5. Mai 2017

Wenn Eltern um verstorbene Kinder trauern

Wenn Eltern um verstorbene Kinder trauern - meinefamilie.at

Die Journalistinnen Silke Baumgarten und Silia Wiebe haben nach dem Tod ihrer Kinder Erfahrungen anderer Eltern gesucht und daher selbst ein Buch darüber geschrieben: „Das Trauerbuch für Eltern – Was Müttern und Vätern nach dem Tod ihres Kindes geholfen hat.“ Hier erzählen sie, wie es dazu kam.

Das Trauerbuch fuer Eltern von Silia Wiebe - meinefamilie.atWas hilft, wenn eigentlich nichts mehr hilft? Wie findet man nach dem Tod seines Kindes zurück ins Leben? Silkes schwerst behinderte Tochter starb mit neun Jahren. Silia verlor zwei Kinder in der späten Schwangerschaft. In der größten Krise unseres Lebens fragten wir uns: Wie haben andere verwaiste Mütter und Väter diesen Schmerz überlebt? Was half ihnen dabei, wieder Lebensfreude zu empfinden? Was tat ihnen gut? Wir fanden kein Buch, dass uns diese Fragen beantwortete. Darum haben wir es jetzt geschrieben.

Wir machten uns auf den Weg und trafen Eltern, die ein Kind verloren hatten – wegen einer Krebserkrankung, eines Unfalls, einem plötzlichen Herztod, aufgrund von genetischen Erkrankungen oder aus anderen Gründen.

Trauernde Eltern schildern Erfahrungen und Gefühle

Die Mütter und Väter schilderten uns ihre Erfahrungen und Gefühle. Sie vertrauten uns an, was ihnen geholfen hat – und was nicht. So erzählte die Mutter der einjährigen Sarah, wie ihr immer gesundes Kind innerhalb von nur zwölf Stunden nach einer Meningitis starb. Und wie sie die ersten Tage, Wochen und Monate nur überstand, weil ihr Mann, ihre Familie und ihre Freunde rund um die Uhr für sie da waren.

Ein Ehepaar schilderte uns, wie es Pflegekinder bei sich aufnahm, nachdem ihr Sohn an Krebs gestorben war. Schon einmal – Jahre zuvor – hatten sie ein Kind kurz nach der Geburt verloren. Eine Mutter erzählte, wie sie zwei Burnouts überwand und sich nach dem Tod ihres schwerst behinderten Kindes zur Clown ausbilden ließ. Eine andere Mutter kämpfte jahrelang für eine bessere Ampel an der Kreuzung, an der ihr Sohn überfahren wurde. Und ein Vater erzählte, wie er noch Jahre nach dem Tod seines Kindes auf den Friedhof geht und dort Ruhe und Kraft findet, wenn ihn Alltagssorgen belasten.

Unterschiedliche Bedürfnisse

Für manche der Eltern in unserem Buch liegt der Todestag ihres Kindes schon einige Jahre zurück. Andere haben gerade erst das erste schwere Jahr hinter sich. Manche wollten möglichst schnell wieder zurück in den Alltag und zur Arbeit, weil ihnen die festen Strukturen und ein geregelter Tagesablauf gut taten. Andere brauchten für viele Monate den geschützten Raum zu Hause und fürchteten den Lärm und die Geschäftigkeit der Kollegen. Manche fanden Trost im Glauben, andere suchten Unterstützung bei Therapeuten oder Gleichgesinnten, die ähnliches erlebt hatten.

Uns Autorinnen war wichtig, nichts zu bewerten und nichts wegzulassen.

Wir möchten mit diesem Buch keine Ratschläge geben, sondern verwaiste Eltern ermutigen, ihren eigenen Weg zu suchen und zu gehen.

Und wir hoffen, dazu beizutragen, dass Angehörige und Freunde trauernde Eltern besser verstehen und unterstützen können.

Interview mit Trauerforscherin Verena Kast

Darum haben wir die sehr persönlichen Protokolle durch ein Interview mit Verena Kast ergänzt. Die renommierte Psychologin und Trauerforscherin erklärt die typischen Trauerphasen und gibt viele Anregungen für den Umgang mit trauernden Eltern. Denn oft sind Außenstehende unsicher, wissen nicht, ob sie an die Wunde rühren dürfen oder ziehen sich sogar zurück, weil sie denken, dass Menschen, die das Liebste verloren haben, vor allem Ruhe brauchen und allein sein wollen.

Aber wenn Eltern durch den Tod ihres Kindes in ihren Grundfesten erschüttert werden, brauchen sie andere, die da sind und dableiben, die zuhören und die akzeptieren, dass Trauer laut sein kann und wütend, leise und tränenreich, schwankend oder äußerlich gleichbleibend. Denn das zeigt unser Buch: In der Trauer gibt es kein Richtig und kein Falsch.

Das Trauerbuch für Eltern

Was Müttern und Vätern nach dem Tod ihres Kindes geholfen hat.
Silia Wiebe, Silke Baumgarten
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 176 Seiten
ISBN: 978-3-466-31074-6
€ 19,60
Verlag: Kösel

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Über die Autoren

Silia Wiebe - meinefamilie.at

Silia Wiebe, geboren 1977, ist Journalistin (u.a. bei Chrismon, ELTERN und BRIGITTE), Buch-Autorin und Dozentin an der Akademie für Publizistik. Sie ist Mutter eines Sohnes und verlor zwei Kinder in der späten Schwangerschaft.

Silke Baumgarten - meinefamilie.at

Silke Baumgarten, geboren 1959, war über 20 Jahre Redakteurin bei Brigitte und arbeitet heute als Trauerrednerin, Dozentin und Autorin. Sie hat eine erwachsene Tochter. Ihre zweite Tochter war schwer behindert, sie starb mit neun Jahren.

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1 Kommentare
  • Helmut Kastner, 10. Mai 2017, 10:13 Antworten

    Ist ein interessantes Thema, wäre toll wenn es dieses Buch auch als e Bookmark Version gäbe.

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