11. Februar 2015

Trauer bei Kindern


Im Umgang mit Trauer von Kindern ist es am besten, immer bei der Wahrheit zu bleiben, erklärt die Trauerexpertin Ines Pfundner.

Wenn es in der Familie einen Todesfall gibt, eine Bezugsperson gestorben ist, jemand der uns nahe stand, dann lässt uns das meist hilf- und sprachlos zurück. Wie schwer ist es, die richtigen Worte zu finden. Noch schwerer, wenn wir einem Kind erklären wollen, was passiert ist – wollen wir unsere Kinder doch von Trauer und Schmerz beschützen.

Trauer ist ein Tabu

“Trauer ist in unserer Gesellschaft ein Tabu geworden”, erklärt die Trauerbegleiterin Ines Pfundner. Sie arbeitet seit Jahren im Fachbereich Trauerbegleitung der Pfarrcaritas, leitet Trauergruppen, führt Einzelgespräche und hat sich besonders der Kindertrauer gewidmet. “Kinder trauern nicht anders”, erklärt die Expertin, auch die Trauerphasen, durch die Kinder und Erwachsenen gehen, sind gleich. Was sich unterscheidet ist der Umgang damit. Trauer an sich sei etwas komplett Individuelles. Bei Kindern komme dazu, dass sie in ihrer Trauer springen, “sozusagen von Trauerpfütze zu Trauerpfütze. Sie tauchen ein in die Trauer, aber in der nächsten Sekunde sind sie wieder mitten im Leben, mitten im Tun. Das ist etwas sehr Hilfreiches”.

Diese Sprünge in der Trauer können auch Erwachsenen helfen, die eher dazu tendieren, in der Trauer stecken zu bleiben: “Erwachsene tauchen eher in einen Trauerstrom ein, aus dem sie kaum heraus kommen. Kinder tun das nicht.”

Vorbild im Umgang mit der Trauer

Essentiell sei aber immer das Vorbild der Erwachsenen im Umgang mit der Trauer. Meistens wollen die Erwachsenen die Kinder schonen, wollen ihnen ihre Trauer nicht ganz zeigen. “Wir wollen ja keine unglücklichen Kinder, keine Kinder, die es schwer haben. Das aber wiederum erschwert es den Kindern, dass sie ihr Trauergefühl, dass sie ja trotzdem empfinden, annehmen und ausleben können”, so Ines Pfundner.

Bei der Wahrheit bleiben

Es fällt uns schwer, auch als Erwachsene über den Tod zu sprechen. Die Trauerexpertin rät, bei der Wahrheit zu bleiben, den Tod direkt anzusprechen und nicht zu umschreiben. “Tod heißt nicht, einfach eingeschlafen zu sein oder eine weite Reise zu machen. Besser ist es, den Kindern sehr früh zu erklären was Tod heißt: Tod heißt, ich kann nicht mehr atmen, ich kann meine Augen nicht mehr öffnen, bin nicht mehr warm, kann mich nicht bewegen, nicht mehr essen, nicht mehr trinken.”

Oft käme es vor, dass verstorbene Meerschweinchen einfach ausgetauscht werden, während das Kind im Kindergarten oder in der Schule ist, nur um den Kindern nichts Schweres, nichts Trauriges zuzumuten.”Anhand eines toten Tieres – und sei es nur die Fliege, die am Fensterbrett liegt – ist gut zu erkennen und zu verstehen, was Tod eigentlich bedeutet. Dass es keine Vitalfunktionen mehr gibt, dass das Tier nicht mehr aufstehen wird. Das ist wesentlich sinnvoller, als das Kind von allem Schweren fernhalten zu wollen.”

Kinder verkraften mehr als wir glauben

Manchmal tritt ein Todesfall völlig überraschend ein, ein anderes Mal geht eine lange Krankengeschichte voraus. Die Grundregel sei, so die Trauerexpertin, immer dieselbe: nämlich so gut wie möglich bei der Wahrheit zu bleiben. “Alles was Kinder mit ihren Sinnen erfahren können, können sie auch besser verarbeiten als Dinge, die sie hinter vorgehaltener Hand mitbekommen. Es ist besser, genau zu erklären, dass zum Beispiel die Oma jetzt krank ist – je nach Altersstufe mit den richtigen Worten, dass sie nicht mehr essen, nicht mehr aufstehen kann.”

Besuche im Krankenhaus sollten allerdings nur mit Einwilligung des Kindes stattfinden. Dort sei es dann wichtig, sich auf die Augenhöhe des Kindes zu begeben und zu sehen wie das Kind den Raum sieht, welche Apparate dort stehen und sie dem Kind auch zu erklären. “Ein Kind kann besser einordnen, wenn die Oma zwar nicht mehr aufstehen kann, aber ich mich noch zur ihr auf’s Bett setzen kann; wenn die Oma nicht mehr reden, nicht mehr essen kann und dann verstorben ist. Das ist besser als ich halte das Kind von allem fern, die Oma fährt mit dem Opa ins Krankenhaus und ein paar Wochen später ist sie tot.

“Kinder verkraften mehr als wir glauben”, so die Trauerexpertin. Oft sei es die Angst der Erwachsenen vor Reaktionen der Kinder, mit denen sie selbst nicht umgehen können, die zu einem falschen Schützen wollen führen.

Zum Angebot Trauerbegleitung der Caritas

Die Kontaktstelle Trauer der Pfarrcaritas bietet ein breites Beratungs- und Geseprächsangebot rund um das Thema Trauer für Erwachsene und Kinder an.

Die Kunsttherapeutin Ines Pfundner hat mitgeholfen, den Bereich Kindertrauer aufzubauen. Ihre Praxis für Trauerbegleitung: www.kindertrauer.at

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EIN ARTIKEL VON
  • Katharina Spörk

    Lesen und Schreiben – meine zwei Leidenschaften zu vereinen, war immer ein großer Wunsch. Seit acht Jahren ist es auch mein tägliches Tun: als Redakteurin bei der Erzdiözese Wien. Das Arbeiten im Web fasziniert mich, die redaktionelle Mitarbeit für meinefamilie.at ist jetzt die Zugabe.


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