10. Februar 2016

Kinderbücher zum Thema Trauer

Kinderbücher zum Thema Trauer - meinefamilie.at

Wenn Kinder Begräbnis spielen oder Fragen über das Sterben stellen, sind Kinderbücher zum Thema Trauer eine hilfreiche Unterstützung für Eltern. Eine Übersicht von Buchempfehlungen.

„Komm, wir spielen Begräbnis“, sagt der 5-jährige Florian zu seiner Freundin Mirjam. „Wir spielen, dass meine Mama gestorben ist und jetzt legen wir sie ins Grab.“ „Und vorher müssen wir noch Blumen pflücken“, sagt Mirjam.

Diese Geschichte erzählt mir Florians Mama vor ein paar Wochen. „Ich war ehrlich gesagt etwas entsetzt!“, sagt sie und sie habe nicht genau gewusst, wie sie reagieren solle. „Ich hab sie dann einfach gelassen, weil sie beide so in ihr Spiel vertieft waren und mich ja auch nicht direkt mit einbezogen haben. Aber ein bisschen irritiert war ich doch“, erzählt Florians Mama weiter und fragt mich, wie ich reagiert hätte.

„Genauso wie du!“, antworte ich. Denn meine Freundin hat hier alles richtig gemacht, indem sie sich nicht eingemischt hat und nicht mit einer Aussage wie „Aber das könnt ihr doch nicht spielen!“ reagiert hat, auch wenn ihr das vielleicht auf der Zunge gelegen wäre.

Es ist wichtig, dass sich Kinder mit den wesentlichen Fragen des Lebens auseinandersetzen, und dazu zählen auch der Tod und das Sterben. Gerade im späten Kindergarten- und Volksschulalter haben Kinder eine natürliche Neugierde für diese Themen.

Kinder brauchen Antworten

Kinder brauchen Antworten zum Thema Tod und Sterben. Auch, wenn es einem selbst schwerfällt, sollte man sich mit Fragen wie diesen auseinandersetzen: Müssen alle Menschen sterben? Wie ist das, wenn man tot ist? Sterben auch junge Leute? Denn das können Fragen sein, die Kinder ihren Eltern oder Vertrauenspersonen stellen. Antworte ehrlich und sage deinen Kindern, wenn du auf eine Frage keine Antwort weißt. Unser Glaube kann in diesen Gesprächen eine große Unterstützung sein.

So kann ich zum Beispiel sagen, dass wir nicht genau wissen, wie sich Totsein anfühlt, aber als Christen vertrauen wir darauf, dass wir dann beim lieben Gott im Himmel sind.

Und wie ist das jetzt mit dem zu Beginn erzählten Spiel von Florian und Mirjam? Kinder erkunden im Spiel ihre Welt, gerade das Spiel ermöglicht ihnen, sich mit schwierigen Themen auseinanderzusetzen und diese in Sicherheit auszuprobieren. Sterben gehört zum Leben dazu. Genauso wie Kinder spielen, zum Arzt oder in die Schule zu gehen, ist es natürlich, dass sie das Sterben in einem Spiel thematisieren. Gleichzeitig stellen sich Kinder dabei die wichtige Frage: Was passiert, wenn Mama oder Papa plötzlich nicht mehr da wären, wer kümmert sich dann um mich? Auch hier ist es wichtig, eine klare Antwort zu geben. Wer sind die Menschen, denen du dein Kind anvertrauen würdest und könntest? Wenn diese Frage geklärt ist, sind Kinder in den meisten Fällen zufrieden und widmen sich wieder anderen Themen.

Wenn du das Gefühl hast, dein Kind beschäftigt sich sehr verstärkt mit dem Thema – womöglich verbunden mit einer Angst vor dem Tod – dann ist es hilfreich, Bilderbücher zum Thema vorzulesen und dem Kind in Gesprächen Sicherheit und Vertrauen zu vermitteln. Oft passiert das anlassbezogen, ein Todesfall im Familien- oder Freundeskreis kann hier Auslöser sein.

Denke auch über deinen eigenen Umgang mit dem Thema Tod und Sterben nach. Was sind deine Fragen, Ängste und Haltungen? Du musst nicht alles deinem Kind weitererzählen, aber die eigene Haltung zu einem Thema zu reflektieren gibt Sicherheit im Gespräch. Das spürt das Kind auf jeden Fall!

Literatur und Kinderbücher zum Thema Trauer

Bilderbücher
  • Wie der kleine rosa Elefant einmal sehr traurig war und wie es ihm wieder gut ging – Monica Weitze / Eric Battut
    Der kleine rosa Elefant hat einen allerbesten Freund, Freddi. Aber eines Tages zieht die Familie von Freddi weg und die beiden müssen sich trennen. Der kleine rosa Elefant wird traurig, so traurig, dass er nicht einmal spielen mag. Zum Glück weiß die Eule Heureka Rat und der rosa Elefant wird wieder glücklich.
  • Sarahs Weide – Friedrich Recknagel / Maja Dusikova
    Sarahs Lieblingsbaum, die große Weide, ist gefällt worden. Traurig denkt Sarah an den Blumengeist, der ihr im Traum erschienen ist. Nun hat er kein Zuhause mehr. Aber der Vater hat eine Idee: Zusammen setzen die beiden einen Weidenzweig in die Erde. Bald entdeckt Sarah die ersten Blätter und ist glücklich: Der Baumgeist ist ins kleine Bäumchen eingezogen.
  • Der Drache mit den roten Augen – Astrid Lindgren
    Zwei Geschwister ziehen im Stall einen kleinen Drachen groß. Als der Drache groß genug ist, verabschiedet er sich von den beiden und fliegt weg.
  • „Was ist das?“, fragt der Frosch – Max Velthuijs
    An einem Herbsttag entdeckt der Frosch eine bewegungslose Amsel im Gras. Besorgt fragt er seine Freunde, was mit ihr sein könnte. Auf sehr schöne Weise beginnen alle zu verstehen, was Tod bedeutet und wie schön das Leben sein kann. Das ist kein Widerspruch für den, der einmal erlebt hat, mit welch tiefer Anteilnahme und auch Freude und Befriedigung Kinder tote Tiere beerdigen.
  • Still, ich denke an das Huhn – Hans Hagen / Harrie Geelen
    Begleitet vom Hahn und von der Krähe trägt Jan Erik sein kleines Huhn zu Grabe, vorsichtig betten sie den Körper in eine vorbereitete Grube, Körner und ein Schälchen mit Wasser kommen dazu, eine Blume, eine Feder. Der Junge ist traurig und nicht in der Stimmung, mit der geschwätzigen Krähe zu plaudern. Seid bitte still, sagt er zu den Freunden, ich denke an das Huhn. Das Ei, das letzte Geschenk des Huhns, legt er in eine Schachtel unter die Lampe. Und am Ende des Buches schlüpft als Symbol des Lebens ein Küken. Ein poetisches, positives Buch über das Trauern und das Loslassen.
  • Adieu, Herr Muffin – Ulf Nilsson / Anna Clara Tidholm
    Früher war Herr Muffin ein junges, starkes Meerschwein. Er konnte eine ganze Gurke auf dem Rücken tragen. Nun aber ist er alt und grau und müde. Er denkt an sein Leben und knabbert Mandeln. An einem Mittwochmorgen kann Herr Muffin nicht mehr aufstehen. Es tut so weh im Bauch und in den Beinen…
  • Leb wohl, lieber Dachs – Susan Varley
    Der Dachs war immer zur Stelle gewesen, wenn eines der Tiere ihn brauchte. Den Frosch hatte er Schlittschuhlaufen gelehrt, den Fuchs Krawattenknoten-Schlingen und Frau Kaninchen hatte von ihm sein Spezialrezept für Lebkuchen bekommen. Die Tiere reden oft von der Zeit, als Dachs noch lebte. Und mit dem letzten Schnee schmilzt auch ihre Traurigkeit dahin. Es bleibt die Erinnerung an Dachs, die sie wie einen Schatz hüten.
Bücher über den Tod alter Menschen
  • Opa kommt nicht wieder – Ann De Bode / Rien Broere
    Florian ist sehr traurig. Sein Opa ist gestorben. Nun hat Florian eine Menge Fragen. Wo ist Opa jetzt? Kann Opa noch etwas fühlen? Und weiß Opa, dass er tot ist? Florian will Opa erzählen, warum er so traurig ist. Aber niemand kann ihm sagen, wo er ist. Da hat Florian eine gute Idee…
  • Das Licht in den Blättern – Margaret Wild  Ron Brooks
    Die Großmutter einer Schweinefamilie stirbt. Sie ist mit dem Tod einverstanden. Sie schließt ihr Leben ab, bringt alles in Ordnung und kann noch einmal die Schönheit der Welt genießen und sie an ihre Enkelin weitergeben. Die großflächigen Aquarelle sind zart und können die Stimmung genau einfangen: die Müdigkeit der Großmutter, die Traurigkeit der Enkelin und vor allem die Schönheit der Natur.
  • Hat Oma Flügel? – Mans Gahrton
    Oma ist einundachtzig. Das ist ganz schön alt. Außerdem ist sie jetzt tot. Malva und Max haben wirklich Pech. Sie haben nur eine Oma und dann muss die auch noch sterben. Malva und Max dürfen nicht mal mit zur Beerdigung. „Wer hat sie erschossen?“, fragt Max… Ein Buch, das ungezwungen und mit viel Humor auf die Denkweise kleiner Kinder eingeht.
  • Hat Opa einen Anzug an? – Amelie Fried / Jacky Gleich
    Bruno mag seinen Opa sehr gern. Opa hat ihm immer alles erklärt und gezeigt. Aber jetzt ist er fort. Xaver behauptet, er sei auf dem Friedhof. Papa sagt, im Himmel. Beides gleichzeitig geht ja wohl nicht. Wenn Bruno doch Opa fragen könnte! Bruno ist wütend und traurig. Jeden Abend betrachtet er vor dem Schlafengehen das Bild von Opa und spricht mit ihm. Da fühlt er sich langsam besser. Es ist, als würde Opa ihm jedes Mal von weit her zulachen.
Kinderbücher zum Thema Trauer
  • Paul und der rote Luftballon – Ines Pfundner / Peter Stich, Wiener Neustadt 2006
  • Und was kommt dann? Das Kinderbuch vom Tod – Pernilla Stelfelt, Frankfurt am Main 2000
  • Abschied von Rune – Wenche Oyen / Margit Kaldhol, Hamburg 1987
  • Pele und das neue Leben – Heyduck-Huth Schindler, Lahr 2004

Die Autorin Kerstin Schultes ist Mitarbeiterin der Kontaktstelle Trauer und Mutter von drei Töchtern.

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