!“

Lösungen bei Konfliktsituationen

  • Ruhe bewahren: Auch wenn Sie es eilig haben, zeigen Sie damit, dass Sie gute Nerven und die Kontrolle über das Geschehen haben. Dem Kind wird es über kurz oder lang langweilig und es wird einlenken. Und darum geht es. Bei nächster Gelegenheit wird Fabian die Rückenlehne abwischen, zum Zeichen der Wiedergutmachung.
  • Auf Schimpfen und Strafen verzichten: Damit versteht das Kind, dass es verstanden und angenommen wird und es Ihnen nicht um den Machtkampf geht.

Auch wenn Kinder sich nicht wohl in ihrer Haut fühlen, dürfen wir uns weder erpressen noch sie toben lassen, sondern wir müssen ihnen einen Ausweg aufzeigen, wie sie Beherrschung lernen und Einsicht entwickeln können, in einer Weise, dass sie sich gut und ernst genommen fühlen.

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